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Skifliegen | WM am Kulm Der (Alb)-Traum vom 300-Meter-Flug

ZDF SPORTextra - Wintersport, 15.01.2016 12:10 Uhr
  • Bild Skifliegen am Kulm
  • Interaktiv Wintersport im Liveticker
  • BildSkifliegen am Kulm
    Anders Fannemel bei seinem Weltrekord-Flug auf 251,5 Meter
    (Quelle: dpa)
    InteraktivWintersport im Liveticker
    (Quelle: ZDF)

    von Lars Becker

    Der Traum vom Fliegen – bei der Skiflug-WM von Donnerstag bis Sonntag am Kulm in Österreich wird er für die weltbesten Skispringer wieder wahr. Weiten bis zu 250 Meter werden erwartet. Einige Experten glauben, dass es in Zukunft noch deutlich darüber hinaus gehen könnte. Andere sind skeptisch. 

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    Einen 300-Meter-Flug? Skiflug-Weltmeister Severin Freund hält das für keine utopische Vorstellung. "Wenn du in der richtigen Form bist, kannst du sehr, sehr weit springen. In meinen kühnsten Träumen fliege ich so weit, wie es die Schanze eben hergibt“, sagt Freund: "Wenn in ein paar Jahren neue Anlagen gebaut werden, ist sehr viel möglich. Es hängt nur von der Größe der Schanze ab, wie weit man fliegen kann.“ Bei der Skiflug-Weltmeisterschaft von Donnerstag bis Sonntag auf dem Kulm soll es in Richtung der magischen 250-Meter-Marke gehen.

    Freund hält deutschen Rekord

    ZDF SPORTextra - Wintersport

    Freitag 15.01.2016, 12:10 - 17:00 Uhr


    Alpiner Ski-Weltcup
    Kombination Herren, Abfahrt
    Zusammenfassung aus
    Wengen/Schweiz
    Reporter: Michael Pfeffer
    Moderation: Jana Thiel
    Experte: Marco Büchel

    ca. 12:50 Uhr
    Skiflug-WM
    Einzelwettbewerb, 1. Durchgang
    Übertragung aus
    Tauplitz/Bad Mitterndorf
    Reporter: Stefan Bier
    Moderation: Norbert König
    Experte: Toni Innauer

    ca. 14:05 Uhr
    Skiflug-WM
    Einzelwettbewerb, 2. Durchgang
    Übertragung aus
    Tauplitz/Bad Mitterndorf
    Reporter: Stefan Bier
    Moderation: Norbert König
    Experte: Toni Innauer

    ca. 15:00 Uhr
    Alpiner Ski-Weltcup
    Kombination Herren, Slalom
    Zusammenfassung aus
    Wengen/Schweiz
    Reporter: Michael Pfeffer
    Moderation: Jana Thiel
    Experte: Marco Büchel

    ca. 15:20 Uhr
    Biathlon-Weltcup
    4 x 7,5 km Staffel Herren
    Übertragung aus
    Ruhpolding
    Reporter: Christoph Hamm, Herbert Fritzenwenger
    Moderation: Alexander Ruda
    Experte: Sven Fischer

    Den Schanzenrekord auf der gigantischen Schanze in Österreich hält Freund derzeit mit 237,5 Metern (2015). Mit 245 Metern ist der Zweite der Vierschanzentournee auch Inhaber des deutschen Rekords. Weltrekordler ist seit vergangenem Winter der Norweger Anders Fannemel, der auf dem Monsterbakken im norwegischen Vikersund auf 251,5 Meter segelte. Viel mehr ist derzeit nicht möglich. Das hängt vor allem mit dem Internationalen Skiverband FIS zusammen, der die Größe der weltweit fünf sprungbereiten Flugschanzen (Kulm, Oberstdorf, Planica, Harrachov und Vikersund) reglementiert. Die Höhendifferenz zwischen dem Schanzentisch und dem tiefsten Punkt des Aufsprunghangs darf höchstens 130 Meter betragen.  

    "Die FIS tut sehr gut daran, dieses Thema behutsam zu behandeln. Es ist doch schon eine unglaubliche Story, dass Menschen 250 Meter weit fliegen. 300 Meter würde ich auch nicht ausschließen, aber dann sehen die Zuschauer den Flieger doch irgendwann nur noch als kleinen Punkt. Und wenn es einen überragenden Springer wie derzeit Peter Prevc oder im letzten Jahr Severin Freund gibt, würde der vielleicht 50 Meter weiter als der nächstbeste Springer fliegen – da ist der Wettkampf doch nicht mehr spannend“, sagt Bundestrainer Werner Schuster. 

    Im Grenzbereich

    Zudem wären die aerodynamischen Kräfte wegen des im Quadrat steigenden Luftwiderstands irgendwann immer schwieriger zu beherrschen. Schon jetzt heben die Flieger mit etwa 100 Stundenkilometern vom Schanzentisch ab und landen nach bis zu acht Sekunden Flug mit Temp 130. Übrigens die Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen. Die Belastung bei der Landung beträgt bis zu 5 G – das entspricht einem freien Fall aus 2,5 Metern Höhe.
    ZITAT
    Wenn in ein paar Jahren neue Anlagen gebaut werden, ist sehr viel möglich.
    Severin Freund

    Vielleicht noch wichtiger: Bei den mentalen Anforderungen bewegt man sich beim Skifliegen im Grenzbereich. Beim Flug durch die Lüfte auf zwei nur 11,5 Zentimeter breiten Flughilfen geht der Puls hoch bis 180, der Adrenalinausstoß erreicht wie bei Menschen in Todesangst oder Jetpiloten vor der Landung das Vierfache des normalen Wertes. Es ist eine Gratwanderung zwischen Hochgefühl und Krankenhaus, zwischen Traum und Albtraum: Wie schlimm ein Sturz enden kann, hat der jeweils dreimalige Olympiasieger und Skiflug-Weltmeister Thomas Morgenstern vor zwei Jahren am Kulm erlebt. Er hatte sich in der Luft überschlagen, war aus großer Höhe auf den Hang gekracht und hatte sich neben einer Lungenquetschung auch eine Schädelprellung zugezogen. "Ich bin extrem dankbar, dass ich noch am Leben bin“, hat Morgenstern danach gesagt.

    Flachere Flugkurve bei der WM

    Im Vorfeld dieser Skiflug-WM am Kulm hat man den Vorbau der Schanze um 2,2 Meter erhöht, um den hohen Luftstand zu korrigieren. Und natürlich auch, um dank der flacheren Flugkurve Landungen in Weltrekordnähe zu ermöglichen. Es liegt einfach in der Natur des Menschen, immer nach neuen Rekorden zu streben. Der österreichische Universitätsprofessor  Wolfram Müller verfasste 1997 unter dem Titel "Skisprung-Utopie“ eine wissenschaftliche Abhandlung anhand einer fiktiven 400-Meter-Schanze. Sein Fazit: "Beim Skifliegen nimmt der Skispringer ab ungefähr 200 Metern einen fast konstanten Gleitwinkel ein. Vom Standpunkt der Physik und der Aerodynamik ist ein 400-Meter-Sprung nicht auszuschließen.“
    ZITAT
    Auch für mich als Trainer ist das eine Belastung und riesige Verantwortung und ich bin froh, wenn alle heil unten sind.
    Werner Schuster

    Bundestrainer Schuster findet den Gedanken an Flüge auf 300, 400 oder gar 500 Meter trotzdem derzeit für sehr hypothetisch. Schließlich habe es vom ersten gestandenen 200-Meter-Flug im Jahr 1994 (Toni Nieminen) bis zur ersten Landung auf der magischen Marke von 250 Metern (Peter Prevc/2015) 21 Jahre gedauert. Doch die Faszination der Rekordjagd bleibt: Sven Hannawald hat das mal als "Landung auf dem Mars" beschrieben, andere als "ein Gefühl wie beim Orgasmus". 

    Auch für Trainer eine Belastung

    Severin Freund bezeichnet die Grenzerfahrungen als unbeschreibbar schön: "Dieses traumhafte Fluggefühl zwischen Höhe, Geschwindigkeit gibt es außerhalb des Skifliegens einfach nicht. Höchstens Basejumpen oder Wingsuit-Fliegen kommen vielleicht in die Nähe – aber das wurde mir verboten.“ Sein Coach Schuster beschreibt die Kräfte im Skiflug als so groß, "dass es einem fast die Schuhe auszieht.“ Dafür müsse man einen Schuss Kaltschnäuzigkeit und Brutalität mitbringen. "Auch für mich als Trainer ist das eine Belastung und riesige Verantwortung und ich bin froh, wenn alle heil unten sind."
    Wesentliche Etappen beim Skifliegen

    15. März 1936: Josef Bradl (Österreich) 101 Meter (Planica)

    21. März 1965: Peter Lesser (DDR) 145 Meter (Kulm/letzter Weltrekord dort)

    11. Februar 1967: Lars Grini (Norwegen) 150 Meter (Oberstdorf)

    7. März 1976: Toni Innauer (Österreich) 176 Meter (Oberstdorf)

    17. März 1994: Toni Nieminen (Finnland) 203 Meter (Planica)

    23. März 1997: Espen Bredesen (Norwegen) 210 Meter (Planica)

    19. März 1999: Martin Schmitt (Deutschland) 214,5 Meter (Planica)

    19. März 2000: Andreas Goldberger (Österreich) 225 Meter (Planica)

    23. März 2003: Matti Hautamäki (Finnland) 231 Meter (Planica)

    20. März 2005: Björn Einar Romören (Norwegen) 239 Meter (Planica)

    11. Februar 2011: Johan Remen Evensen (Norwegen) 246,5 Meter (Vikersund)

    14. Februar 2015: Peter Prevc (Slowenien) 250 Meter (Vikersund)

    15. Februar 2015: Anders Fannemel (Norwegen) 251,5 Meter (Vikersund)

    12.01.2016
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