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ZDFzoom: Macht und Millionen im Fußball Mafiöse Zustände beim Fußball-Weltverband

  • Video ZDFzoom: Das Foulspiel der Mächtigen
  • Webspecial Foulspiel der Mächtigen
  • Video FIFA: Blatter-Nachfolger im Check
  • VideoZDFzoom: Das Foulspiel der Mächtigen
    Jack Warner wurde wegen Korruption von der FIFA suspendiert.

    FIFA unter Druck: Die Justiz ermittelt wegen Korruption bei WM-Vergaben, Verhaftungen hoher Funktionäre und Suspendierung von Sepp Blatter. Es geht um Macht und Millionen im Weltfußball.

    (24.02.2016)
    WebspecialFoulspiel der Mächtigen

    Die skandalumwitterte Welt der FIFA: Wer, was, mit wem? Finden Sie es heraus.

    (Quelle: ap)
    VideoFIFA: Blatter-Nachfolger im Check
    Kandidaten-Collage

    Fünf Kandidaten für einen Posten: Den um die Nachfolge des scheidenden FIFA-Chefs Sepp Blatter. Wahlfavorit ist Scheich Salman bin Ibrahim al Khalifa aus Asien.

    (19.02.2016)

    von Nicolai Piechota

    Weltweit ermitteln Staatsanwaltschaften gegen die FIFA, sie lassen ranghohe Funktionäre in Handschellen abführen. Es geht um Macht und Millionen im Weltfußball. Beim FIFA-Kongress am 26. Februar wird neu gewählt, es geht um Blatters Erbe und die Frage: Kann ein Neuanfang gelingen? 

    Für Staatsanwälte und Ermittler ist die Sache eindeutig, sie definieren Organisierte Kriminalität als eine von "Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten“. Dass dies auch einmal für den Weltfußballverband FIFA zutreffen würde, haben viele längst vermutet, jetzt liefert die Justiz offenbar die Beweise. Das FBI ermittelt und stellt fest: die Mafia kann von der FIFA noch was lernen!

    Das Sommermärchen 2006 - gekauft?

    Nicht einmal der bislang strahlend saubere Deutsche Fußball-Bund bleibt verschont. Das Sommermärchen, die WM 2006, möglicherweise mit Geld gekauft und nicht mit dem Lächeln eines Franz Beckenbauers gewonnen. "Schmiergeld und Verschwörung“ sind die Schlagzeilen. ZDFzoom deckt die Hintergründe zu den WM-Vergaben nach Russland und Katar auf. Von 24 Exekutivmitgliedern, die damals ihre Stimme abgegeben haben, sind 14 mittlerweile suspendiert, der Korruption überführt. Auch die Bewerbung Deutschlands steht auf dem Prüfstand: Es ist stets der gleiche Weg, mit dem Schmiergelder gezahlt und angenommen wurden.

    In einem exklusiven Interview spricht die ehemalige Kommunikationschefin der WM-Bewerbung Australiens, Bonita Mersiades, offen darüber, wie Schmiergelder auf den Weg gebracht wurden. Von schwarzen Kassen ist die Rede. Dokumente belegen, dass dies möglicherweise mit Hilfe deutscher Berater geschehen ist. Wenig glaubwürdig erscheinen da die Dementis des noch amtierenden, aber derzeit gesperrten FIFA-Präsidenten Sepp Blatter, der auch im Interview mit ZDFzoom stets behauptet, er wisse von nichts. Von Reformen und Systemwechsel scheint die FIFA weit entfernt.

    Sieben potenzielle Erben - wenige sind übrig

    Am 26. Februar wird gewählt, doch im Rennen um das höchste Amt der FIFA geht es in den vergangenen Wochen zu wie im Kinder-Abzählreim: "da waren es nur noch zwei!“ Sieben Kandidaten hatten im Herbst ihren Hut in den Ring geworfen, sich beworben. Doch kaum einer hat die vergangenen Monate durchgehalten.
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    sportstudio-Gast Guido Tognoni Verwarnung für Beckenbauer Infantino, das kleinste Übel FIFA feuert Valcke Mehr Fußball ZDF SPORTreportage aktuelles sportstudio
    Fehlender Rückhalt bei den Wahlmännern und Nationalen Fußballverbänden, neue Korruptionsvorwürfe, mangelndes Vertrauen brachten den ein oder anderen zu Fall oder zum Rückzug. Kurz vor Weihnachten traf es auch Sepp Blatter und UEFA-Chef Michel Platini. Wegen Korruption wurden sie von der Ethik-Kommission der FIFA für acht Jahre suspendiert. So sind nur wenige Kandidaten übrig, die überhaupt noch eine reelle Chance auf den Fußballthron haben. Einer von ihnen ist Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa.

    Der Mann aus Bahrain gehört dem herrschenden Königshaus an. Die FIFA möchte er ehrenamtlich führen, doch Al Chalifa steht in deutlicher Kritik von Menschenrechtsorganisationen. Seiner Familie wird vorgeworfen, an der Niederschlagung der Anti-Regierungsproteste in Bahrain beteiligt gewesen zu sein. Nationalspieler erheben zudem den Vorwurf, sie seien im Gefängnis gefoltert worden. Bei der Wahl kann Scheich Salman allerdings fest mit den Stimmen der asiatischen und afrikanischen Fußballverbänden rechnen.

    Kandidat Infantino verspricht Millionen

    Der andere chancenreiche Kandidat ist Gianni Infantino.
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    Derzeit führt der Schweizer die UEFA. Seinen Wahlkampf bestreitet er ganz im Stile eines Sepp Blatters. So stellt er den einzelnen Mitgliedsverbänden Millionenzahlungen für die Sportentwicklung in Aussicht, falls er gewählt wird. Mit solchen Versprechungen hat Infantino den europäischen Verband fest auf seiner Seite, ebenso wie die Stimmen des CONCACAF - also der Fußballverbände aus Nord- und Zentralamerika, sowie der Karibik.

    Für seine Wahlkampfreise stehen ihm allein 500.000 Euro vom europäischen Fußball-Verband zur Verfügung. Da wird dann gerne mal das legendäre Wembley Stadion in London als Kulisse für den Wahlkampf-Auftritt gemietet. Das Foulspiel der Mächtigen, es geht offenbar weiter. Dass sich die FIFA nach der Wahl mit einem neuen Präsidenten aus eigener Kraft reformiert, scheint fraglich.

    Die Kandidaten auf den FIFA-Thron

    Gianni Infantino (45/Schweiz)

    Gianni Infantino

    Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Der Rechtsanwalt arbeitet seit 15 Jahren für die UEFA, die seinen aktuellen Wahlkampf mit 500.000 Euro unterstützt. Er trat vor allem bei Auslosungen von internationalen Wettbewerben in den Vordergrund, spricht Deutsch, Italienisch, Französisch, Englisch, Spanisch und Arabisch und besitzt neben der Schweizer auch die italienische Staatsbürgerschaft. Favorit Nummer eins. Hatte sich erst nach Michel Platinis Sturz zur Kandidatur entschlossen.

    Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa (50/Bahrain)

    Scheich Salman Bin Ibrahim Al Khalifa

    Der gefährlichste Gegner für Infantino. Der Verbandschef Asiens kann auf den einflussreichsten Unterstützer des internationalen Sports bauen. Denn: Scheich Ahmad al Fahad al Sabah (52/Kuwait) galt auch als der Königsmacher im Fall des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach. Al-Khalifa verfügt über eine solide Hausmacht. Sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, als Mitglied der Herrscherfamilie in Bahrain 2011 an Menschenrechtsverletzungen (Folterungen) beteiligt gewesen zu sein. Menschenrechtsorganisationen üben derzeit Druck auf internationale FIFA-Sponsoren aus. 

    Tokyo Sexwale (62/Südafrika)

    Tokyo Sexwale

    Zuletzt fiel der Südafrikaner mit kuriosen Statements zum gestürzten FIFA-Boss Sepp Blatter auf. Er bezeichnete dessen Arbeit als "Monument" und sprach sich für Nachsicht gegenüber dem Strippenzieher Blatter aus: "Er hat ja niemanden umgebracht." Einige sehen in Mosima Gabriel Sexwale (ausgesprochen "Seghwaley") einen vorbelasteten Blatter-Zögling. Immerhin war Sexwale Mitglied des südafrikanischen OKs für die WM 2010.

    Der ehemalige Anti-Apartheit-Aktivist saß 13 Jahre im gleichen Gefängnis wie Nelson Mandela. Dem Multimillionär, Politiker und Geschäftsmann werden beste Kontakte im Sport, Politik und Wirtschaft nachgesagt. Im Kosmos des Weltverbandes FIFA spielte er bisher nur eine Nebenrolle, hat deshalb wenig Führungserfahrung. Der Karate-Fan (daher kommt sein Spitzname Tokyo) gehört der Medienkommission sowie der Task-Force gegen Rassismus und Diskriminierung an.

    Jerome Champagne (57/Frankreich)

    Jerome Champagne

    Der UEFA-Generalsekretär (seit 2009) hat nur Außenseiterchancen und wird kaum den ersten Wahlgang überstehen – trotz des "einzigen umfassenden Programmes" (Ex-FIFA-Pressechef Guido Tognioni). 2010 von der FIFA (Blatter) entlassen, steht Champagne für Opposition zu Blatter und dessen System: "Ich kann behaupten, der Erste gewesen zu sein, der auf die Missstände in der FIFA hingewiesen hat. Dass ich 2010 entlassen wurde, zeigt, dass ich nicht Teil des Systems war", so der Wahlkämpfer Champagne. Ihm fehlen aber einflussreiche Unterstützer. Nachdem die UEFA mit Infantino quasi einen eigenen Kandidaten aufstellt, auch die aus Europa.  

    Prinz Ali bin Al Hussein (40/Jordanien)

    Prinz Ali bin al-Hussein - Aufnahme vom 03.02.2015

    Genoss bei der letzten Wahl und seiner Niederlage gegen Blatter noch die Unterstützung der europäischen Verbände. Die fehlt dem Prinzen dieses Mal völlig. Deshalb wird er nicht annähernd sein Ergebnis von 73 Stimmen aus dem ersten Wahlgang gegen Blatter nochmals erreichen können. Schon damals galt er bei vielen als farbloser Kandidat. Gab nach Wahlgang eins auf. Die Prognose für ihn deshalb: keine realistische Chance und ebenfalls das Aus nach dem ersten Wahlgang.

    24.02.2016
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