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Olympia 2024 | DOSB Von olympischen Höhen zum Alltagsgeschäft

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    Sport statt Olympia
    (Quelle: dpa)

    Von Ralf Lorenzen

    Ohne einen Plan B in der Tasche muss sich der organisierte Sport in Deutschland nach dem Aus der Olympia-Bewerbung dem tristen Alltagsgeschäft zuwenden: der Neugestaltung der Sportförderung. Eine Lehre des gescheiterten Referendums könnte sein, die Bevölkerung bei diesem Projekt besser einzubeziehen. 

    „Es war kein normales Sportjahr wie viele zuvor“, sagte der DOSB-Präsident Alfons Hörmann auf der Mitgliederversammlung des DOSB Anfang Dezember in Hannover und nahm damit den Jahresrückblick vorweg.

    Keine Abrechnung, wenig Selbstkritik
    Trotz des Schocks über den Ausgang des Hamburger Referendums über die Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 blieb die große Abrechnung aus. Die Gründe für das Scheitern wurden weitgehend außerhalb des eigenen Einflussbereiches der olympischen Sportverbände gesucht. Selbstkritik übte Hörmann lediglich in Bezug auf den Zeitpunkt des Referendums, aber auch der war ja von der Hamburger Bürgerschaft vorgegeben worden.

    Doch mitunter schimmerte durch die offiziellen Sprachregelungen die Erkenntnis durch, der Sport selbst könne die Strahlkraft verloren haben, die Bevölkerung für seine Projekte zu begeistern. So sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in einer Talkshow, der Sport müsse liebenswürdiger werden.

    Wie liebenswürdig ist der Sport?
    Dem entgegnete Hörmann u.a. mit dem Hinweis auf den Ausfall von Schulsportstunden und sagte: „Das verstehen wir nicht unter Liebenswürdigkeit“. Und in seiner Rede in Hannover betonte Hörmann: „Wir werden mit großer Entschlossenheit daran arbeiten, dass die gesamte Gesellschaft in Deutschland die liebenswürdige Seite des Sports erkennt.“

    Ob dies gelingt, wird stark davon abhängen, wie die Sportfunktionäre mit dem nächsten großen Thema auf ihrer Agenda umgehen: die Umgestaltung der Spitzensportförderung. Auch diese Diskussion wurde in den vergangenen zwei Jahren unter dem Vorzeichen einer wahrscheinlichen deutschen Olympiabewerbung geführt.

    Harte Währung Medaillen

    Der DOSB fordert seit längerem eine deutliche Erhöhung der Fördermittel und hatte sich von der Olympia-Bewerbung einen kräftigen Schub versprochen - zumal Innenminister Thomas de Maiziere im Vorfeld deutlich gemacht hatte, "als Gastgeber auch eine gute Rolle im Spitzensport spielen", zu wollen.

    Dabei hatte Deutschlands oberster Sportpolitiker allerdings neben der Höhe vor allem die Struktur der Förderung im Sinn, die u.a. vom Bundesrechnungshof kritisiert worden war. „Wenn es eine Förderung des Spitzensports gibt, dann dient das nicht dem allgemeinen Wohlfühlen von Sportverbänden oder Sportlern, sondern der Förderung von Leistungen", hatte der Innenminister betont. "Die harte Währung der Förderung sind auch Medaillen.“

    Kompetenzstreit schon im Gange

    Seit Sommer 2015 wird unter Führung des DOSB und des Bundesinnenministeriums in sieben Arbeitsgruppen über die künftige Förderstruktur und -systematik beraten. Die Ergebnisse sollen nach den Olympischen Spielen in Brasilien feststehen – aber schon jetzt gibt es ein kräftiges Gerangel zwischen Sportfunktionären und der Politik über die künftigen Verantwortlichkeiten.

    So hagelte es in den Verbänden Kritik an einem Vorschlag des Bundesinstituts für Sportwissenschaften (BISp), ein „Bundesamt für Sport“ zu gründen, das die Haushalt-Verantwortlichkeit für die gesamte Sportförderung des Bundes erhalten solle.

    Welchen Sport wollen wir?

    Außerdem kritisierten mehrere Spitzenfunktionäre, die drei Millionen Euro Sportfördermittel, die der Haushaltsausschuss des Bundes für ein Projekt der Sporthochschule Köln zum Transfer von sportwissenschaftlichen Erkenntnisse bewilligte, seien am organisierten Sport vorbei politisch lanciert worden und „konterkarieren jedwede Bemühung, den Spitzensport in Deutschland neu aufzustellen“.
    Um die durch Korruptionsaffären und Dopingskandale verlorengegangene Akzeptanz in der Gesellschaft wiederzugewinnen, müsste die Diskussion allerdings an ganz andern Punkten beginnen. Dazu gehört die Frage, wie glaubwürdiger Anti-Dopingkampf mit einer Förderpolitik zusammenpasst, die sich am Gewinn von Medaillen orientiert. Diese Frage stellen sich auch viele Sportler und es würde viel zur Liebenswürdigkeit des Sports beitragen, die Bevölkerung an ihrer Beantwortung zu beteiligen.

    27.12.2015
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