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Fußball | Freshfields-Untersuchung WM-Affäre: Bericht belastet Beckenbauer und Niersbach schwer

  • Video War die WM 2006 gekauft?
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    Freshfield

    Zahlungen in Höhe mehrerer Millionen Euro über Schweizer Banken nach Katar. Der Freshfields-Bericht zur Korruptionsaffäre bringt neue Erkenntnisse, lässt jedoch die entscheidende Frage offen.

    (05.03.2016)
    VideoWM-Affäre: Viel Raum für Spekulation
    Reinhard Grindel, Schatzmeister des deutschen Fussball-bundes (dfb), Reinhard Rauball, 1. Vizepraesident des deutschen Fussball-bundes (dfb), und Rainer Koch, 1. Vizepraesident des Deutschen Fussball-bundes (dfb) während der Pressekonferenz zur Vorstellung des Untersuchungsberichts

    Der Freshfields-Abschlussbericht in der WM-Affäre belastet Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach schwer. Vieles weist auf Bestechung oder Stimmenkauf hin - eindeutige Beweise gibt es aber nicht.

    (04.03.2016)
    VideoHarm: Beckenbauer verstrickt
    ZDF-Experte Markus Harm

    Der mit Spannung erwartete Freshfields-Report ist da. ZDF-Experte Markus Harm dazu: "Fakt ist, dass vom Konto Franz Beckenbauers eine ominöse Zahlung indirekt auf das Konto Mohamed Bin Hammams ging."

    (04.03.2016)
    VideoFoulspiel der Mächtigen
    Kurz vor der Wahl eines neuen FIFA-Präsidenten Ende Februar arbeiten Markus Harm und Nicolai Piechota für

    Kurz vor der Wahl eines neuen FIFA-Präsidenten Ende Februar arbeiten Markus Harm und Nicolai Piechota für "ZDFzoom" die Skandale der letzten Monate auf. Die ganze Reportage dann am Mittwoch im ZDF.

    (20.02.2016)

    Eindeutige Beweise? Fehlanzeige. Dennoch belastet der Freshfields-Abschlussbericht zur WM-Affäre Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach schwer. Viele Anzeichen weisen auf Bestechung oder Stimmenkauf bei der WM-Vergabe 2006 hin. 

    Neue Informationen über Geldflüsse, schwer belastete Schlüsselfiguren und die bewusste Verschleierung von Millionenzahlungen legen in der WM-Affäre dunkle Machenschaften offen. Die DFB-Führung fällte ein vernichtendes Urteil. "Es war völliges Versagen interner Kontrollmechanismen, sowohl im WM-OK als auch innerhalb der DFB-Spitze", sagte Interimspräsident Rainer Koch in Frankfurt bei der Vorstellung des Abschlussberichts der Wirtschaftskanzlei: "Dem Präsidium wurden über Monate Informationen vorenthalten. Das ist ein inakzeptabler Vorgang."

    Beckenbauer im Fokus der Verdächtigungen

    Links
    Freshfields-Report:DFB-SkandalDas ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
    Auf 361 Seiten listen die Ermittler akribisch die Verfehlungen des früheren Führungspersonals auf. Der nachvollzogene Weg der 6,7 Millionen Euro ist weiter höchst verdächtig - und Beckenbauer steht bei den dubiosen Geldtransfers im Fokus. Von einem auf die Namen Beckenbauer und Robert Schwan laufendem Oder-Konto, dessen Ex-Manager, flossen im Sommer 2002 in vier Tranchen sechs Millionen Schweizer Franken auf das Konto einer Schweizer Anwaltskanzlei.

    Von dort wurde das Geld nach Katar an eine Firma weitergeleitet, die offenkundig Mohamed Bin Hammam gehört - damals Mitglied der FIFA-Exekutive und -Finanzkommission. Schließlich überwies der frühere adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zehn Millionen Franken auf das Schweizer Konto. Mit sechs Millionen wurde Beckenbauer "ausgelöst", vier Millionen gingen wieder nach Katar.

    Geldfluss nicht klar: Betrag für FIFA-Gala ausgewiesen

    ZITAT
    Wir haben keinen Beweis für einen Stimmenkauf gefunden, können diesen aber auch nicht ausschließen.
    Freshfields-Report

    Bleibt die Frage: Wofür das Ganze, wenn nicht zum Zwecke der (nachträglich eingelösten) Bestechung? Laut Bericht gibt es für die Vorgänge keine "plausible Erklärung". Ob das Geld nur der Sicherung des FIFA-WM-Zuschusses diente, wie von Beckenbauer und seinen WM-Mitstreitern behauptet, oder ein "weiterer, dahinterliegender Zweck" verfolgt wurde - offen.

    2005 zahlte der DFB das Geld an Dreyfus zurück, ganz bewusst verschleiert.
    "Nach dem Ergebnis unserer Untersuchung steht fest, dass die Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro im Jahr 2005 vom WM-Organisationskomitee bewusst falsch deklariert worden ist. Sie war als Betrag für die FIFA-Eröffnungsgala ausgewiesen, aber für Dreyfus gedacht", teilten die Ermittler mit. Wer von den damals Beteiligten wann Kenntnis von dem Betrug gehabt habe, sei "strittig".

    DFB spricht von einem "Bestechungsversuch"

    Auf den Weltmeisterverband kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Konsequenzen zu. Die Untersuchung der Frankfurter Staatsanwaltschaft, die wegen Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall ermittelt, ist noch nicht abgeschlossen. Im Zentrum stehen Niersbach, dessen Vorgänger Theo Zwanziger und Ex-Generalsekretär Horst R. Schmidt.

    Weitere Links zum Thema
    Beckenbauer, dessen Name im Bericht 564-mal erwähnt wird, gerät noch an einer weiteren Front schwerstens unter Druck. Der von ihm unterschriebene Vertragsentwurf, der dem skandalumwitterten Funktionär Jack Warner vier Tage vor der WM-Vergabe im Juli 2000 erhebliche Vorteile zusagte, wurde zumindest teilweise in die Tat umgesetzt. Bisher sprach der DFB von einem "Bestechungsversuch" - mit diesen Erkenntnissen spricht alles für vollzogene Bestechung. Immerhin trat der Entwurf laut Angaben der Ermittler "formal wohl nicht in Kraft".

    Verschwundene Akten werfen schlechtes Licht auf Niersbach

    Das Verschwinden wichtiger Akten hat die Freshfields-Ermittlungen zudem erheblich gestört, was wiederum den zurückgetretenen DFB-Präsidenten Niersbach belastet. Eine seiner Mitarbeiterinnen hat demnach auf eigene Faust im Juni 2015 den Aktenordner "FIFA 2000" beim DFB entliehen - der Ordner ist verschwunden. Niersbach sei zudem entgegen seiner Darstellung schon ab Juni 2015 über alle Vorgänge informiert gewesen. Der Ex-Präsident räumte nach der Veröffentlichung des Freshfields-Berichts eigene Fehler ein. "Den Vorwurf, im Sommer 2015 meine Kollegen im DFB-Präsidium nicht zügig über die mir bis dahin bekannten Vorgänge informiert zu haben, verstehe ich", schrieb Niersbach in einer E-Mail an die Deutsche Presse-Agentur.
    Die Kanzlei Freshfields

    Freshfields Bruckhaus Deringer entstand im Jahr 2000 durch einen Zusammenschluss der deutschen bzw. deutsch-österreichischen Kanzleien Deringer und Bruckhaus mit der Londoner Kanzlei Freshfields. Mehr als 2800 Anwälte beraten Regierungen, Unternehmen und Institutionen weltweit unter anderem bei Fusionen und Übernahmen, in Fragen des Wettbewerbs- und Kartellrechts oder bei internen Untersuchungen.

    Für den DFB hat die Kanzlei seit mehr als vier Monaten zahlreiche Unterlagen gesichtet und Zeugen befragt.

    "Die beim DFB auffindbaren Unterlagen waren nicht vollständig", teilte Freshfields mit. Darüber hinaus sei "nicht auszuschließen, dass frühere DFB-Mitarbeiter Akten nach ihrem Ausscheiden vernichtet haben. Manche Akten wurden oder werden privat verwahrt."
    Koch sagte, dies sei noch nicht der Zeitpunkt, "über Konsequenzen zu sprechen". Rechtliche Schritte will der DFB in Ruhe prüfen. Die Aufarbeitung der Affäre sieht Koch als beispielhaft an: "Mir ist in der Welt des Sports keine vergleichbar transparente und selbstkritische Aufarbeitung in Bezug auf das eigene Haus bekannt." Der Bericht war zeitgleich zur Pressekonferenz im Internet veröffentlicht worden.

    Schweizer BA sieht Verdunklungsgefahr

    Die Bundesanwaltschaft der Schweiz (BA) kritisierte unterdessen die Veröffentlichung des Freshfields-Berichts. Die Behörde halte fest, "dass die Publikation solcher Berichte die Kollusionsgefahr (Verdunklungsgefahr) erhöht, was die BA sehr bedauert", teilte ein Sprecher mit. Die Schweizer sehen offensichtlich ihre Ermittlungen dadurch gefährdet, dass der Deutsche Fußball-Bund den Bericht der von ihnen eingesetzten Ermittler der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer am Freitag komplett veröffentlichte.

    Die Protagonisten der WM-Affäre

    Franz Beckenbauer

    Franz Beckenbauer

    Der Präsident des Organisationskomitees wies den Vorwurf des Stimmenkaufs zurück und sagte, er habe "immer alles einfach unterschrieben". Das soll auch für den dubiosen Vertragsentwurf mit dem einstigen FIFA-Funktionär Jack Warner gegolten haben. Wohin die 6,7 Millionen Euro gingen, die das Komitee über Robert Louis-Dreyfus heimlich an die FIFA zahlte? Laut dem "Kaiser" an die Finanzkommission des Weltverbandes.

    Wolfgang Niersbach

    Wolfgang Niersbach

    Beim zurückgetretenen DFB-Präsident ist vor allem undurchsichtig: Wann wusste er von was? Von den ominösen 6,7 Millionen wollte er lange Zeit ebenso wenig erfahren haben wie von dem Jack-Warner-Vertrag. Die Aussagen enger Mitstreiter lassen jedes Mal auf etwas Anderes schließen.

    Theo Zwanziger

    Theo Zwanziger

    Zwanziger war Vizpräsident im WM-OK. Er betonte, er habe Niersbach und Co. auf die Brisanz der Zahlung an die FIFA hingewiesen. Nach seiner Meinung habe es "eindeutig eine schwarze Kasse in der deutschen WM-Bewerbung" gegeben. Empfänger der 6,7 Millionen sei der katarische Ex-FIFA-Funktionär Mohamed Bin Hammam gewesen, inzwischen lebenslang gesperrt.

    Fedor Radmann

    Fedor Radmann

    Der Beckenbauer-Freund und Ex-Vize-Präsident des WM-OKs ist einer der größten Strippenzieher im Weltsport. Der DFB wahrte ihm gegenüber ebenso wie Beckenbauer, Zwanziger, Niersbach und Horst R. Schmidt seinen Anspruch auf Schadensersatz in Millionenhöhe. Der 71-Järhige schwor "beim Leben meiner sechs Kinder, dass ich felsenfest davon überzeugt bin, dass nicht ein Mensch von uns bestochen wurde".

    Joseph Blatter

    Joseph Blatter

    Der für sechs Jahre gesperrte Ex-FIFA-Präsident bestreitet die DFB-Version, wonach die 6,7 Millionen Euro damals an seine Organisation bezahlt wurden, um den WM-Zuschuss in Höhe von 170 Millionen zu bekommen: "Geld zu bezahlen, um Geld zu bekommen? Nein. So was gibt es bei der FIFA nicht."

    Horst R. Schmidt

    DFB: Horst R. Schmidt - Aufnahme vom 23.10.2015

    Der 74-Jährige war Niersbachs Vorgänger als DFB-Generalsekretär und auch Mitglied im WM-OK. Er galt immer als graue Eminenz, die im Hintergrund die Fäden zog. Von ihm erhoffen sich die Freshfields-Anwälte einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung. Nach seinen Angaben leiteten Beckenbauer und dessen damaliger Manager Robert Schwan den Deal mit Louis-Dreyfus ein.

    Helmut Sandrock

    Sandrock Shooting

    Der erkrankte DFB-Generalsekretär ist vergangene Woche zurückgetreten, laut Verband "auf eigenen Wunsch". Er steht ebenso wie Niersbach unter Verdacht, schon länger als von den beiden bisher angegeben von den Geld-Transfers zur FIFA und vom Jack-Warner-Vertragsentwurf gewusst zu haben.

    04.03.2016, Quelle: sid, dpa
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