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Fußball | FIFA-Wahl in Zürich Corinne Blatter: "Mein Vater ist nicht korrupt“

  • Video Reformpaket verabschiedet
  • Video FIFA: Blatter-Nachfolger im Check
  • Video "Alles Makulatur, alles Schein"
  • VideoReformpaket verabschiedet
    Der neue FIFA Präsident Gianni Iinfantino

    Der Kongress der FIFA-Mitglieder hat in Zürich umfangreiche Reformen verabschiedet. Sie sollen unter anderem die Macht des FIFA-Präsidenten und der Exekutivmitglieder einschränken.

    (26.02.2016)
    VideoFIFA: Blatter-Nachfolger im Check
    Kandidaten-Collage

    Fünf Kandidaten für einen Posten: Den um die Nachfolge des scheidenden FIFA-Chefs Sepp Blatter. Wahlfavorit ist Scheich Salman bin Ibrahim al Khalifa aus Asien.

    (19.02.2016)
    Video"Alles Makulatur, alles Schein"
    Nils Kaben

    ZDF-Reporter Nils Kaben ist skeptisch, ob die Reformen der FIFA Wirkung zeigen: "Alles Makulatur, alles Schein. Eigentlich wollen alle so weitermachen wie bisher."

    (26.02.2016)

    von Raphael Rauch

    In der Heimat des suspendierten FIFA-Präsidenten Sepp Blatter hält man nach wie vor zum einstigen Fußball-Sonnenkönig. Viele drücken heute beim FIFA-Kongress dem Kandidaten Gianni Infantino die Daumen. Er stammt aus Sepp Blatters Nachbarstadt. Doch das "Wunder vom Wallis“ ist unwahrscheinlich. 

    Visp, eine kleine Stadt mit 7000 Einwohnern in den Walliser Bergen, hat durchschnittlich 250 Tage Sonne im Jahr. Im Dorfkern gibt es ein altes Haus mit einer großen Sonnenuhr, die auf Latein zu bedenken gibt: "Fürchte alle Stunden außer der einen (deines Todes).“ Ein Mann aus Visp, der keine Furcht zu haben scheint, ist Sepp Blatter. Er war lange Zeit
    Links
    Reformpaket verabschiedet Mogelpackung oder wichtiger Schritt in die Zukunft? Infantino, das kleinste Übel Mehr Fußball aktuelles sportstudio sportstudio-Gast Guido Tognoni
    so etwas wie der Sonnenkönig der FIFA.

    Sepp Blatter hat die wichtigsten Staatsmänner der Welt getroffen und den Fußballverband in ein Milliardenimperium verwandelt. Nun wehrt er sich gegen Korruptionsvorwürfe. Die Ethik-Kommission hat ihn gesperrt. In seiner Heimat in Visp hingegen stärkt man Sepp Blatter größtenteils den Rücken.

    "Der Sepp ist nicht überheblich“

    Norbert Müller spielte vor 50 Jahren mit Sepp Blatter zusammen beim FC Visp Fußball. Auf seinen Mannschaftskameraden von einst lässt er nichts kommen: "Der Sepp ist offen, intelligent und ein guter Kollege. Und er ist das geblieben, trotz seines hohen Amtes. Er ist überhaupt nicht überheblich, im Gegenteil.“

    Corinne Blatter, Sepp Blatters einzige Tochter, sorgt sich um das Andenken ihres Vaters. Interviews gibt sie keine mehr, zuletzt versicherte sie dem ARD-Studio Genf: "Mein Vater ist nicht korrupt. Er hat nie Geld angenommen. Da lege ich meine beiden Hände ins Feuer.“ Corinne Blatter weiß, wie die FIFA-Welt funktioniert. 1998 organisierte sie den

    Chancen der Präsidentschafts-Kandidaten

    Gianni Infantino (45/Schweiz)

    Gianni Infantino

    Der UEFA-Generalsekretär stammt wie Sepp Blatter aus dem Oberwallis. Er hat die Europäer und die westlichen Staaten hinter sich.

    Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa (50/Bahrain)

    Scheich Salman Bin Ibrahim Al Khalifa

    Der Scheich kommt aus Bahrain und hat die Rückendeckung der asiatischen Konföderation AFC und der afrikanischen CAF, die 100 der insgesamt 209 Stimmen stellen.

    Jerome Champagne (57/Frankreich)

    Jerome Champagne

    Der ehemalige französische Diplomat und frühere stellvertretende FIFA-Generalsekretär gilt nach wie vor als Blatter-Vertrauter - ihm werden keine Chancen eingeräumt.

    Prinz Ali bin Al Hussein (40/Jordanien)

    Prinz Ali bin al-Hussein - Aufnahme vom 03.02.2015

    Der Jordanier trat 2015 gegen Sepp Blatter an. Allerdings hatte er damals die Unterstützung der UEFA-Mitglieder, die nun für Infantino stimmen dürften.

    ersten FIFA-Wahlkampf für ihren Vater.

    Sauer auf die US-Justiz

    Sauer ist sie vor allem auf die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch und auf die Schweizer Staatsanwaltschaft. Die habe sich vor den Karren der Amerikaner spannen lassen, schimpft Corinne Blatter: "Die amerikanische Justiz hat auf ihrem Kontinent die Arbeit nicht machen können, also haben sie gesagt, wir gehen in die Schweiz.“

    Corinne Blatter ist froh, dass ihr Vater in Visp nach wie vor großen Rückhalt hat. Sie wünscht sich: "Er soll den jetzigen Tag leben. Think about today, forget about tomorrow and forget about the future”, sagt Corinne Blatter, die in Visp eine Sprachschule für Englisch betreibt. Sie sagt den Satz ganz ohne australischen Akzent, obwohl sie lange Zeit "down under“ gelebt hat.

    Kritiker wollen Grundschule umbenennen

    In seiner Heimat hat Sepp Blatter allerdings auch Kritiker. So wollen manche die nach ihm benannte Grundschule umbenennen. Die Forderung gab es früher schon einmal, allerdings nicht wegen des Korruptionsskandals: "2011 wurden auf Druck der FIFA dem im Wallis ansässigen FC Sion wegen Unkorrektheit bei einem Transfer 32 Punkte in der Schweizer Meisterschaft abgezogen“, erinnert sich Hans-Peter Berchtold, Sportchef der Lokalzeitung "Walliser Bote“. Als Blatter damals nach Visp kam, hagelte es Proteste. Doch die Schule wurde nicht unbenannt. Noch heute steht "Primarschulhaus Sepp Blatter“ in Großbuchstaben auf der Fassade. Daran hat auch die Entscheidung der Ethik-Kommission nichts geändert. Nach vorne schauen lautet in Visp die Devise. 

    ZITAT
    Er soll den jetzigen Tag leben.
    Corinne Blatter
    Manche in Visp hoffen nun auf ein "Wunder vom Wallis“ und drücken Gianni Infantino die Daumen.

    Der 45 Jahre alte UEFA-Generalsekretär hat sich für die Blatter-Nachfolge beworben. Infantino ist in Brig geboren, dem Nachbarort von Visp. "Obwohl Brig und Visp fußballerisch in der zweiten Regionalliga große Konkurrenten sind, wäre Infantino erneut ein Oberwalliser als FIFA-Präsident. Zwei Herrscher über den Weltfußball innerhalb von zehn Kilometern, das wäre doch eine einmalige Sache“, schwärmt der Sportreporter Berchtold. Doch das "Wunder vom Wallis“ ist unwahrscheinlich. Corinne Blatter, die erfahrene FIFA-Wahlkämpferin, tippt auf Scheich Salman: "Wenn Afrika und Asien zusammenziehen, dann hat es der Rest schwer.“

    Corinne Blatter riet ihrem Vater, nach Brasilien-WM aufzuhören

    Nach wie vor ist Sepp Blatter bei der FIFA gesperrt. "Aufgrund seiner großen Verdienste um die Entwicklung des Weltfußballs hätten wir uns für ihn einen würdigeren Abgang gewünscht“, sagt der Visper Gemeindepräsident Niklaus Furger. Sepp Blatter bereut inzwischen, dass er nach der Brasilien-WM nicht auf seine Tochter gehört hat und zurücktrat.

    Für den einstigen Sonnenkönig der FIFA fällt nun die große Abschiedsfeier mit Glanz und Gloria aus. Doch Tochter Corinne bereitet dafür eine andere Party vor: Sepp Blatter wird am 10. März 80 Jahre alt. Angst vor dem Alter hat Sepp Blatter nicht. Vor dem Tod auch nicht. Er folgt dem Rat der Sonnenuhr in seiner Heimatstadt.

    Das Reformpaket – die wichtigsten Punkte

    Gewaltenteilung

    Aus dem bisherigen Exekutivkomitee mit 24 Mitgliedern soll ein Rat (Council) mit 36 Mitgliedern werden, der wie ein Aufsichtsrat fungiert. Für das operative Geschäft wird die Funktion des vom Rat bestimmten Generalsekretärs gestärkt, der künftig wie ein CEO agieren soll und statt des Präsidenten die Verträge unterschreibt.

    Integrität

    Jedes neue Ratsmitglied muss einen umfangreichen Integritäts- und Eignungs-Check durchlaufen, der von externen Experten durchgeführt wird. Eine unabhängige Audit- und Compliance-Kommission soll alle Geldflüsse des Weltverbandes überwachen.

    Amtszeitbeschränkung

    Mitglieder des FIFA-Rates und der Präsident sollen ihre Ämter künftig maximal zwölf Jahre, also für drei Amtszeiten, behalten dürfen. Für Mitglieder des jetzigen Exekutivkomitees beginnt die Zählung bei Null.

    Frauenquote

    Jede der sechs Konföderationen soll mindestens eine Frau in den FIFA-Rat entsenden. Als Ziel wird eine Frauenquote von 30 Prozent genannt.

    Transparenz

    Künftig sollen die Gehälter der hohen Amtsträger des Verbandes veröffentlicht werden.

    26.02.2016
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