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Fußball | Korruption UEFA: Bremser oder Treiber?

  • Bild Michel Platini und Sepp Blatter
  • Video FIFA-Skandal: Ein Fass ohne Boden
  • Video WM-Vergaben im FBI-Fokus
  • Video Wie geht's mit der Fifa weiter?
  • BildBild Blatter Platini
    Michel Platini und Sepp Blatter - Aufnahme vom 28.11.2008

    Michel Platini (l.) und Sepp Blatter

    (Quelle: ap)
    Video#_MME_4_UEFA: Bremser oder Treiber? (1)
    Für FIFA-Chef Sepp Blatt wird die Luft immer dünner. Jack Warner, Blatters ehemaliger Stellvertreter, will auspacken und bringt seinen Ex-Chef in Bedrängnis.

    Für FIFA-Chef Sepp Blatt wird die Luft immer dünner. Jack Warner, Blatters ehemaliger Stellvertreter, will auspacken und bringt seinen Ex-Chef in Bedrängnis.

    (04.06.2015)
    Video#_MME_2_UEFA: Bremser oder Treiber?
    FIFA-Logo

    Neue Details aus US-Ermittlerkreisen:FBI-Kronzeuge Blazer hat ausgesagt, dass für die WM-Vergaben 1998 und 2010 Schmiergelder flossen. Auch die WM-Vergaben für Russland und Katar stehen im FIFA-Fokus.

    (04.06.2015)
    Video#_MME_3_UEFA: Bremser oder Treiber?
    Sepp Blatter und Wolfgang Niersbach

    Nachdem Blatter 17 Jahre alle Skandale überstanden hatte, ist der aktuelle selbst für den Fifa-Präsidenten zu groß. Doch was jetzt? Wie erneuert sich ein Verband, der durchweg korrupt zu sein scheint?

    (03.06.2015)

    Kurzmeldung

    • 22:13 Uhr 03.06.2015Kurzmeldung

      Blazer gibt zu: Es wurde bestochen 22:13 Uhr 03.06.2015
      FBI-Kronzeuge Chuck Blazer hat zugegeben, dass er und andere Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees Bestechungsgelder bei der Vergabe WM 2010 in Südafrika akzeptiert hatten. Auch vor der Vergabe für das WM-Turnier 1998 soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Blazer und andere Verantwortliche sollen von Bewerber Marokko bestochen worden sein. Dennoch siegte am Ende Frankreich und durfte die WM ausrichten. Dies geht aus den Zeugenaussagen des 70-Jährigen aus dem Jahr 2013 hervor, die am Mittwoch in New York veröffentlicht worden sind. Blazer war von 1996 bis 2013 Mitglied des Exekutivkomitees.

    • 08:11 Uhr 03.06.2015Kurzmeldung

      Medien: FBI-Ermittlungen gegen Blatter 08:11 Uhr 03.06.2015
      Nach der Rücktrittsankündigung von FIFA-Boss Joseph Blatter berichten US-amerikanische Medien von angeblichen neuen Ermittlungen gegen den 79-Jährigen. Der Fernsehsender ABC News sowie die New York Times berufen sich dabei auf nicht genannte Quellen. Die Bundesbehörde FBI dementierte aber bereits offizielle Untersuchungen, ebenso die New Yorker Bezirksstaatsanwaltschaft. Aufgrund der US-Ermittlungen waren in Zürich sieben FIFA-Funktionäre festgenommen worden. Blatter hatte am Dienstag seinen Rücktritt angekündigt. Bis zu einem außerordentlichen FIFA-Kongress bleibt er aber im Amt.

    von Ralf Lorenzen

    "Gute UEFA, böse FIFA?" Die Diskussion um Korruption im Weltfußball erinnert teilweise an die Dramaturgie US-Amerikanischer Gangsterfilme. Ein Blick in die Korruptionsaffären und Reformbemühungen der Vergangenheit zeigt, dass diese Rollenverteilung nicht ganz so eindeutig ist. 

    "Man muss das differenzierter sehen", sagt Sylvia Schenk, die bei Transparency International die Arbeitsgruppe Sport leitet, im Gespräch mit zdfsport.de. "Sonst wird man den Personen nicht gerecht und findet nicht die richtigen Lösungen für die Zukunft." Schenk wendet sich seit Jahren dagegen, die Korruptionsprobleme im Fußball auf ein "System Blatter" zu beschränken.  

    Erhebliche Probleme in einigen Ländern
    "Wenn wir Europäer immer so schnell bei der Hand sind zu sagen, dass in Afrika oder Asien bestochen wurde, dann sollten wir alles tun, um mit gutem Beispiel voranzugehen", so die Anwältin und Ex-Leichtathletin. "Schauen Sie sich zum Beispiel den griechischen oder italienischen Fußball an, da wird wegen Spielmanipulationen teilweise die ganze Liga ausgesetzt. Es gibt erhebliche Probleme in einzelnen europäischen Regionen, da hat die UEFA genug zu tun, um da aufzuräumen."


    Aber auch auf höchster Ebene gab es in den letzten Jahren Manipulationsvorwürfe. So behauptete der ehemalige Schatzmeister des zyprischen Verbandes, Spyros Marangos, mehrere Mitglieder der UEFA-Exekutive seien vor der Vergabe der EM 2012 an Polen und die Ukraine mit Hilfe einer Anwaltskanzlei aus Limassol bestochen worden. Die Staatsanwaltschaft Zypern hat die Ermittlungen zwar eingestellt, Kritiker monieren aber, dass die UEFA keine eigenen Ermittlungen angestellt und den Zeugen vernommen habe.

    Weitere Links zum Thema
    Geldmaschine UEFA

    Wie die FIFA ist auch die UEFA zu einer Geldmaschine geworden, die viele Begehrlichkeiten weckt. Allein der Umsatz bei Europameisterschaften stieg in den letzten zwanzig Jahren von 40,9 Millionen Euro (1992) auf fast 1,4 Milliarden Euro (2012). Im Finanzjahr 2012/13 nahm der Verband rund 1,7 Milliarden Euro ein, was eine Steigerung von 21 Prozent im Vergleich zum Jahr 2011/12 (ohne die EM 2012) bedeutet.

    Unter UEFA-Boss Michel Platini, der ähnlich wie Sepp Blatter vor allem durch die Unterstützung der kleinen Verbände ins Amt gekommen ist, ist die Europameisterschaft auf demnächst 24 Teilnehmerverbände aufgebläht worden. Parallel zu dieser Entwicklung sind die Top-Vereinsmannschaften durch ihre steigenden Einnahmen in den europäischen Wettbewerben mächtiger geworden.

    Taten folgen lassen
    So vereinbarte die UEFA mit der Europäischen Klubvereinigung (ECA), dass künftig zwei ECA-Vertreter stimmberechtigte Mitglieder des bislang 14-köpfigen Exekutivkomitees werden. Außerdem wurden die Prämien für die Teilnahme an europäischen Wettbewerben sowie für die Abstellung von Nationalspielern für die Europameisterschaften deutlich erhöht.

    Während sich die UEFA auf Klubebene um ein "Financial Fair Play" bemüht, scheint der Reformwille in anderen Bereichen nicht so ausgeprägt. "Die UEFA hat gesagt, dass sie für Transparenz und Compliance eintritt - dann muss sie dem aber auch Taten folgen lassen und im eigenen Bereich beispielhaft anfangen", sagt Sylvia Schenk. "So sollten zum Beispiel auch bei der UEFA  unabhängige Verlässlichkeitsprüfungen für die Mitglieder des Exekutivkomitees eingeführt werden."

    Auf der Bremse
    Und auch beim Reformtempo der FIFA sind die Rollen nach Ansicht von Schenk nicht so eindeutig verteilt, wie manche Berichterstattung suggeriert. "Die UEFA hätte schon vor Jahren anfangen können, auf Reformen zu drängen", so die Anti-Korruptions-Aktivistin. "Sie ist im Reformprozess der FIFA aber nicht als konstruktiver Treiber aufgetreten, sondern war an manchen Stellen eher der Bremser. Das betrifft sowohl die Frage der Amtszeitbegrenzung, als auch die zentral organisierte Verlässlichkeitsprüfung."

    FIFA Fakten, Strukturen, Hintergründe

    So funktioniert der FIFA-Apparat

    FIFA-Zentrale in Zürich

    Im Zentrum der FIFA-Tätigkeiten steht die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft, an der die 32 besten Nationen der Welt teilnehmen. Werbeverträge mit hochrangigen Börsenunternehmen und die Übertragungsrechte für Medienkonzerne haben immens viel Geld in die Kasse des Dachverbandes gespült, der die Einnahmen unter seinen 209 Mitgliederverbänden verteilt. Blatters Machtbasis ist seither zunehmend gestiegen, weil er begehrte Jobs in der Schaltzentrale des weltweit populärsten Sports vergeben kann.

    Innerhalb der FIFA haben die 209 Nationalverbände ein gleiches Stimmrecht, wenn es auf dem jährlichen Kongress um wichtige Entscheidungen in der Welt des Fußballs geht. Dazu können Strafen wegen Rassismus auf dem Platz oder andere Änderungen der Statuten zählen. Ethik spielt generell eine große Rolle bei den Entscheidungen, die alljährlich anstehen.

    Oft gibt es nicht einmal eine Abstimmung, um eine Dreiviertelmehrheit zu erreichen. Dem konsenssuchenden Blatter reichen meist Beifall und Applaus, damit eine Entscheidung abgesegnet wird. Wenn es aber doch zu einem Votum kommt, dann haben kleine Mitgliedsverbände wie die karibischen Turks- und Caicosinseln dasselbe Stimmgewicht wie Weltmeister Deutschland oder andere Fußballgroßmächte wie England, Italien oder Spanien. Die Inseln mit ihren 30.000 Einwohnern sind durch Sonia Bien Aime sogar im FIFA-Exekutivkomitee vertreten.

    Auf einem FIFA-Kongress macht es keinen Unterschied, ob die Nation wie die besagten Karibikinseln im vergangenen Jahrzehnt elf offizielle Länderspiele bestritten hat oder 131 wie die deutsche Nationalelf. Jeder Nationalverband hat eine Stimme - nicht mehr und nicht weniger. Änderungen des Regelwerks werden von einem weitaus kleineren Gremium gefällt, das 18 Jahre vor der FIFA-Gründung 1904 ins Leben gerufen wurden: das International Football Association Board, kurz IFAB. Es besteht aus acht Mitgliedern, jeweils einem aus England, Schottland, Wales und Nordirland sowie vier FIFA-Mitgliedern. Für weitreichende Änderungen wie etwa die Torlinientechnologie sind sechs der acht Stimmen nötig. Dabei ist Blatters Zustimmung erforderlich. Der 79-jährige Schweizer ist das unumstrittene Machtzentrum der FIFA.

    So funktioniert die Wahl des FIFA-Präsidenten

    Die Wahl des Chefs des Fußball-Weltverbandes ist in den FIFA-Statuten und in dem sogenannten "Reglement für die Wahl des FIFA-Präsidenten" geregelt.  Zur Zulassung zur Wahl muss jeder Kandidat von einem Verband vorgeschlagen werden und es müssen von mindestens fünf Verbänden Unterstützerschreiben vorliegen.

    Die Wahl findet immer durch den FIFA-Kongress in geheimer Abstimmung statt. Wahlberechtigt sind alle 209 Mitgliedsverbände der FIFA mit je einer Stimme. Diese verteilen sich derzeit folgendermaßen auf die sechs Konföderationen: Afrika 54, Asien 46, Europa 53, Nord- und Mittelamerika 35, Ozeanien 11, Südamerika 10. Wahlberechtigt sind nur anwesende Mitglieder. Alle Kandidaten haben vor der Abstimmung ein Rederecht bei dem Kongress.

    Im ersten Wahlgang sind zwei Drittel der Stimmen für die Wahl erforderlich (derzeit 140). Bei mehr als zwei Kandidaten scheidet der mit den wenigsten Stimmen für den nächsten Wahlgang aus. Im zweiten und jedem weiteren Wahlgang genügt eine einfache Mehrheit von mehr als 50 Prozent der Stimmen (derzeit 105).

    Die Amtszeit des neuen Präsidenten beginnt mit dem Ende des Kongresses, bei dem er gewählt wurde. Sie beträgt vier Jahre. Wahlkongresse finden immer am Hauptsitz der FIFA in Zürich statt.

    Was ist mit der WM 2018 und 2022?

    Noch ist in der WM-Frage nichts Entscheidendes passiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und tut dies vermutlich auf deutlich professionellere und unabhängigere Weise, als es die FIFA-Ethikhüter je haben tun können. Tatsächlich wurden die Durchsuchungen im FIFA-Hauptquartier erst durch die Strafanzeige des Weltverbandes angestoßen. Nun darf mit Spannung abgewartet werden, was die eidgenössischen Ermittler aufspüren - auch bei ihren angekündigten Verhören der Wahlmänner aus dem FIFA-Exko von 2010.

    Wie wahrscheinlich ist eine Turnier-Neuvergabe?

    Für eine Neuausschreibung gibt es noch keine konkreten Anzeichen. Erst wenn die Schweizer Ermittler tatsächlich belastbare Beweise für Korruption finden, könnte diese Diskussion eine juristisch tragbare Grundlage finden. Der Imageschaden für die FIFA und ihre WM-Ausrichter Russland und Katar wäre aber immens. Spätestens dann müsste es auch zu einer Neubesetzung der FIFA-Spitze kommen. Im Fall der Fälle ist Deutschland natürlich immer eine Gastgeber-Option.

    (Quelle: dpa, ap)

    05.06.2015
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