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Handball-EM 2016 Neue Wurfgewalt auf der Königsposition

Handball-EM - Spanien - Deutschland, 16.01.2016 18:15 Uhr
  • Bild Handball: Christian Dissinger
  • Interaktiv Liveticker zur Handball-EM
  • Bilderserie DHB-Kader für die EM 2016
  • Bilderserie EM-Titelträger seit 1994
  • BildHandball: Christian Dissinger
    Handball: Christian Dissinger
    (Quelle: dpa)
    InteraktivLiveticker zur Handball-EM
    (Quelle: ZDF)
    BilderserieDHB-Kader für die EM 2016
    Carsten Lichtlein
    (13.01.2016)
    BilderserieEM-Titelträger seit 1994
    Im Finale 2014 spielte Frankreich gegen Dänemark.
    (05.01.2016)

    von Erik Eggers

    Nach dem Ausfall von Paul Drux drohte in der deutschen Handball-Nationalmannschaft ein Vakuum im linken Rückraum. Doch mit Steffen Fäth und Christian Dissinger haben sich rechtzeitig vor der EM in Polen neue Hoffnungsträger entwickelt. 

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    Manch einer sah nur noch schwarz. Als sich Paul Drux im Juli an der rechten Schulter schwer verletzte, brach im deutschen Handball Katzenjammer aus. Wer sollte bei der EM in Polen, die für die DHB-Auswahl am Samstag mit der Partie gegen Spanien beginnt (18.30 Uhr, live im ZDF), den hochtalentierten Halblinken ersetzen, der schon bei der WM 2015 in Doha so stark gespielt hatte? Adäquater Ersatz schien nicht in Sicht.

    Handball-EM - Spanien - Deutschland

    Samstag 16.01.2016, 18:15 - 20:15 Uhr
    Moderator: Yorck Polus

    Reporter: Martin Schneider
    Moderation: Yorck Polus

    Doch der Herbstwind blies alle düsteren Prognosen einfach vom Tisch. Zum ersten Hoffnungsträger auf der Königsposition, auf der einst Heroen wie Jo Deckarm oder Erhard Wunderlich Sportgeschichte schrieben, reifte Steffen Fäth heran. Der 25-jährige von der HSG Wetzlar agierte über Monate in absoluter Topform und unterstrich sein starkes Niveau mit drei blitzsauberen Auftritten beim Supercup im November.

    Dissinger wie Phoenix aus der Asche

    Parallel dazu startete Christian Dissinger wie eine Rakete in den Handballhimmel. Die meisten Experten hatten den 24-jährigen abgeschrieben, obwohl er zu den weltbesten Junioren gezählt hatte – beim WM-Titel 2011 in Ägypten war Dissinger noch als Most Valuable Player geehrt worden. Nach zwei Kreuzbandrissen und einer wenig erquicklichen Episode beim TuS N-Lübbecke schien die Karriere Dissingers allerdings in einer Sackgasse zu enden.

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    Doch dann verpflichtete ihn der THW Kiel. Auf der Suche nach einem Halblinken mit viel Potenzial sei er einfach immer wieder bei Dissinger gelandet, berichtete THW-Coach Alfred Gislason, als der Rekordmeister den Rechtshänder im Sommer 2015 unter Vertrag nahm. "Was will der Gislason denn mit dem?", fragten sich viele in der Handballwelt. Und Dissinger hatte zunächst tatsächlich große Schwierigkeiten, seine starken Trainingsleistungen auf die Platte zu bringen.

    Statik verändert

    Doch nunmehr seit Wochen besticht Dissinger durch hervorragende Auftritte in der Bundesliga und in der Champions League. Die vielen Einsatzzeiten beim THW Kiel haben ihn spürbar Selbstvertrauen tanken lassen. Und damit drängte er sich in nur wenigen Wochen für die EM auf. Dissingers Leistungsexplosion ermöglichte erst das Experiment von Bundestrainer Dagur Sigurdsson, die beiden Shooter gleichzeitig im Rückraum spielen zu lassen – Fäth auf Rückraum Mitte und Dissinger auf Halblinks.

    Das wurfgewaltige Duo verändert die Statik des gesamten deutschen Angriffsspiels total. Inzwischen reicht es für die gegnerischen Abwehrreihen nicht mehr, sich auf den gefährlichen Linkshänder Steffen Weinhold zu konzentrieren. "Im Vergleich zum WM-Turnier in Doha haben wir im Rückraum, da beide auch einfache Tore erzielen können, sicher deutlich mehr gute Wurfoptionen", sagt Kapitän Weinhold, was die Sache auch für ihn einfacher gestaltet. Zudem glänzen Fäth und Dissinger auch als Passgeber, was die Kreisläufer freut.

    Spannende Mannschaft

    Und dennoch bleibt vor allem ein Fragezeichen: Die Unerfahrenheit. Dissinger spielte erst sieben Mal für das DHB-Team, Fäth hat auch erst 28 Länderspiele auf dem Konto – im Vergleich dazu bietet der erste Gruppengegner Spanien auf dieser Position mit Joan Canellas (120 Länderspiele) oder Antonia Garcia (63) das deutlich abgezocktere Personal.

    Eine Prognose, wie sich das junge deutsche Duo auf der Königsposition unter Wettkampfbedingungen schlägt, lässt sich daher schwer stellen. Erst recht dann, wenn Fäth wegen seiner Hüftprellung kurzfristig durch den Gummersbacher Julius Kühn (2 Länderspiele) ersetzt werden sollte. „Wir haben die spannendste Mannschaft in Europa“, sagt Bundestrainer Sigurdsson. Das gilt insbesondere für die Königsposition.

    EM 2016: Gruppen, Gegner, Modus und mehr

    Die Hauptrundengruppen

    Gruppe I in Krakau: Polen, Norwegen, Kroatien, Frankreich, Weißrussland, Mazedonien
    Gruppe II in Breslau: Dänemark, Spanien, Deutschland, Russland, Schweden, Ungarn

    Gegner Ungarn und der Druck

    handball: champions league, thw kiel - mkb veszprem: hauptrunde a-b, gruppenphase, gruppe a, 10. spieltag am 06.12.2015 in kiel (schleswig-holstein). vezprems laszlo nagy (l) jubelt nach einem treffer. foto: axel heimken/dpa +++(c) dpa - bildfunk+++

    Für Ungarn steht viel auf dem Spiel. Belegte die Mannschaft vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen in London überraschend noch Platz vier, hat das Team von Trainer Talant Duischebajew bisher noch nicht einmal das Ticket für ein Olympia-Qualifikationsturnier in der Tasche. Die Motivation beim EM-Achten von 2014 ist daher besonders groß.
    Allerdings gehen die Ungarn nach Niederlagen gegen Russland und Dänemark mit 0:4 Punkten in die Hauptrunde. Der Einzug ins Halbfinale ist damit nur noch theoretisch möglich. Topstar der Ungarn ist der wurfgewaltige Laszlo Nagy (Bild).

    Gegner Russland und die gute alte Zeit

    Russland - Handball-Olympiasieger 2000

    Die großen Erfolge der russischen Nationalmannschaft liegen schon einige Jahre zurück. Den letzten großen Titel gab es vor 16 Jahren bei den Olympischen Spielen in Sydney (Bild). Ihr einziges EM-Gold holten die Russen 1996. Bei der WM vor einem Jahr in Katar wurde sogar das Achtelfinale verpasst, am Ende gab’s einen enttäuschenden 19. Rang.
    Mit einer guten Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Profis will sich Russland in Polen die Teilnahme an einem Olympia-Qualifikationsturnier sichern. In der Vorrunde gelang ein überraschender 27:26-Erfolg gegen Ungarn. Durch die Niederlage gegen Dänemark (25:31) geht Russland mit 2:2 Punkten in die zweite Turnierphase.

    Gegner Dänemark und das Gesetz der Serie

    Mikkel Hansen

    Das Gesetz der Serie spricht für die dänischen Handballer. Jeweils vor Olympischen Spielen (2008 und 2012) holten die Dänen ihre beiden EM-Titel. Und: Seit 2006 heißen die Europameister im Wechsel Frankreich und Dänemark - zuletzt 2014 Frankreich.
    Auch vor dem Turnier in Polen wurde die Mannschaft um Superstar Mikkel Hansen (Bild) von allen Experten genannt, wenn es um den Kreis der Goldfavoriten ging.
    Die Leistungen in der Vorrunde lassen beim Vize-Europameister von 2014 zwar noch Luft nach oben, doch die mit zahlreichen Bundesliga-Legionären angetretene dänische Auswahl geht mit der optimalen Ausbeute von 4:0 Punkten in die zweite Turnierphase.
    "Natürlich sind wir in Polen, um das große Ziel zu erreichen", sagte Torhüter Niklas Landin vom THW Kiel.
    Trainiert wird Dänemark von Gudmundur Gudmundsson, dem langjährigen Coach der Rhein-Neckar Löwen.

    Die Vorrundengruppen

    Gruppe A: Frankreich, Polen, Mazedonien, Serbien

    Gruppe B: Kroatien, Island, Weißrussland, Norwegen

    Gruppe C: Spanien, Schweden, Deutschland, Slowenien

    Gruppe D: Dänemark, Ungarn, Russland, Montenegro

    Nach welchem Modus wird gespielt?

    Gespielt wird in vier Gruppen mit jeweils vier Teams. Die ersten Drei jeder Gruppe qualifizieren sich für die EM-Hauptrunde. Für Platzierungen in den Endklassements sowohl nach Vor- als auch Hauptrunde zählt bei Punktgleichheit zweier oder mehr Mannschaften der direkte Vergleich. Die Punkte aus der Vorrunde gegen ebenfalls qualifizierte Teams werden in die Hauptrunde mitgenommen. Dort spielen die besten Mannschaften aus Gruppe A und B gegeneinander. In der zweiten Hauptrunden-Gruppe treffen die ersten drei Teams der Gruppe C auf die jeweiligen Vertreter aus Gruppe D. Die Dritten und Vierten der Hauptrunde spielen um die Plätze fünf bis acht. Die Gruppensieger jeweils gegen den Zweiten der anderen Gruppe das Halbfinale.

    Worum geht es bei dieser EM?

    In erster Linie geht es natürlich um den Europameister-Titel. Der Sieger qualifiziert sich automatisch für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Auch der Zweite qualifiziert sich direkt, sofern er im Finale gegen Weltmeister Frankreich verlieren würde.

    Die drei bestplatzierten Teams der EM werden sich für die WM 2017 qualifizieren.

    Sollte der amtierende Weltmeister Frankreich wie in den vergangenen Jahren auf dem Podium landen, würde auch der EM-Vierte direkt zur WM reisen.

    Teilnehmerfeld

    Insgesamt sind bei der EM in Polen 16 Teams dabei, darunter mit Titelverteidiger, Weltmeister und Olympiasieger Frankreich die dominierende Mannschaft der letzten Jahre. Neben Gastgeber Polen ist unter anderem auch mit Dänemark und Spanien zu rechnen.

    Wo wird gespielt?

    Zum ersten Mal ist Polen Gastgeber eines Handball-Großevents. Gespielt wird in vier Städten: Krakau (Tauron Arena | 15.000 Plätze), Kattowitz (Spodek Arena | 11.000), Danzig (Ergo Arena | 15.000) und Breslau (Centennial Hall | 6500).

    Handball-EM in ARD/ZDF

    Hauptrunde

    1. Spieltag, Deutschland - Ungarn: Freitag, 22. Januar, 18.15 Uhr / ZDF
    2. Spieltag Deutschland – Russland: Sonntag, 24. Januar, 18.15 Uhr / ARD
    3. Spieltag Deutschland – Dänemark: Mittwoch, 27. Januar, 18.15 Uhr / ARD

    Halbfinale am Freitag, 29. Januar, 18.30 oder 21 Uhr, im ZDF*

    Finale oder Spiel um 3. Platz am 31. Januar 15:00 oder 17:30 Uhr in ARD*

    *Nur bei deutscher Beteiligung

    Alle Wettbewerbe sind beendet.

    15.01.2016
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