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FIFA-Wahl am 26. Februar Neue Namen, alte Mittel

FIFA - Das Foulspiel der Mächtigen, 24.02.2016 23:05 Uhr
  • Video FIFA: Blatter-Nachfolger im Check
  • Interaktiv Foulspiel der Mächtigen
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    Kandidaten-Collage

    Fünf Kandidaten für einen Posten: Den um die Nachfolge des scheidenden FIFA-Chefs Sepp Blatter. Wahlfavorit ist Scheich Salman bin Ibrahim al Khalifa aus Asien.

    (19.02.2016)
    InteraktivFoulspiel der Mächtigen

    Etliche Funktionäre des Weltfußballverbandes sind in Skandale und Affären verstrickt. Entdecken Sie die Zusammenhänge und lernen Sie die Kandidaten für die Wahl des neuen Präsidenten kennen.

    (Quelle: ap)
    VideoFIFA - Das Foulspiel der Mächtigen
    Kurz vor der Wahl eines neuen FIFA-Präsidenten Ende Februar arbeiten Markus Harm und Nicolai Piechota für

    Kurz vor der Wahl eines neuen FIFA-Präsidenten Ende Februar arbeiten Markus Harm und Nicolai Piechota für "ZDFzoom" die Skandale der letzten Monate auf. Die ganze Reportage am Mittwoch im ZDF ab 23:05 Uhr.

    (19.02.2016)

    von Ralf Lorenzen

    Die FIFA will am Freitag nicht nur einen Präsidenten wählen, sondern auch Reformen beschließen. Der Wahlkampf funktioniert aber nach den Regeln der alten Fußball-Welt und ihrer gesperrten Alpha-Tiere Blatter und Platini – Reisediplomatie, Gekungel und Allianzen bestimmen das Bild. 

     

    Auf der kleinen Insel Robben Island vor Kapstadt könnte am Montag zum zweiten Mal Fußballgeschichte geschrieben worden sein. Vor fast fünfzig Jahren gründeten hier inhaftierte Mitglieder der südafrikanischen Widerstandsbewegung den ersten schwarzen südafrikanischen Fußballverband. Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela spielte zwar nicht mit, dafür war Staatspräsident Jacob Zuma linker Verteidiger.

    Diesmal gab nicht die Basis der Fußballgemeinde den Ton an, sondern das Establishment. Der Präsident des südafrikanischen Fußballverbandes Tokyo Sexwale, der hier einst ebenfalls als Häftling einsaß, empfing seinen Mitbewerber um den Posten des neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino auf der symbolträchtigen Insel.

    Allianzen vor der Ziellinie

    FIFA - Das Foulspiel der Mächtigen

    Mittwoch 24.02.2016, 23:05 - 23:50 Uhr


    FIFA unter Druck: Die Justiz ermittelt wegen Korruption bei WM-Vergaben, Verhaftungen hoher Funktionäre und Suspendierung von Sepp Blatter. Es geht um Macht und Millionen im Weltfußball.

    Beim FIFA-Kongress Ende Februar wird neu gewählt, es geht um Blatters Erbe und einen Neuanfang. "ZDFzoom" geht der Frage nach: Kommen jetzt Reformer an die Spitze? Die Dokumentation arbeitet die Skandale auf und stellt die Kandidaten auf den Prüfstand.

    Mehr unter zoom.zdf.de

    Über die genauen Inhalte der Gespräche drang nichts nach außen - aber Gastgeber Sexwale, der im Rennen um die Blatter-Nachfolge als chancenlos gilt, gab selbst den präzisesten Hinweis: "Vor der Ziellinie wird es Allianzen geben. Ich bin offen für Allianzen, ich bin offen für Verhandlungen." Die anderen drei Kandidaten, Scheich Salman aus Bahrain, Prinz Ali aus Jordan und der Franzose Jerome Champagne sollen ebenfalls eingeladen gewesen sein.

    Nutznießer dieser Offenheit könnte ausgerechnet der Kandidat sein, der nach der alten Macht-Arithmetik der FIFA hier in Afrika ein Auswärtsspiel gehabt hätte. "Nach den Diskussionen mit vielen afrikanischen Verbandspräsidenten bin ich sehr zuversichtlich“, sagte UEFA-Generalsekretär Infantino, der bislang lediglich als zweitaussichtsreichster Kandidat galt.

    Umstrittenes Abkommen zwischen Asien und Afrika

    Links
    Verwarnung für Beckenbauer Infantino, das kleinste Übel FIFA feuert Valcke Mehr Fußball ZDF SPORTreportage
    Bislang galt als gesichert, dass die 54 afrikanischen Fußballverbände nahezu vollzählig für den Wahlfavoriten, Scheich Salman stimmen würden. Das hatte zumindest der Präsident der Afrikanischen Konföderation CAF und FIFA-Interimspräsident Issaa Hayatou erklärt, nachdem kurz zuvor ein Kooperationsabkommen der CAF mit dem asiatischen Dachverband AFC geschlossen worden war, dessen Präsident Salman ist.

    Die Beteiligten am Deal bestritten zwar einen Zusammenhang zwischen dem Abkommen, das die gegenseitige Unterstützung bei der möglichen Austragung zukünftiger Turniere beinhaltet, und der Wahlempfehlung. Doch Mitbewerber Prinz Ali fordert von der Wahlkommission des Fußball-Weltverbandes eine Untersuchung des Deals. Nicht nur für ihn sieht er aus wie ein Direktimport aus der alten Blatter-Welt, in der sich der Präsident vor allem die Unterstützung der afrikanischen Verbände mit einem dichten Netzwerk von Kooperationen aller Art sicherte.

    Infantinos Reisediplomatie

    Weitere Links zum Thema
    Um das Erbe der verwaisten Blatterstimmen nicht kampflos aufzugeben, betrieb der europäische Kandidat Infantino in den letzten Wochen eine Reisediplomatie, die keinen Vergleich mit der von Franz Beckenbauer vor der WM-Vergabe an Deutschland scheuen muss. Auf Kosten der UEFA jettete er über vier Kontinente. 

    Für die kleinen Verbände, deren Stimmen genauso zählen wie die der großen, hatte er vor allem die Aussicht auf weitere WM-Startplätze, Sitze im FIFA-Exekutiv-Komitee und eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe im Gepäck. Besser hätten das Blatter und der ebenfalls gesperrte ehemalige UEFA-Boss Michel Platini auch nicht hingekriegt.

    Die Schatten des arabischen Frühlings

    So läuft die Wahl am 26.2. ab!

    Der neue FIFA-Präsident wird vom FIFA-Kongress gewählt.  Stimmberechtigt mit je einer Stimme sind mindestens 207 der 209 Mitgliedsverbände. Ob die Sperre der Verbände von  Kuwait und Indonesiens noch vor der Wahl aufgehoben wird, entscheidet das Exekutiv-Komitee der Fifa am 24. Februar.

    Im ersten Wahlgang benötigt der gewählte Kandidat eine 2/3-Mehrheit der Stimmen, in allen folgenden Wahlgängen eine Mehrheit von 50%. Nach jedem Wahlgang, in dem kein Sieger ermittelt wird, scheidet der Kandidat mit den wenigsten Stimmen aus

    Zusätzlich spielt Infantino die Vergangenheit Salmans in die Karten. Er soll während des blutig niedergeschlagenen arabischen Frühlings in Bahrein 2011 und 2012 als damaliger Chef des Fußballverbandes davon gewusst haben, dass auch Mitglieder der Fußball-Nationalmannschaft gefoltert wurden. Salman bestreitet dagegen, dass überhaupt irgendein Spieler gefoltert wurde.

    Aber auch Infantino geht nicht unbelastet in die Wahl am Freitag. Ihm wird vorgeworfen, als UEFA-Generalsekretär und treuer Diener seines damaligen Chefs Platini einst die Reformen hin zu mehr Transparenz und Machtbegrenzung bei der FIFA mit blockiert zu haben, die dem Weltverband nun zu neuer Reputation verhelfen sollen. Die Stimmen der europäischen sowie nord- und südamerikanischen Verbände hat er trotzdem zum großen Teil sicher.    

    Die Kandidaten auf den FIFA-Thron

    Gianni Infantino (45/Schweiz)

    Gianni Infantino

    Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Der Rechtsanwalt arbeitet seit 15 Jahren für die UEFA, die seinen aktuellen Wahlkampf mit 500.000 Euro unterstützt. Er trat vor allem bei Auslosungen von internationalen Wettbewerben in den Vordergrund, spricht Deutsch, Italienisch, Französisch, Englisch, Spanisch und Arabisch und besitzt neben der Schweizer auch die italienische Staatsbürgerschaft. Favorit Nummer eins. Hatte sich erst nach Michel Platinis Sturz zur Kandidatur entschlossen.

    Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa (50/Bahrain)

    Scheich Salman Bin Ibrahim Al Khalifa

    Der gefährlichste Gegner für Infantino. Der Verbandschef Asiens kann auf den einflussreichsten Unterstützer des internationalen Sports bauen. Denn: Scheich Ahmad al Fahad al Sabah (52/Kuwait) galt auch als der Königsmacher im Fall des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach. Al-Khalifa verfügt über eine solide Hausmacht. Sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, als Mitglied der Herrscherfamilie in Bahrain 2011 an Menschenrechtsverletzungen (Folterungen) beteiligt gewesen zu sein. Menschenrechtsorganisationen üben derzeit Druck auf internationale FIFA-Sponsoren aus. 

    Tokyo Sexwale (62/Südafrika)

    Tokyo Sexwale

    Zuletzt fiel der Südafrikaner mit kuriosen Statements zum gestürzten FIFA-Boss Sepp Blatter auf. Er bezeichnete dessen Arbeit als "Monument" und sprach sich für Nachsicht gegenüber dem Strippenzieher Blatter aus: "Er hat ja niemanden umgebracht." Einige sehen in Mosima Gabriel Sexwale (ausgesprochen "Seghwaley") einen vorbelasteten Blatter-Zögling. Immerhin war Sexwale Mitglied des südafrikanischen OKs für die WM 2010.

    Der ehemalige Anti-Apartheit-Aktivist saß 13 Jahre im gleichen Gefängnis wie Nelson Mandela. Dem Multimillionär, Politiker und Geschäftsmann werden beste Kontakte im Sport, Politik und Wirtschaft nachgesagt. Im Kosmos des Weltverbandes FIFA spielte er bisher nur eine Nebenrolle, hat deshalb wenig Führungserfahrung. Der Karate-Fan (daher kommt sein Spitzname Tokyo) gehört der Medienkommission sowie der Task-Force gegen Rassismus und Diskriminierung an.

    Jerome Champagne (57/Frankreich)

    Jerome Champagne

    Der UEFA-Generalsekretär (seit 2009) hat nur Außenseiterchancen und wird kaum den ersten Wahlgang überstehen – trotz des "einzigen umfassenden Programmes" (Ex-FIFA-Pressechef Guido Tognioni). 2010 von der FIFA (Blatter) entlassen, steht Champagne für Opposition zu Blatter und dessen System: "Ich kann behaupten, der Erste gewesen zu sein, der auf die Missstände in der FIFA hingewiesen hat. Dass ich 2010 entlassen wurde, zeigt, dass ich nicht Teil des Systems war", so der Wahlkämpfer Champagne. Ihm fehlen aber einflussreiche Unterstützer. Nachdem die UEFA mit Infantino quasi einen eigenen Kandidaten aufstellt, auch die aus Europa.  

    Prinz Ali bin Al Hussein (40/Jordanien)

    Prinz Ali bin al-Hussein - Aufnahme vom 03.02.2015

    Genoss bei der letzten Wahl und seiner Niederlage gegen Blatter noch die Unterstützung der europäischen Verbände. Die fehlt dem Prinzen dieses Mal völlig. Deshalb wird er nicht annähernd sein Ergebnis von 73 Stimmen aus dem ersten Wahlgang gegen Blatter nochmals erreichen können. Schon damals galt er bei vielen als farbloser Kandidat. Gab nach Wahlgang eins auf. Die Prognose für ihn deshalb: keine realistische Chance und ebenfalls das Aus nach dem ersten Wahlgang.

    23.02.2016
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