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Hamburgs Nein zu Olympia Die Schuld der anderen

  • Video Ein Olympia-Nein für immer?
  • Video Katerstimmung nach Hamburger Olympia-Aus
  • Bilderserie So hätte Olympia 2024 aussehen sollen
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    Die Hamburger sagen, Olympia - nein danke

    Hamburg hat sich überraschend gegen die Austragung der Olympischen Spiele entschieden. Die Mehrheit der Bevölkerung stimmte in einem Referendum am Sonntag gegen eine Bewerbung für Olympia 2024.

    (30.11.2015)
    VideoKaterstimmung nach Hamburger Olympia-Aus
    Katerstimmung in Hamburg nach dem Nein zu Olympia 2024

    Das Referendum zur Olympia-Bewerbung Hamburgs hat mit einem Sieg der Olympia-Gegner geendet. Die Befürworter waren bis zum Schluss optimistisch. Jetzt herrscht Katerstimmung.

    (29.11.2015)
    BilderserieSo hätte Olympia 2024 aussehen sollen
    Olympiastadion im Miniatur-Wunderland
    (06.11.2015)

    von Ralf Lorenzen, Hamburg

    In den ersten Reaktionen auf das Scheitern der Hamburger Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 beharren die Olympia-Planer darauf, dass ihr Konzept richtig gewesen sei. Aber offensichtlich wollen viele Menschen nicht, dass der Sport für andere Zwecke herhalten muss. 


    Einer der ersten, der via Twitter gestern Abend das Scheitern der Hamburger Olympiabewerbung realisierte, war Weitspringer Sebastian Bayer: "Habe die Katastrophe gerade gesehen“, twitterte der Hamburger. "Das ist eine herbe Enttäuschung und ein klares nein zum Sport :(((".

    Richtige Schlüsse ziehen

    Genau das bestreiten zahlreiche Bewerbungs-Gegner: "Auch wenn Du es so empfindest, wird kaum ein ‚Nein‘-Sager seine Stimme als ein ‚Nein zum Sport‘ empfinden", lautete die
    Sebastian Bayers


    Quelle: Twitter.com

    Antwort von Markus Schulz auf Bayers Tweet. "Das ist ein klares Nein zu Doping und zur Korruption. Und nicht gegen den Sport", ergänzte Ralf Steeg.

    Wie auch immer die Bewertung ausfällt - der organisierte Sport in Deutschland hat sich so stark mit dieser Bewerbung identifiziert, dass er die richtigen Schlüsse daraus ziehen muss. Wenn die ohne Zweifel mehrheitsfähige Olympische Idee trotz fast durchgehender Unterstützungsfront aus Wirtschaft, Politik und Medien eine so krachende Abfuhr erhält, dann können die Ursachen dafür nicht nur außerhalb des Konzeptes liegen.

    Dumme Wähler?

    Die ersten Erklärungsversuche aus der Sportwelt gehen allerdings in die andere Richtung: Schuld sind die anderen. Andere Personen, andere Themen, andere Umstände. Als schlechter Verlierer zeigte sich gestern Abend der Präsident des Hamburger Sportbundes Jürgen Mantell. Er gab er den Wählern die Schuld am Debakel: "Die Nein-Sager haben sich nicht informiert."

    Links
    Kommentar zum Aus Hamburger Mehrheit will kein Olympia 2024 Olympische Entwicklungsspiele Zustimmung der Hamburger wackelt
    Das Gegenteil ist der Fall: Umso stärker in den letzten Wochen Fakten und Informationen die emotionalen Bilder in den Hintergrund drängten, desto mehr sank die Bereitschaft, den Olympia-Planern einen 11,2 Milliarden-Euro-Etat in die Hand zu geben. Selten ist eine politische Entscheidung von so vielen öffentlichen Diskussionen und Informationsveranstaltungen begleitet worden.

    "Tolles Konzept"

    Das Abstimmungsverhalten in den einzelnen Bezirken zeigt, dass die Ablehnung dort besonders groß war, wo bei Bundes-und Bürgerschaftswahlen eine hohe Wahlbeteiligung erzielt wird. Dennoch weisen auch die Spitzenfunktionäre des deutschen Sports die Idee, ihr Konzept selbst könnte etwas mit der Niederlage zu tun haben, weit von sich.

    "In Hamburg ist hervorragend gearbeitet worden", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen-Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, heute Morgen. Ein tolles Konzept mit hervorragenden Perspektiven sei entstanden. "Aber die Bürger haben mehrheitlich andere Themen als vorrangig gesehen." Sicher haben die Flüchtlingskrise, die Terroranschläge und die jüngsten Skandale in den großen Sportorganisationen verhindert, Sportfest-Stimmung entstehen zu lassen.

    Ungeklärte Finanzierung

    Der Hauptgrund der Ablehnung liegt aber selbst nach Einschätzung des IOC in der "ungeklärten Finanzierungslage". Die Olympia-Planer haben dem Wähler einen Etat zur Abstimmung vorgelegt, bei dem 6,2 Milliarden Euro schlicht nicht gedeckt waren, weil der dafür nötige Bundeszuschuss nicht gedeckt war.

    ZITAT
    Rom verliert eine Rivalin für die Spiele 2024. (...) Vier Städte bleiben im Rennen: (...) Und es bleibt die Gewissheit, dass Olympische Spiele im Augenblick nicht allzu sehr geschätzt werden.
    Die italienische Zeitung La Stampa
    Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass der Bund nicht bereit war, der Hansestadt über das Vehikel Olympische Spiele einen ganzen neuen Stadtteil zu finanzieren. Damit ist die Diskussion mitten im Konzept der Olympia-Planer gelandet. "Ich glaube, für Hamburg hätte es den Sprung über die Elbe gebracht", sagte DOSB-Vorsitzender Micheal Vesper noch heute Morgen.

    Kein Sprung über die Elbe

    Der "Sprung über die Elbe" ist aber keine Olympische Disziplin, sondern etwas, was überhaupt nichts mit dem Sport zu tun hat. "Olympische Spiele waren nie gedacht als ein Instrument für Stadtentwicklung, sie sind ein grandioses Sportereignis", hatte Ruder-Olympiasieger, Bewerbungsbefürworter und Sportökonom Wolfgang Maennig auf einer Diskussionsveranstaltung gesagt.

    Und für viele gesprochen, die genug davon haben, dass der Sport für andere Zwecke benutzt wird, seien es politische, ökonomische oder städtebauliche. Die deutschen Sportverbände sollten das nicht ignorieren.

    Die verbliebenen Bewerber

    Los Angeles (USA)
    Einwohnerzahl: 3.928.864
    Olympia-Ausrichter: 1932 und 1984
    gescheiterte Bewerbungen: 1924 (Paris), 1928 (Amsterdam), 1948 (London), 1952 (Helsinki), 1956 (Melbourne), 1960 (Rom), 1976 (Montreal), 1980 (Moskau)
    geplantes Budget: 5,1 Milliarden Euro
    Status: Mitfavorit

    Paris (Frankreich)
    Einwohnerzahl: 2.240.621
    Olympia-Ausrichter: 1900 und 1924
    gescheiterte Bewerbungen: 1956 (Melbourne), 1992 (Barcelona), 2008 (Peking) und 2012 (London)
    geplantes Budget: 6,2 Milliarden Euro
    Status: Mitfavorit

    Rom (Italien)
    Einwohnerzahl: 2.863.322
    Olympia-Ausrichter: 1960, (1908 wegen des Ausbruchs des Vesuvs Spiele zurückgegeben)
    gescheiterte Bewerbungen: 1924 (Paris), 1936 (Berlin), 1940 (Tokio/Helsinki), 1944 (London), 2004 (Athen), 2020 (Bewerbung zurückgezogen/Tokio)
    geplantes Budget: 6,4 Milliarden Euro
    Status: Außenseiter

    Budapest (Ungarn)
    Einwohnerzahl: 1.735.711
    Olympia-Ausrichter: noch nie
    gescheiterte Bewerbungen: 1916 (Berlin), 1920 (Antwerpen), 1936 (Berlin), 1940 (Tokio/Helsinki), 1944 (London), 1960 (Rom)
    geplantes Budget: 2,5 Milliarden Euro
    Prognose: Außenseiter

    Reaktionen zum Olympia-Aus

    HSV: "Wir sind enttäuscht"

    Sitzplätze im Volksparkstadion

    Hamburg sagt nein zu #Olympia2024! Wir sind enttäuscht, denn wir haben an die Chance für Hamburg geglaubt. 1/2

    Aber wir respektieren die demokratische Entscheidung der Hamburger. 2/2

    (Hamburger SV via Twitter)

    Thomas Krohne: "Gleicht einem Dolchstoß"

    "Das Referendum der Hamburger ist nicht nur eine bittere Niederlage, sie gleicht einem Dolchstoß für die Entwicklung des Hochleistungs- und Breitensports unterhalb des Fußballs"

    (Thomas Krohne, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes)

    Katarina Witt: "Nachhaltige und tiefe Enttäuschung"

    "Dies ist eine nachhaltige und tiefe Enttäuschung für all die leidenschaftlichen Kämpfer des Sports, ob Sportler, Zuschauer oder junges aufstrebendes Talent"

    (Katarina Witt, ehemalige Kuratoriumsvorsitzende der Münchener Bewerbung für Winterspiele 2018)

    Sabine Spitz: Statement gegen Spitzensport

    Sehr schade und enttäuschend ...und irgendwie auch ein Statement gegen vielfältigen Spitzensport in Deutschland...aber "never give up", irgendwann gibt es wieder Olympia in Deutschland... ‪#‎Hamburg2024‬ ‪#‎Olympia2024‬ ‪#‎WirfuerD‬

    ( Sabine Spitz, Olympiasiegerin im Mountainbike, via Facebook)

    Kirsten Bruhn: "Sargnagel für den Leistungssport"

    "Wir können schon die Beerdigung des deutschen Sports planen, das ist der Sargnagel für den Leistungssport"

    (Kirsten Bruh, dreimalige Schwimm-Paralympics-Siegerin)

    Franz Steinle: Diskussionen haben Stimmung gekippt

    "Leider zeigt das Abstimmungsergebnis, dass die aktuellen Diskussionen um sportliche Großereignisse die lange Zeit sehr positive Stimmung in der Bevölkerung zu Olympia gekippt haben"

    (Franz Steinle, Präsident des Deutschen Ski-Verbandes)

    Andreas Michelmann: "Bittere Erkenntnis"

    "Wir ziehen zwar über die Sotschis und Dohas dieser Welt her, sind aber nicht in der Lage, selbst Sportereignisse dieser Dimension auszurichten. Das ist die bittere Erkenntnis"

    (Andreas Michelmann, Handball-Präsident)

    30.11.2015
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