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das aktuelle sportstudio | Olympia 2024 Hörmann: Zwei faszinierende Konzepte

  • Bild Sportstudio 14.03.2015
  • BildSportstudio 14.03.2015
    Sportstudio 14.03.2015
    (Quelle: imago)

    Hamburg oder Berlin? Welche Stadt soll Deutschland für Olympia 2024 ins Bewerbungsrennen schicken? Für DOSB-Boss Alfons Hörmann basieren beide Varianten auf "faszinierenden Konzepten". Einer gemeinsamen Bewerbung räumte Hörmann im sportstudio keine Chancen ein. Gold-Kanutin Franziska Weber erklärte: "Hauptsache, die Spiele kommen nach Deutschland." Sportphilosoph Gunter Gebauer sieht eine deutsche Bewerbung eher kritisch: "Wir brauchen keine Olympischen Spiele in Deutschland. Was wissen wir, was 2024 los ist." 

    Auf Nummer sicher oder volles Risiko?

    von Ralf Lorenzen

    Die Entscheidung über die deutsche Bewerbung für Olympia 2024 naht. Am Wochenende treffen sich die Sportverbände mit dem DOSB, um die Kandidatenstädte Hamburg und Berlin noch einmal zu checken, bevor das DOSB-Präsidium am Montag sein Votum trifft. Es hat die Wahl zwischen einer defensiven oder offensiven Aufstellung für die Kandidatur.

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    das aktuelle sportstudio
    Sektkorken knallten zwar noch nicht, aber etliche Steine hörte man am Dienstag deutlich von den Herzen der Hamburger Olympiabefürworter plumpsen. „Dann ist das an und für sich ja schon entschieden“, kommentierte etwa HSV-Idol Uwe Seeler das Ergebnis der Forsa-Umfrage, wonach 64% der Menschen in Hamburg Olympische Spiele in ihrer Stadt begrüßen würden. Die Konkurrenz aus Berlin sprang zwar auch noch über die kritische Marke, blieb mit 55% Zustimmung aber deutlich hinter der Pro-Stimmung an Alster und Elbe zurück.

    Alle Augen nach Frankfurt

    "Das Rennen ist noch nicht entschieden", hält Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) trotzig dagegen und verweist darauf, dass die Umfrage nur Teil des Entscheidungsprozesses sei. Alle Augen richten sich nun auf das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), das nach Beratungen mit den Spitzenverbänden des Deutschen Sports am kommenden Montag in Frankfurt seine Empfehlung für die deutsche Ausrichterstadt abgeben wird.

    Das Umfrage-Ergebnis reichte DOSB-Präsident Alfons Hörmann noch nicht, um sein Pokerface fallen zu lassen. Salomonisch freute er sich "vor allem auch darüber, dass es in beiden Städten Zuwächse gab." Gegenüber den letzten Umfragen hat Hamburg um 11 Prozent, Berlin um sieben Prozent zugelegt.

    Offensive oder defensive Aufstellung?

    Auch wenn an diesem Wochenende sicher noch einmal intensiv über Auswahlkriterien wie Finanzierung, Nachhaltigkeit, Sportstätten, Unterbringung und Transportkonzepte diskutiert werden wird: fast alle Experten sind sich einig, dass die Entscheidung zwischen zwei Haupt-Kriterien fallen wird: der Unterstützung durch die Bevölkerung sowie der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Kandidaten.

    ZITAT
    Das Rennen ist noch nicht entschieden.
    Reg. Bürgermeister Michael Müller
    Je nachdem, welches Kriterium im Endeffekt stärker bewertet wird, zeichnet sich eine defensive oder offensive Aufstellung für die deutsche Olympia-Bewerbung ab. Hamburg - das wäre die sichere Nummer, um eine erneute Blamage wie bei der geplatzten Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 zu verhindern. Damals hatten die Münchner sich in einem Bürgerentscheid gegen die Bewerbung ausgesprochen, obwohl die Umfragen im Vorfeld anders ausgefallen waren.

    "Niemand kennt die Kosten"

    Auch Hamburg und Berlin haben für den Fall ihrer Auswahl im Herbst Bürgerentscheide angekündigt. Im Unterschied zum Zeitpunkt der Forsa-Umfrage werden dann weitere Zahlen über die tatsächlichen Kosten für die Steuerzahler vorliegen. "Der Aussagegehalt dieser Umfrage geht gegen Null", sagte Hamburgs (N)Olympia-Sprecher Dirk Seiffert zu den Forsa-Zahlen. "Niemand kennt die Kosten."

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    DOSB zur Olympia-Bewerbung Ergebnisse der Forsa-Umfrage zur Olympia-Bewerbung 2024Das ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
    Vor einem Bürgerentscheid werden die Bürger die bislang von den PR-Abteilungen großer Firmen dominierte Öffentlichkeitsarbeit der Olympia-Befürworter kritischer hinterfragen als bisher. Das gilt zwar für beide Bewerber - aber in Hamburg gibt es einen stärkeren Puffer für eine mögliche Abschwächung der Zustimmung. In der Hansestadt gehen laut Forsa 77 Prozent der Bevölkerung von einer Mehrheit pro Olympia aus - in Berlin liegt dieser Wert gerade einmal bei 50 Prozent.

    Harte Konkurrenz: Paris, Rom, Boston

    Falls der DOSB aber jetzt schon sicher sein sollte, in beiden Städten die Volksabstimmungen zu überstehen - käme die offensive Aufstellung zum Tragen: die Wahl der Stadt, die 2017 bei der Sitzung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lima die besten Chancen hat, gegen Konkurrenten wie Rom, Paris oder Boston zu bestehen. In diesem Falle liefe die Entscheidung wohl auf Berlin heraus. Denn dass die Hauptstadt die größere internationale Strahlkraft besitzt, bestreitet selbst in Hamburg kaum jemand.
    Die sportstudio-Gäste

    Der Unternehmer Alfons Hörmann ist seit Dezember 2013 Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Vorher war er u.a. Vizepräsident des Organisationskomitees der Nordischen Ski-WM 2005 in Oberstdorf und ab 2005 Präsident des Deutschen Ski-Verbandes (DSV). International war der gebürtige Allgäuer sowohl in der Internationalen Biathlon Union (IBU) als auch im Internationalen Skiverband (FIS) aktiv.


    Die Potsdamerin Franziska Weber ist seit 2009 Mitglied der Deutschen Kanurennsport-Nationalmannschaft. Bei den Olympischen Spielen in London, wo sie Gold im Zweier-Kajak und Silber im Vierer-Kajak gewann, war sie gemeinsam mit ihrer Partnerin Tina Dietze zweitbeste deutsche Sportlerin. Zweimal Gold und einmal Silber lautete ihre Bilanz bei den Weltmeisterschaften in Duisburg 2013. Von der WM 2014 in Moskau brachte sie eine Silbermedaille im Zweierkajak mit nach Hause. Neben dem Sport studiert Weber in Potsdam Bauingenieurwesen.


    Der gebürtige Kieler Gunter Gebauer ist Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören neben der Sprachphilosophie und der Körperanthropologie die Ästhetik und Theorie des Sports und des Spiels. Von 1991 bis 1993 war Gebauer Präsident der internationalen Philosophical Society for the Study of Sports. Zu seinen Veröffentlichungen gehören u.a. "Poetik des Fußballs" (Frankfurt a.M./2006) und "Die andere Utopie der Moderne. Olympias Weg von der Religion zur Droge" ( Frankfurt a.M./1996).

    Fahrplan der Olympia-Bewerbung

    Olympische Ringe, Kinder, blauer Himmel
    • Herbst: Bürgerentscheid über eine Olympia-Bewerbung in Hamburg, Termin noch nicht bekannt

    • 15. September: Der DOSB und die Ausrichterstadt melden beim IOC die Kandidatur für die Ausrichtung der Olympischen Spiele an

    • 8. Januar 2016: Der Bewerber reicht beim IOC erste Bewerbungsunterlagen ein

    • April/Mai 2016: Das IOC-Exekutivkomitee wählt die Kandidatenstädte aus

    • Januar 2017: Alle Kandidatenstädte müssen die entscheidenden Bewerbungsunterlagen und Garantieerklärungen beim IOC einreichen

    • Februar/März 2017: Besuch der IOC-Evaluierungskommission in den Kandidatenstädten

    • Juni 2017: Veröffentlichung des IOC-Evaluierungsberichtes

    • Sommer 2017: Auf der IOC-Session in Lima/Peru wird die Olympia-Stadt für die Sommerspiele 2024 gewählt

    Mögliche Konkurrenten von Hamburg

    Boston

    Der deutsche Bewerber Hamburg um die Austragung der Olympischen Spiele 2024 wird große internationale Konkurrenz haben. Boston und Rom haben ihre Bewerbung bereits offiziell verkündet, Paris wird sehr wahrscheinlich folgen. Interesse besteht auch in Budapest, Doha, Istanbul, Baku und Australien.

    BOSTON (Foto): Die sportbegeisterte Hauptstadt von Massachusetts hat sich bei der US-Vorausscheidung überraschend gegen Los Angeles, San Francisco und Washington durchgesetzt. Boston, das gerade einmal 600.000 Einwohner zählt, setzt auf kompakte und nachhaltige Spiele bei einem kleinen Budget von nur 4,7 Milliarden Dollar. Die bislang letzten Sommerspiele auf amerikanischem Boden fanden 1996 in Atlanta statt, danach scheiterten die USA mit ihren Bewerbungen von New York (2012) und Chicago (2016). Allerdings ergab eine Umfrage jüngst eine knappe Mehrheit gegen Olympia.

    ROM: Bereits für die Sommerspiele 2020 hatte sich Rom beworben, wegen finanzieller Probleme seine Kandidatur aber zurückgezogen. Die Wirtschaftskrise in Italien könnte sich auch diesmal als problematisch erweisen. Rom hatte 1960 die Spiele ausgetragen, danach war die italienische Hauptstadt bei der Bewerbung für 2004 als großer Favorit an Athen gescheitert. Mit Luca di Montezemolo als Chef des Bewerbungskomitees soll es diesmal besser laufen, der Ex-Ferrari-Boss hatte bereits 1990 bei der Fußball-WM das Organisationskomitee geleitet. Rom plant mit einem Budget von 6,4 Milliarden Euro und will auch Wettbewerbe in anderen italienischen Städten austragen.

    PARIS: Offiziell ist es noch nicht, aber alles deutet auf eine erneute Bewerbung der französischen Hauptstadt hin. Die Unterstützung innerhalb der Bevölkerung ist groß. 73 Prozent der Franzosen und 76 Prozent der Pariser Bürger haben sich in einer Umfrage für die Spiele ausgesprochen. Schon bei der Bewerbung für 2012 war Paris ganz dicht dran, verlor aber trotz der besten Noten durch die Evaluierungskommission knapp gegen London (50:54). 2024 soll die Zeit reif sein - genau 100 Jahre nach der letzten Austragung der Sommerspiele in Paris. 6,2 Milliarden Euro wurden als mögliches Budget veranschlagt.

    BUDAPEST: Das Nationale Olympische Komitee Ungarns hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Auf Grundlage des Reports, der bis Mai vorliegen soll, wollen die Verantwortlichen über eine Bewerbung entscheiden. Budapest hatte in der Vergangenheit schon häufig vages Interesse gezeigt. Durch die olympische Agenda 2020 sehen die Ungarn nun bessere Chancen bei einer Kandidatur.

    ISTANBUL: Die Sehnsucht nach der erstmaligen Austragung von Olympischen Spielen ist groß. Nachdem Istanbul aber fünfmal in den vergangenen sechs Bewerbungsphasen scheiterte, steht eine Entscheidung über eine erneute Kandidatur noch aus.

    DOHA: Dass der Golfstaat Katar lieber heute als morgen die Spiele ausrichten will, steht außer Frage. Am Geld würde es nicht scheitern. Für die Spiele 2016 und 2020 hatte es Doha schon versucht, war vom IOC aber nicht in die engere Wahl genommen worden. Eine dritte Kandidatur ist derzeit fraglich. Nach der weltweiten Kritik an der Fußball-WM 2022 und der neuen IOC-Ausrichtung - weg vom Gigantismus - dürfte Katar schlechte Karten haben.

    BAKU: Im Juni trägt die Hauptstadt Aserbaidschans die neu geschaffenen Europaspiele aus. Gelingt der Testlauf, wäre eine Bewerbung für Olympia 2024 denkbar.

    AUSTRALIEN: IOC-Chef Thomas Bach hat Australien zu einer Bewerbung ermutigt. Das NOK scheint aber eher der Ansicht zu sein, dass 2028 oder 2032 der bessere Zeitpunkt für eine australische Stadt wäre. Schließlich hatte Sydney die Spiele erst 2000 ausgetragen. Geeignete Gastgeber wären diesmal auch Melbourne und Brisbane.

    Berliner Bewerbung für Olympia 2024

    Gesellschaftliche Botschaft

    Die Olympischen Spiele in Berlin sollen ohne gigantische Investitionen und unter demokratischen Bedingungen stattfinden. "Berlin steht für Spiele, die die Welt für Olympia begeistern", sagt der Oberbürgermeister der Hauptstadt Michael Müller. 2000 ist die Bewerbung gescheitert, im erneuten Anlauf soll es mit Olympia 2024 nun klappen.

    Motto

    Das Bewerbungs-Motto in Berlin ist: "Wir wollen die Spiele". Sollte die Hauptstadt gewählt werden, lautet der Slogan für die Spiele: "Die ganze Welt in unserer Stadt".

    Sportstätten

    Große Wettkampforte wie das Olympiastadion, das Velodrom und die Max-Schmeling Halle stehen bereits. Alte oder marode Sportstätten sollen saniert werden. Zudem fungieren die angrenzenden Bundesländer Brandenburg und Sachsen als weitere Austragungsorte.

    Finanzierung

    Die Spiele in Berlin würden zwei Milliarden Euro kosten. Das IOC und der Bund beteiligen sich an der Finanzierung. Die Stadt möchte für die Olympischen Spiele keine neuen Schulden aufnehmen.

    Nachhaltigkeit

    Berlin handelt nach dem Motto: Modernisierung statt Neubau. Die großen vorhandenen Sportstätten sollen zur Nachhaltigkeit beitragen. Das Athleten-Dorf, das am Flughafen Berlin-Tegel geplant ist, soll nach Olympia Platz für 5000 neue Wohnungen bieten

    Hamburger Bewerbung für Olympia 2024

    Bunte Kampagne

    Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) greift auf Pläne der Olympiabewerbung von vor zwölf Jahren zurück. Einige Baupläne sind sogar schon umgesetzt. Mit Aktionen wie einem Olympischen Alsterfeuer oder einem Modell-Stadion in der Europa Passage versucht die Politik, die Menschen für Olympia zu begeistern.

    Motto

    Das Bewerber-Motto der Hansestadt lautet "Feuer und Flamme für Spiele in Hamburg". Sollte es mit den Olympischen Spielen klappen wird Hamburgs Slogan "Das Tor zur Welt“ zu "Das Tor für die Welt“.

    Sportstätten

    Die Hansestadt plant den Olympischen Mittelpunkt auf zwei Elb-Halbinseln im Hafen. Dort stehen dann unter anderem das Olympiastadion und die Schwimmhalle. Bürgermeister Scholz betont, dass die Spiele im Zentrum Hamburgs stattfinden sollen.
    Einige Wettkämpfe, wie zum Beispiel die Segelwettbewerbe, müssen aber außerhalb Hamburgs ausgetragen werden. Dafür erklären sich unter anderem die Ostseestädte Rostock/Warnemünde und Lübeck/Travemünde bereit.

    Finanzierung

    Für Hamburg gilt: Olympia ja, aber nicht um jedem Preis. Die Stadt rechnet mit Ausgaben rund um 2,09 Milliarden Euro. Hinzu kämen noch die Kosten für die Bewerbung. Es soll aber auf jeden Fall an der Schuldenbremse festgehalten werden.

    Nachhaltigkeit

    In der Olympiabewerbung steht das Thema Nachhaltigkeit an erster Stelle. Die konkreten Baupläne entstehen beispielsweise unter Einbezug von Naturschutzverbänden. Die Olympiabauten sollen flächensparend und energieeffizient sein, im Anschluss weiterhin genutzt oder wieder zurückgebaut werden.

    15.03.2015
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