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Stimmung in England vor dem Länderspiel Duell gegen DFB-Team: Andere Töne, derselbe alte Traum

Fußball-Länderspiel - Deutschland - England, 26.03.2016 20:15 Uhr
  • Bild Gute Laune im England-Training
  • Video Aufbruchstimmung bei England
  • Video WM 1966: England - Deutschland 4:2 n.V.
  • BildGute Laune im England-Training
    Jamie Vardy und Roy Hodgson
    (Quelle: reuters)
    VideoAufbruchstimmung bei England
    Jamie Vardy (Leicester/England)

    Bei Deutschlands Testspielgegner England herrscht vor dem Prestigeduell am Samstag in Berlin (live im ZDF) Aufbruchstimmung. Auch ohne Kapitän Rooney reisen die Three Lions optimistisch an die Spree.

    (23.03.2016)
    VideoWM 1966: England - Deutschland 4:2 n.V.
    WM-Finale

    WM-Finale 1966 in Wembley zwischen Deutschland und England

    (23.03.2016)

    von Andreas Schlieker, London

    Früher beherrschte Kriegsgebrüll die englische Presse, wenn es gegen Deutschland ging. Jetzt liest man eher von der Bewunderung für den deutschen Fußball. Ist also alles eitel Sonnenschein vor dem Spiel am Samstag zwischen Deutschland und England in Berlin? Nicht ganz. 

    Kampfmaschinen, Panzer, Blitzkrieg, Kapitulation. Die englische Presse hat über Jahrzehnte zuverlässig die Kriegsmetaphern hervorgekramt, wenn es gegen deutsche Mannschaften ging. Am Samstag (ab 20.15 Uhr live im ZDF) ist es wieder mal so weit: In Berlin treffen die deutsche und die englische Nationalmannschaft aufeinander. Doch in dieser Woche war noch in keiner englischen Zeitung eine einzige Kriegsmetapher zu finden, dafür enorm viel Respekt vor einem spielstarken Gegner. Finden Engländer die Deutschen plötzlich gut?

    Fußball-Länderspiel - Deutschland - England

    Samstag 26.03.2016, 20:15 - 22:45 Uhr
    Moderator: Katrin Müller-Hohenstein

    Übertragung aus dem Olympiastadion in Berlin
    Reporter: Béla Réthy
    Moderation: Katrin Müller-Hohenstein
    Experte: Simon Rolfes

    Ein bisschen freundlicher ist das Bild auf jeden Fall. Begonnen hat das mit dem Sommermärchen 2006, als hunderttausende Engländer die WM in Deutschland ganz entspannt und feierfreudig erlebt haben. Und von den Fans hört man Respekt und Bewunderung für die deutsche Spielstärke. Nicht nur weil Mesut Özil Kandidat für den Titel "Spieler des Jahres" in England ist.

    Vor drei Jahren, als sich im Finale der Champions League in Wembley die Bayern und der BVB gegenüberstanden, war schon ein leichtes Verliebtsein festzustellen.  London lag den Deutschen zu Füßen. Vor allem galt das den Dortmundern.

    Bestaunt und bewundert

    Man bestaunt und bewundert die Bundesliga: für das 50+1Prinzip, das verhindert, dass Fußballklubs Privatbesitz werden, was in England die Regel ist. Für die Fankurven mit Stehplätzen, die vergleichsweise günstigen Eintrittspreise, die gute Stimmung in ausverkauften Stadien. Für den attraktiven Fußball und die Wende, die die deutsche Nationalmannschaft seit dem Tiefpunkt 2000 hingelegt hat,

    Sind die alten Zeiten ganz vorbei? Gilt nicht mehr, was George Orwell sagte: "Ernsthafter Sport ist genau wie Krieg - minus das Totschießen." Die Deutschen waren seit den beiden Weltkriegen die Erzfeinde. Dann der Sieg im Worldcup 1966, das Wembley Tor, "Two world wars and one world cup!", sangen die Fans. Während die deutschen Fans sich gewohnheitsmäßig eher an den holländischen Nachbarn abarbeiten, ist die Konkurrenz zu Deutschland das, worauf es auf der Insel ankommt. Wichtiger als ein Sieg gegen die separatistischen Schotten oder die Argentinier. 

    Tragisches Verhältnis

    Seit 50 Jahren wartet man auf der Insel auf einen Titel. Viele Enttäuschungen, die Erwartungen groß. Immer wieder wird eine neue Goldene Generation ausgerufen - die dann scheitert. Das Verhältnis der englischen Fans zu ihrer Nationalmannschaft hat etwas Tragisches.

    Die Erwartungen für das Spiel am Samstag sind niedrig. Auch wegen der Niederlagen gegen die Deutschen. Die berühmten Halbfinal-Duelle 1990 und 1996: Die deutsche Mannschaft hatte gegen starke Engländer jeweils im Elfmeterschießen das glücklichere Ende für sich. Deshalb ist auch die Skepsis groß gegenüber der zarten Euphorie, die in dieser Woche in den Zeitungen herrscht.

    Links
    Weltmeister "gut bestückt" Löws Leitplanken

    Nationalspieler mischen Liga auf

    Zum ersten Mal seit vielen Jahren sind die Top-Torschützen der englischen Liga zwei Engländer. Harry Kane und Jamie Vardy rollen mit den Tottenham Hotspur und den Underdogs von Leicester City die Liga auf. Im Mittelfeld sind es ebenfalls Spieler der beiden führenden Vereine, die den Unterschied machen sollen: Danny Drinkwater, Eric Dier und vor allem der starke Spielmacher Dele Alli.

    Die Frage ist, ob Nationaltrainer Roy Hodgson sich traut, auf die jungen Wilden zu setzen, denen internationale Erfahrung völlig fehlt. Über die Qualität der englischen Mannschaft und die Aussichten für die Euro 2016 herrscht größte Unsicherheit. Auch wenn die Engländer begriffen haben, dass die Deutschen sie gar nicht für den größten Gegner halten, für englische Fußballfans ist ein Sieg gegen Deutschland das höchste der Gefühle. Immer noch. Kommt ja auch nicht so oft vor.

    Arrogant, aggressiv, effizient, geizig

    Herrscht aber nun trotzdem Friede, Freude, Eierkuchen vor dem Spiel zwischen England und Deutschland? Nicht so ganz, wenn man die jünge große Umfrage des Observer betrachtet. Hier ging es nicht um Fußball, sondern um das Bild der europäischen Nachbarn ganz allgemein. In welchen Kategorien sehen die Engländer die Deutschen ganz vorne? Sie glauben, die Deutschen seien die Reichsten. Stimmt nicht, das sind Luxemburger, Niederländer und Österreicher. Dafür führen die Deutschen die Umfragen locker an in den Kategorien Arroganz, Aggressivität, Effizienz, Geiz und Arbeitsethos. Und in den Kategorien Entspanntheit, Style, und Humor kommen sie gar nicht erst vor. Na prima, alles wie gehabt.

    Immerhin gilt der Deutsche neuerdings als "willkommen heißend". Willkommen wäre beiden Mannschaften ein Sieg am Samstag. Jede Wette, bei der kleinsten Fehlentscheidung des Schiedsrichters ist der Teufel los wie früher  und man gönnt sich nicht die Gurke auf dem Sandwich. Auf beiden Seiten - neue Liebe, hin oder her. Letztendlich fürchten die Engländer, das doch stimmt, was der große Fußballweise Gary Lineker sagt: "Fußball ist ein einfaches Spiel: Zweiundzwanzig Männer jagen für 90 Minuten einen Ball. Und am Ende gewinnt immer Deutschland." Wenn’s nur so einfach wäre.

    Mehr deutsch-englische Duelle

    WMQ 2001: Deutschland - England 1:5

    WMQ 2000: England - Deutschland 0:1

    WM 1970: England - Deutschland 2:3 n.V.

    EM 1996: England - Deutschland 6:7 n.E.

    24.03.2016
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