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Olympia-Bewerbung 2024 | Hamburg Gut verpacktes Zahlenwerk

  • Bild Hat einen Plan für Olympia: Olaf Scholz
  • Video Hamburg: Soviel kostet Olympia 2024
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    Olaf Scholz
    (Quelle: dpa)
    VideoHamburg: Soviel kostet Olympia 2024
    Grafik Olympisches Dorf Hamburg

    Sollte Hamburg die Olympischen Spiele 2024 austragen, müsste 7,4 Milliarden Euro an Kosten der deutsche Steuerzahler übernehmen. Ende November wird über die Bewerbung abgestimmt.

    (08.10.2015)

    Kurzmeldung

    • 09:35 Uhr 08.10.2015Kurzmeldung

      Hamburg legt Kostenplan vor 09:35 Uhr 08.10.2015
      11,2 Milliarden Euro würden Olympische Spiele in Hamburg im Jahr 2024 kosten, auf den deutschen Steuerzahler kämen 7,4 Milliarden Euro zu. Es wird mit Erlösen von 3,8 Milliarden Euro gerechnet. Das geht aus dem vorgelegten Finanzplan für das größte Sportereignis der Welt hervor. Der Report wurde von Bürgermeister Olaf Scholz und dem Chef der Senatskanzlei, Christoph Krupp, präsentiert. "Das sind die am besten durchgerechneten Olympischen Spiele ever", sagte Scholz. Ob Hamburg sich aber tatsächlich um die Spiele bewirbt, entscheiden die Bürger des Hansestadt in einem Referendum.

    von Ralf Lorenzen, Hamburg

    Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz spricht von den "am besten durchgerechneten Olympischen Spielen“ aller Zeiten, die Kritiker bleiben skeptisch: maximal 7,4 Milliarden Euro sollen die Spiele 2024 die Steuerzahler kosten, falls Hamburg 2017 den Zuschlag des IOC erhält. 

    Egal wie die Hamburger Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 ausgeht - die Kunst, selbst in der Bewerbungsphase jedes Ereignis medienwirksam zu inszenieren, haben die Verantwortlichen schon mehrfach nachgewiesen. Das war vor und nach der Entscheidung im Zweikampf mit Berlin so, und das setzen sie jetzt im Ringen um die Zustimmung der Bevölkerung in Hamburg und Kiel beim Volksentscheid am 29. November fort.

    Spannung bis zum letzten Augenblick

    Eigentlich war in dieser Woche der Fokus auf den Freitagabend gerichtet, wenn das Gesamtkonzept für die Spiele der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Da dessen Inhalte schon bekannt sind, steht bei diesem Ereignis von vornherein die Show im Vordergrund, die bildmächtig ins Altonaer Kreuzfahrtterminal gelegt wurde.
    Links
    Los Angeles soll für Olympia 2024 antreten
    Spannung versprach im Vorfeld nur die Frage, ob die Präsentation mit dem längst angekündigten Finanzreport unterfüttert werden wird.

    In dieser Frage wurde ein tagelanges Verwirrspiel aufgeführt, das der Spannungs-Dramaturgie von Alfred Hitchcock zur Ehre gereicht hätte. Erst im letzten Augenblick wurde verkündet: Vorhang auf für das 114-seitige Zahlenwerk, in dem drei Zahlen herausragen: 11,2 Milliarden Euro Gesamtkosten, davon 7,4 Milliarden Euro für den Steuerzahler, davon 1,2 Milliarden für Hamburg.

    Billiger als London

    Im prunkvollen Rahmen des Bürgermeister-Saales im Rathaus bemühten sich Bürgermeister Olaf Scholz und seine Mitstreiter um eine Einordnung dieser Zahlen, die sie nicht ganz so gewaltig erscheinen ließen. Die Spiele und die nachfolgenden Paralympics würden laut Scholz weniger kosten als die von London 2012, deren Gesamtkosten rund 13,8 Milliarden Euro betragen haben sollen.

    Wichtiger als diese nackten Zahlen war dem Elbphilharmonie-geplagten Bürgermeister die Botschaft, dass dies "die am besten durchgerechneten Olympischen Spiele ever“ seien. Der Hamburger Finanzplan sei so gerechnet worden, "dass wir immer die höchsten Zahlen genommen haben“, sagte Scholz. "Wir wollen die Kosten eher unter- als übertreffen".

    "Gigantische Zahlen“

    Olympiagegner und der Landesrechnungshof hatten im Vorfeld den Zeitpunkt des Referendums kritisiert, da es noch zu früh sei, die Kosten realistisch einzuschätzen.
    ZITAT
    Ich würde keine Bewerbung abgeben, wenn es die Finanzkraft der Stadt überfordert.
    Olaf Scholz, Bürgermeister Hamburg
    "Das sind gigantische Zahlen, wenn man bedenkt, dass es hier um eine Sportveranstaltung geht", sagte Dirk Seifert von der Hamburger NOlympia-Bewegung nach der Präsentation der Zahlen: "Es ist das Gegenteil von dem eingetreten, was ich erwartet und erhofft habe. Diese Spiele sind enorm teuer. Wie Hamburg das meistern will, ist mir schleierhaft."

    Für eine abschließende Bewertung des Zahlenwerks ist es den meisten Beobachtern noch zu früh, auch Sylvia Schenk von Transparency International. Gegenüber zdfsport.de sagte die Ex-Sportlerin allerdings, dass die Hamburger ihrem ersten Eindruck nach "mit den Zahlen schon viel weiter sind, als es normalerweise in diesem Stadium einer Bewerbung üblich ist.“

    Die wichtigsten Zahlen

    Gesamtkosten: 11,217 Milliarden Euro (aufgeteilt in 700 Einzelprojekte)

    • Stadien und Hallen: 1,97 Milliarden
    • Olympisches Dorf: 1,66 Milliarden
    • Verkehrsinfrastruktur: 2,1 Milliarden
    • Umsiedlung der Hafenflächen: 1,3 Milliarden
    • Sicherheit: 461 Millionen
    • Segelregatten in Kiel: 146 Millionen Euro

    Erlöse: 3,814 Milliarden Euro

    Kosten für Steuerzahler: 7,403 Milliarden Euro

    • davon Bund: 6,2 Milliarden Euro (schriftliche Zusagen stehen noch aus)
    • davon Hamburg: 1,2 Milliarden (200 Millionen Jährlich ab 2018)

    Nicht berücksichtigt: 1,14 Milliarden bis 2040 für Rückbau und die Weiterentwicklung insbesondere des neu entstehenden Stadtteils OlympiaCity

    Zusage vom Bund fehlt

    Der Streit über die Tragfähigkeit des Finanzreportes wird in den kommenden Wochen bis zum Referendum weitergehen. Eine Lücke musste Olaf Scholz bei der Präsentation selbst einräumen: ob der Bund tatsächlich die prognostizierten 6,2 Milliarden Euro übernimmt, entscheidet sich endgültig erst bis Februar 2016. Mehr als die errechneten 200 Millionen Euro jährlich ab 2018 will Scholz dem Hamburger Haushalt aber auf keinen Fall aufbürden: "Ich würde keine Bewerbung abgeben, wenn es die Finanzkraft der Stadt überfordert“, erklärte Scholz.

    Olympia-Fahrplan 2024
    • 29. November: Beim Referendum entscheiden die Hamburger über Ja oder Nein zu Spielen 2024 in der Hansestadt
    • 8. Januar 2016: Die Frist für die Abgabe der ersten Bewerbungsunterlagen beim IOC läuft aus. Die Städte müssen zu diesem Zweck das sogenannte "Mini bid-book" mit einem Umfang von rund 80 Seiten vorlegen. Gefordert sind zudem Antworten auf 25 Fragen zu einer Reihe von Themenkomplexen ("application file") sowie Garantien zur staatlichen Unterstützung der Bewerbung.
    • April/Mai 2016: Das IOC wählt auf der Grundlage der "Mini Bid Books" die Candidate Cities aus.
    • Mai 2016: Die Kandidatenstädte erhalten weitere Fragebögen des IOC.
    • 5. - 21. August 2016: Die Kandidatenstädte nehmen bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro am offiziellen Beobachterprogramm des IOC teil.
    • Januar 2017: Die Frist für die Vorlage der vollständigen, ausführlichen Bewerbungsunterlagen beim IOC endet. Alle Kandidatenstädte müssen bis zu diesem Tag das sogenannte "Bid Book" einreichen. Es muss detaillierte Angaben zu den Sportstätten, zum Olympischen Dorf, zum Transportkonzept, zur Unterbringung der Gäste, sowie zu Sicherheits-, Umwelt- und Marketingfragen enthalten. Zudem verlangt das IOC eine Reihe von Garantien, die zwingend erfüllt werden müssen.
    • Februar/März 2017: Die IOC-Evaluierungskommission besucht die offiziellen Kandidatenstädte. Die in der Folge erstellten formellen Berichte dienen den IOC-Mitgliedern später als Entscheidungshilfe bei der Auswahl der Olympiastadt 2024
    • Juni 2017: Die IOC-Evaluierungsberichte zu den verschiedenen Kandidatenstädten und ihren Konzepten werden offiziell vorgestellt
    • Juni 2017: Alle Candidate Cities haben die Gelegenheit, am Rande einer IOC-Sitzung ihre Konzepte in den technischen Details zu präsentieren. Dann folgt noch einmal eine Präsentation der Vision vor der IOC-Mitgliederversammlung.
    • Sommer/Herbst 2017: Die IOC-Mitglieder entscheiden bei der 130. Session in Lima/Peru, welche Stadt Gastgeber der Olympischen Spiele 2024 wird.

    09.10.2015
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