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Doping | Meldoniummissbrauch in Russland Die Trutzburg bröckelt

  • Video Kulischnikow - unschlagbar dank Doping
  • Video Simon: "Wirkung von Meldonium fragwürdig
  • Video Ihle: "Man fühlt sich betrogen"
  • VideoKulischnikow - unschlagbar dank Dopingg
    Pavel Kulzhnikov positiv getestet.

    Das Weltcup-Finale in Heerenveen wird überschattet vom positiven Dopingbefund beim russischen Top-Athleten Pawel Kulischnikow. Das Mittel Meldonium wurde ihm zum Verhängnis.

    (11.03.2016)
    VideoSimon: "Wirkung von Meldonium fragwürdig
    Prof. Perikles Simon im ZDF-Interview

    Der Anti-Doping-Forscher Prof. Perikles Simon erklärt im Interview mit ZDF-Reporter Markus Harm u.a., warum Meldonium erst seit 2016 als Dopingmittel gilt und wozu es ursprünglich entwickelt wurde.

    (08.03.2016)
    VideoIhle: "Man fühlt sich betrogen"
    Nico Ihle

    Der deutsche Eisschnellläufer Nico Ihle und Mehrkampf-Bundestrainer Helge Jasch sprechen im Interview mit Hermann Valkyser über die jüngsten Dopingvergehen der russischen Konkurrenz.

    (11.03.2016)

    von Thomas Dudek

    Mit jedem weiteren Sportler, der auf Meldonium positiv getestet wurde, wird die Trotzhaltung der russischen Öffentlichkeit in dem Maße größer wie der internationale Druck von außen wächst. Mit ihrer reumütigen Reaktion auf ihre Entlarvung als  Dopingsünderin hat Tennis-Star Maria Scharapowa in ihrer Heimat viel Zuspruch erfahren. 

    Links
    Scharapowa bei Twitter #Scharapowa Homepage von Maria ScharapowaDas ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
    Der vergangene Montag dürfte wohl der bisher schwärzeste Tag in der Karriere von Marija Scharapowa gewesen sein. Doch verkaufsfördernd ist der Name Scharapowa immer noch, wie dieser Tage ein russischer Online-Händler von Pharmaprodukten stolz vermeldete. 150 Packungen Meldonium verkaufe dieser nun täglich, während es im vergangenen Jahr insgesamt nur 850 Stück waren.

    Schock für den russischen Sport

    Doch nicht nur Scharapowa wird zum größeren Bekanntheitsgrad des Mittels beigetragen haben. Seit Montag werden fast täglich Namen russischer Sportler bekannt, die auf das seit Jahresbeginn auf der Dopingliste stehende Mittel positiv getestet wurden. Von den 13 Sportlern, denen seit dem 1. Januar die Einnahme von Meldonium nachgewiesen wurde, stammen sieben aus Russland.

    IAAF-Council: Sperre für Russland bleibt

    Russlands skandalumwitterter Leichtathletik-Verband kann angesichts der neuen Dopingfälle derzeit nicht mit einer Aufhebung seiner Sperre rechnen. Das teilte das Council des Weltverbandes IAAF am Freitagabend zum Abschluss seiner Sitzung in Monte Carlo mit. Nach den massiven Doping-Enthüllungen des vergangenen Jahres war der russische Verband RUSAF vorläufig für alle internationalen Wettbewerbe gesperrt worden. Eine Hintertür für die Olympia-Teilnahme in Rio de Janeiro gibt es noch, weil die RUSAF neue Strukturen und Reformen angekündigt hat. Diese überwacht eine Taskforce der IAAF, die dem 27-köpfigen Council nun berichtet hat.

    Für den russischen Sport sind die jüngsten Dopingfälle ein Schock, denn sie kamen zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Denn die jüngsten Dopingsünden der russischen Sportler wurden in der Woche publik, in der das Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF in Monte Carlo über die Situation in der russischen Leichtathletik berät. Mitte November schloss der IAAF die russischen Leichtathleten von allen internationalen Wettbewerben aus. Als Reaktion auf den kurz zuvor veröffentlichten WADA-Bericht, in dem ausführlich über das systematische und teilweise auch vom Staat geförderte Doping berichtet wurde. Die endgültige Entscheidung, ob eine der erfolgreichsten Leichtathletik-Nationen der Welt den Olympischen Spielen in Rio fernbleiben muss, wird wohl erst im Mai fallen.

    Maria Scharapowas Karriere

    Bestverdienende Sportlerin

    Maria Scharapowa

    Wegen der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl verließen Scharapowas Eltern im Jahr vor ihrer Geburt die weißrussische Heimat und zogen über Njagan nach Sotschi. Dort greift die damals vierjährige zum Ersten mal zum Tennisschläger. Als Scharapowa sieben Jahre alt ist, zieht der Vater mit der Tochter nach Florida, um ihr eine Karriere als Tennisprofi zu ermöglichen - ihre Mutter bleibt zurück. Mit 13 Jahren geht Scharapowa auf die WTA-Tour und steht bei Manager Max Eisenbud unter Vertrag. Mit 17 Jahren (2004) gewinnt sie in Wimbledon ihren ersten Grand-Slam-Titel. Am 22. August 2005 wird sie als erste Russin die Nummer eins der WTA-Weltrangliste. Unterbrochen wird ihre Karriere immer wieder von Verletzungspausen. Ungeachtet dessen steigt Scharapowa zur bestverdienenden Sportlerin der Welt (rund 29 Millionen Dollar pro Jahr) auf.

    Steckbrief

    Geboren am 19. April 1987 in Nyagan/Sibirien

    Nationalität: Russland

    Wohnort: Bradenton/Florida

    Grand-Slam-Titel: 5 (Wimbledon 2004, US Open 2006, Australian Open 2008, French Open 2012 und 2014)

    Turniersiege: 35

    Weltranglisten-Platz: 7 (Stand 7. März 2016);
    beste Platzierung: Platz 1 im August 2005

    Kritik statt Verständnis

    Wie zeitlich unpassend die jüngsten Dopingfälle für das schon so beschädigte Image des russischen Sports sind, zeigten die Reaktionen auf den Dopingfall Jewgenija Bobrowa. "Ich weiß nicht, wie dieses Mittel in meinen Körper gelangen konnte", erklärte die Olympiasiegerin von Sotschi, die bei den  Europameisterschaften, die im Januar in Bratislava stattfanden, positiv auf Meldonium getestet wurde. Doch statt Verständnis, erntete Bobrowa nur Kritik. Als Lügnerin musste sich die Eiskunsttänzerin von der russischen Presse bezeichnen lassen, die damit andere Töne anschlug, als gegenüber Marija Scharapowa. "Scharapowa ist die erste russische Athletin, die die ganze Verantwortung auf sich genommen hat. Damit ist sie ein Novum im russischen Sport", erklärt der russische Sportjournalist Iwan Kalaschnikow die unterschiedlichen Reaktionen.

    Eine Haltung, die auch bei den russischen Sportverbänden und der Politik zu beobachten war. Der russische Leichtathletikverband erinnerte auf seiner Internetseite noch einmal alle Sportler und Athleten daran, dass Meldonium seit Anfang des Jahres auf der Dopingliste steht. Dimitrij Peskow, Pressesprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, bezeichnete die jüngsten Dopingfälle als "Einzelfälle, die nicht für den gesamten russischen Sport stehen."
    Stichwort Meldonium

    Meldonium ist ein Wirkstoff, der in Deutschland als Arzneimittel nicht zugelassen ist. Die in den baltischen Staaten und Russland vertriebene Substanz soll die Durchblutung fördern und als Medikament unter anderem für Herzerkrankungen geeignet sein. Bei einer Untersuchung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) im Jahr 2014 konnte für den Wirkstoff ein hoher Missbrauch in verschiedenen Sportarten festgestellt werden. Die WADA vermutete den Missbrauch durch Athleten, die eine verbesserte Durchblutung und höhere physische Ausdauer erlangen wollen. Da die Anwendung überwiegend aus nicht-medizinischen Gründen zur Leistungssteigerung erfolgte, entschied die WADA, Meldonium ab 1. Januar 2016 für den Sport zu verbieten.

    Reaktionen und Rhetorik ändern sich

    Doch mit jedem Tag, an dem weitere Meldonium-Fälle im russischen Sport bekannt wurden, änderten sich die Reaktionen und die Rhetorik.
    Weitere Links zum Thema
    Außenminister Sergej Lawrow griff am Donnerstag offen die Welt-Doping-Agentur an und verlangte von der WADA eine Erklärung, weshalb das Medikament seit Jahresbeginn auf der Dopingliste stehe. Noch weiter in seinen Verschwörungstheorien ging Aleksej Krawtsow, Präsident des russischen Eisschnelllaufverbandes. Dieser behauptete, dass man das Mittel Pawel Kulischnikow untergejubelt habe und berief sich dabei auf einen mit dem überführten Weltmeister durchgeführeten Lügendetektortest. Sovietskij Sport, die größte Sportzeitung des Landes, bezeichnete die WADA wiederum als eine "Inquisition".

    Doch so sehr man sich in seiner Trutzburgmentalität einnistet. Mit jedem Tag wird auch das Ausmaß des jahrelangen Meldonium-Dopings im russischen Sport publik. Und dies auch Dank der eigenen Medien. Wie die Internetzeitung Gazeta.ru am Donnerstag berichtete, bestellte Fußball-Erstligist FK Rostow noch am 17. Dezember 25 Packungen Meldonium. Wenige Wochen, bevor das Mittel auf die Dopingliste gelangte.

    12.03.2016
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