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Olympia-Bewerbung 2024 | Hamburg Kollateralschaden durch DFB-Skandal?

  • Bild Abstimmung zu Hamburg 2024
  • Bilderserie Olympia 2024 in Hamburg
  • BildAbstimmung zu Hamburg 2024
    Abstimmungsunterlagen zum Olympia-Referendum
    (Quelle: dpa)
    BilderserieOlympia 2024 in Hamburg
    Olympiastadion im Miniatur-Wunderland
    (06.11.2015)

    von Ralf Lorenzen, Hamburg

    Nicht nur Uwe Seeler befürchtet, dass alles "über einen Kamm geschert wird": Die Skandale bei DFB und FIFA erschweren den Versuch der Hamburger Olympia-Macher, das Vertrauen der Bevölkerung beim laufenden Referendum zu erhalten. Daran hat auch der Rücktritt von DFB-Boss Wolfgang Niersbach nichts geändert. 

    Es war nur ein Versprecher – aber einer von freudschen Ausmaßen: Von Sepp Blatter als "Chef des IOC" sprach der Moderator der Podiumsdiskussion "Fünf Ringe und ein Kreuzchen" im ehrwürdigen Hamburger KörberForum. Der neben dem Moderator sitzende Innen- und Sportsenator Michael Neumann nutzte den Faux Pax als Steilvorlage.

    Kollateralschaden befürchtet

    Mr. Olympia, wie Neumann in Hamburg auch genannt wird, wies darauf hin, dass man IOC, FIFA und DFB nicht verwechseln dürfe. "Wenn Blatter mit seinen Machenschaften beim IOC etwas Wesentliches zu sagen hätte, wären wir nie den Weg einer Olympia-Bewerbung gegangen." Es mehren sich dennoch Stimmen, die durch die Skandale bei den beiden Fußball-Machtzentren einen Kollateralschaden für die Hamburger Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 befürchten.

    "Die Frage ist nicht, wie es sich auswirkt, sondern wie stark“, sagt Joachim Kellner, Professor für Marketing, im Gespräch mit zdfsport.de. "Das betrifft vor allem die Gruppe derjenigen, bei denen sich Für und Wider die Waage halten. Da geben oft kleine Dinge den Ausschlag.“

    Moralische Fahne auf Halbmast

    Kellner bezieht in seine Analyse auch noch den VW-Skandal mit ein. "Wir haben durch die Skandale unser Saubermann-Image verloren. Deutschland hält immer sehr die moralische Fahne hoch, und jetzt kommen gleich zwei Skandale hintereinander. Das überträgt sich auf das Land und logischerweise damit auf die Bewerbung der Stadt."

    Links
    Kampf um Bilder und Buchstaben Beckenbauer in Bedrängnis Niersbach tritt zurück - Neue Erkenntnisse in WM-Affäre?

    Kellner steht mit seinen Befürchtungen nicht allein, auch aus Sport und Politik waren in den letzten Tagen ähnliche Töne zu hören. Traditionell nah an der Stimmungslage seiner Heimatstadt ist Fußball-Idol Uwe Seeler. Es gebe bestimmt viele Menschen, die "alles über einen Kamm scheren“, sagt Seeler, der selbst seit dem 23. Oktober und bis zum 29. November laufenden Referendum für eine Hamburger Bewerbung stimmen will.

    Aufschwung für Olympiagegner

    Auch für den Bremer Willi Lemke, den derzeitigen UN-Sonderbotschafter für Sport, ist es nicht auszuschließen, "dass sich diese Schlagzeilen auch negativ auf die Bürgerbefragung in Hamburg auswirken, obwohl das IOC seit vielen Jahren frei von derartigen Skandalen ist". Grünen-Sportpolitiker Özcan Mutlu spricht von einem "höchstmöglichen Schaden“ für den deutschen Sport und fügt an: "Das wird Aufschwung geben für die Olympiagegner in Hamburg. Ich hoffe, dass das nicht so schlimm wird."

    Hamburg2024 als Maßstab

    Sportsenator Neumann seinerseits versucht den Spieß umzudrehen und Olympische Spiele in Hamburg als Speerspitze im Kampf für einen sauberen Sport darzustellen. "Wir wollen ja gerade ein Angebot machen, um die Idee der Olympischen und Paralympischen Spiele zu retten“, sagt er. Das IOC habe einen Reformprozess begonnen, den es bei der FIFA so nicht gebe. Die Hamburger Bewerbung könne "ein Maßstab sein, wie wir in Zukunft in Deutschland mit solchen Großprojekten umgehen wollen".

    Doch ins Grübeln scheint in den letzten Tagen der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, gekommen zu sein. Hatte er die Fußball-Skandale in ihren Auswirkungen auf die Olympia-Bewerbung zunächst als "Nebengeräusche" bezeichnet, gestand er zuletzt zu, dass diese Debatte "nicht hilfreich ist und dass wir alle sie uns gern erspart hätten".

    Als "Segen" bezeichnet Hörmann in diesem Zusammenhang das Hamburger Transparenzgesetz, das die Veröffentlichung jedes Vertrages von nennenswertem Volumen verlangt, der die öffentliche Hand betrifft. "Ich bin gottfroh, dass wir es haben", sagt Hörmann.

    Nur Teil-Vertrag veröffentlicht

    Ein Blick ins Transparenzportal Hamburg, wo die entsprechenden Dokumente hinterlegt sind, zeigt allerdings, dass vom umstrittenen Host-City-Vertrag, der die Pflichten der Gastgeberstadt gegenüber dem IOC regelt, bislang erst die 42seitigen "Prinzipien" übersetzt und veröffentlicht sind – und nicht die über 300 Seiten der "Operational Requirements". Ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Teilveröffentlichung handelt, fehlt.

    Olympia-Fahrplan 204
    • 29. November: Beim Referendum entscheiden die Hamburger über Ja oder Nein zu Spielen 2024 in der Hansestadt
    • 8. Januar 2016: Die Frist für die Abgabe der ersten Bewerbungsunterlagen beim IOC läuft aus. Die Städte müssen zu diesem Zweck das sogenannte "Mini bid-book" mit einem Umfang von rund 80 Seiten vorlegen. Gefordert sind zudem Antworten auf 25 Fragen zu einer Reihe von Themenkomplexen ("application file") sowie Garantien zur staatlichen Unterstützung der Bewerbung.
    • April/Mai 2016: Das IOC wählt auf der Grundlage der "Mini Bid Books" die Candidate Cities aus.
    • Mai 2016: Die Kandidatenstädte erhalten weitere Fragebögen des IOC.
    • 5. - 21. August 2016: Die Kandidatenstädte nehmen bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro am offiziellen Beobachterprogramm des IOC teil.
    • Januar 2017: Die Frist für die Vorlage der vollständigen, ausführlichen Bewerbungsunterlagen beim IOC endet. Alle Kandidatenstädte müssen bis zu diesem Tag das sogenannte "Bid Book" einreichen. Es muss detaillierte Angaben zu den Sportstätten, zum Olympischen Dorf, zum Transportkonzept, zur Unterbringung der Gäste, sowie zu Sicherheits-, Umwelt- und Marketingfragen enthalten. Zudem verlangt das IOC eine Reihe von Garantien, die zwingend erfüllt werden müssen.
    • Februar/März 2017: Die IOC-Evaluierungskommission besucht die offiziellen Kandidatenstädte. Die in der Folge erstellten formellen Berichte dienen den IOC-Mitgliedern später als Entscheidungshilfe bei der Auswahl der Olympiastadt 2024
    • Juni 2017: Die IOC-Evaluierungsberichte zu den verschiedenen Kandidatenstädten und ihren Konzepten werden offiziell vorgestellt
    • Juni 2017: Alle Candidate Cities haben die Gelegenheit, am Rande einer IOC-Sitzung ihre Konzepte in den technischen Details zu präsentieren. Dann folgt noch einmal eine Präsentation der Vision vor der IOC-Mitgliederversammlung.
    • Sommer/Herbst 2017: Die IOC-Mitglieder entscheiden bei der 130. Session in Lima/Peru, welche Stadt Gastgeber der Olympischen Spiele 2024 wird.

    Die wichtigsten Zahlen zu Hamburg2024

    Gesamtkosten: 11,217 Milliarden Euro (aufgeteilt in 700 Einzelprojekte)

    • Stadien und Hallen: 1,97 Milliarden
    • Olympisches Dorf: 1,66 Milliarden
    • Verkehrsinfrastruktur: 2,1 Milliarden
    • Umsiedlung der Hafenflächen: 1,3 Milliarden
    • Sicherheit: 461 Millionen
    • Segelregatten in Kiel: 146 Millionen Euro

    Erlöse: 3,814 Milliarden Euro

    Kosten für Steuerzahler: 7,403 Milliarden Euro

    • davon Bund: 6,2 Milliarden Euro (schriftliche Zusagen stehen noch aus)
    • davon Hamburg: 1,2 Milliarden (200 Millionen Jährlich ab 2018)

    Nicht berücksichtigt: 1,14 Milliarden bis 2040 für Rückbau und die Weiterentwicklung insbesondere des neu entstehenden Stadtteils OlympiaCity

    11.11.2015
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