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Fußball | Deutschland - Italien Löw bieten sich neue Optionen

  • Bild Fußball: Bundestrainer Joachim Löw
  • Video Deutschland schlägt Italien 4:1
  • Video Götze meldet sich zurück
  • BildFußball: Bundestrainer Joachim Löw
    Fußball: Bundestrainer Joachim Löw
    (Quelle: dpa)
    VideoDeutschland schlägt Italien 4:1
    Fußballer

    Es geht doch! Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat Italien in der Münchner Allianz Arena mit 4:1 besiegt und sich damit für die 2:3-Pleite von vergangener Woche rehabilitiert.

    (30.03.2016)
    VideoGötze meldet sich zurück
    Mario Götze

    Mario Götze hat beim 4:1-Erfolg der Nationalmannschaft gegen Italien eindrucksvoll zurückgemeldet: Der Münchner erzielte einen Treffer und war an einem weiteren beteiligt.

    (30.03.2016)

    Kurzmeldung

    • 10:57 Uhr 30.03.2016Kurzmeldung

      Müller will fortan "Notlügen ausdenken" 10:57 Uhr 30.03.2016
      Thomas Müller will nach seinen "Larifari"-Aussagen und der folgenden öffentlichen Kritik fortan lieber um den heißen Brei herumreden. "Ich habe mal wieder feststellen müssen, dass man mit der Wahrheit in Deutschland nicht so weit kommt. In Zukunft werde ich mich wieder zurückhalten, mir eine kleine Notlüge ausdenken, dann läuft es vielleicht besser für mich in den nächsten zwei Tagen", sagte Müller. Müller hatte nach dem 2:3 gegen England zugegeben, dass dem Team - "typisch Testspiel" - die nötige Einstellung gefehlt habe. Diese Aussage brachte ihm Lob, mehrheitlich aber Kritik ein.

    von Frank Hellmann

    Mit der 4:1-Gala gegen Italien ist der deutschen Nationalmannschaft nur drei Tage nach der Ernüchterung gegen England der dringend nötige Akt der Versöhnung gelungen. Für Bundestrainer Joachim Löw ergeben sich neue Optionen, die das Arbeiten erleichtern. 

    Eigentlich schade, dass die Stadionregie in München-Fröttmaning nach dem Schlusspfiff eine so lange Pause ließ. Normalerweise werden die Lautstärkeregler nach Ende eines Länderspiels sofort nach oben gefahren, und der WM-Song "Auf uns" von Andreas Bourani übertönt alles. Viele Zuschauer schienen sogar darauf zu warten, Zeilen wie "Wer friert uns diesen Moment ein" mitzusingen, schließlich hatten viele der 62.653 Zuschauer kurz zuvor ein "Oh wie ist das schön" in der Arena angestimmt. Ganz ohne Vorgabe aus den Lautsprechern.

    Links
    4:1 - DFB-Elf setzt Zeichen England gewinnt den Klassiker 2:3 - Mal wieder ein Weckruf
    Joachim Löw hat nach dem furiosen 4:1-Vortrag gegen Italien - dem ersten Sieg gegen den Angstgegner seit 21 Jahren - feinsinnig gelächelt, ob er wegen der besonderen Stimmung auf den Rängen überrascht gewesen sei. So wirklich nicht, erklärte der Bundestrainer. Denn: "Wir haben es besser gemacht als gegen England. Wir haben ein sehr gutes Spiel gezeigt." Der Funke sprang denn auch vom Rasen auf die Ränge über - nicht umgekehrt.

    Viel Lob für die Dreier-Abwehrkette

    Das geschah, weil die personell auf fünf Positionen und taktisch im 3-4-3-System umformierte deutsche Elf in der Lage war, "die Konzentration über 90 Minuten hochzuhalten" (Löw). Kein eklatanter Spannungsabfall nach einer Stunde drückte diesmal auf die Stimmung. "Jeder kann mit einem guten Gefühl nach Hause gehen", meinte Verteidiger Antonio Rüdiger, der zwar den Ball beim Ehrentreffer von Stefan El Shaarawy unglücklich abfälschte (83.), ansonsten aber im Verbund mit Shkodran Mustafi und Mats Hummels erstaunlich abgeklärt agierte.

    Pressestimmen zum Länderspiel 
    • Gazzetta dello Sport: "Deutschland überrollt Italien. Die dramatische Pleite der Azzurri lässt die Alarmglocken mit Blick auf die EM ertönen. Der Himmel über München scheint über dem Kopf Italiens und seines Trainers Conte zusammenzubrechen. Die Azzurri sind erdrückt und gedemütigt worden. Alle technischen Mängel dieser Mannschaft sind ans Licht gekommen."

    • Corriere dello Sport: "Italien im Dunkeln. Der Unterschied zwischen uns und den Besten der Welt ist einfach zu groß. Die Kluft ist enorm. Wir sind vom Niveau der Deutschen zu weit entfernt und können nicht einmal auf ein Wunder bis zur EM hoffen."

    • Tuttosport: "Totales Desaster! Einfach eine Schande. Deutschunterricht für die Italiener, die ohne Würde und Stolz auftreten. Conte macht einfach alles falsch. Das kann nicht das wahre Italien sein. Wäre es so, wäre es besser, auf die EM zu verzichten."

    • La Stampa: "Ein anderer Planet. Die Azzurri werden von Deutschland vernichtet. Die Kluft zwischen den beiden Mannschaften ist einfach peinlich. Kroos, Müller, Götze, Draxler, um den Juve lang gebuhlt hat: alles Leute, über die Antonio Conte einfach nicht verfügt."

    • Repubblica: "Das überwältigende Deutschland radiert mit einem Tor-Festival das schwache Italien aus. Die Weltmeister erteilen der Squadra eine Lektion. Vom guten Remis gegen Spanien bis zum schlechtesten Match der Ära Conte. Alle Spieler, die Conte testen wollte, sind bei der Prüfung gescheitert."

    Das Trio habe "klasse agiert", befand Löw wohlwollend. "Gerade die Abwehrspieler haben sich taktisch hervorragend verhalten." Zudem hätten Jonas Hector und Sebastian Rudy auf den Außenpositionen überzeugend agiert. Der Kölner Linksfuß erzielte das 3:0 (59.), der Hoffenheimer Allrounder holte den Elfmeter heraus, den Mesut Özil zum 4:0 nutzte (75.).

    Die Mannschaft zeigte eine taktische Flexibilität, die ihr zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht zugetraut worden war. Löw möchte dann spätestens im Trainingslager in Ascona (23. bis 3. Juni) noch an "Spielauslösung, Laufwegen und Umschaltverhalten" arbeiten, wie er sagte.

    Kroos und Özil gefallen in neuer Rolle

    Wenn sich alle so lernwillig zeigen, wie die neue Doppel-Sechs mit dem bärenstarken Ballverteiler und Torschützen Toni Kroos (24.) sowie dem fleißigen Özil, wäre das hilfreich. Ob das Tandem zum Einsatz kommt, wenn Sami Khedira, Ilkay Gündogan oder auch Bastian Schweinsteiger sich gesund melden, erscheint zwar zweifelhaft, aber es ist eine weitere Option.

    Mesut Özil und Toni Kroos

    Mesut Özil und Toni Kroos
    Quelle: ap

    Er wollte grundsätzlich etwas anderes probieren, erläuterte Löw seine taktischen Überlegungen gegen die überraschte Squadra Azzurra. Wegen der Dreier-Abwehrkette "konnte man auch ein bisschen mehr Risiko gehen im Mittelfeld." Gut möglich, dass Löw bei der EM in Frankreich – wo die aufgeblähte Gruppenphase an Bedeutung verlieren wird - erneut zwischen den Systemen variiert, um in der K.-o.-Runde für alle Eventualitäten im Ernstfall gerüstet zu sein.

    Kein Gradmesser für ein EM-Viertelfinale

    Aus dem EM-Tableau ergibt sich, dass es im Viertelfinale wieder zum deutsch-italienischen Duell kommen kann. Dass Italiens Nationaltrainer Antonio Conte eine "Differenz" zum Weltmeister ausgemacht hat, die beim besten Willen in den nächsten Wochen nicht geschlossen werde könne, mag Löw nicht zu Übermut verleiten. Es sei gut, das Gefühl zu haben, "dass man auch Italien schlagen kann, aber ich glaube nicht, dass das 4:1 für die EM eine ganz wichtige Rolle spielt." Das wäre ein anderes Spiel. Vermutlich hat er recht.

    Zuvor muss der 56-Jährige andere Entscheidungen treffen. Welche Erkenntnisse lässt er aus dem Testspiel-Doppelpack gegen England und Italien, in dem ihm sein Ensemble im Grunde zwei Gesichter zeigte, in die Nominierung seines Kaders einfließen? Löw will noch in dieser Woche beide Partien in Ruhe analysieren, dann wird er auf die Leistungen seiner Kandidaten in der Liga und in den europäischen Wettbewerben schauen.

    Was passiert mit den Kandidaten aus der U 21?

    Julian Draxler etwa dürfte mit einer Tor-Vorbereitung Pluspunkte gesammelt haben, Mario Götze - bei Löw ohnehin nie ein Wackelkandidat - untermauerte mit seinem Kopfballtor zum 2:0 (45.) und seiner Hackenablage vor dem 3:0 seinen besonderen Wert. Kardinalfrage wird sein, was mit den Kandidaten aus der U 21 passiert - der Bundestrainer erwähnte namentlich Max Meyer, Leon Goretzka, Julian Weigl und Joshua Kimmich.

    Ist es besser, solche Akteure beim Olympischen Fußballturnier Erfahrung sammeln zu lassen oder sollen sie schon das Turnier-Feeling in Frankreich spüren? Löw scheint für den 17. Mai die Konturen des Kaders im Kopf zu haben. "Wenn alle in Form bleiben, wird es leicht", erklärte er - und setzte ein spitzbübisches Lächeln auf.

    30.03.2016
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