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Fußball | WM-Vergabe 2006 WM 2006: FIFA untersucht Bestechungsvorwürfe

  • Bild WM-Vergabe im Visier
  • Video Harm: "Es ist eine Indizienkette"
  • Video Archiv: "WM korrekt vergeben"
  • BildWM-Vergabe im Visier
    Leinwand mit dem WM-2006 Slogan "Die Welt zu Gast bei Freunden"
    (Quelle: imago)
    VideoHarm: "Es ist eine Indizienkette"
    Markus Harm

    Bei der WM-Vergabe 2006 sollen laut "Spiegel" Millionen geflossen sein. "Der Druck auf Wolfgang Niersbach und Franz Beckenbauer wird riesig, weil beide davon gewusst haben sollen", so ZDF-Reporter Markus Harm.

    (16.10.2015)
    VideoArchiv: "WM korrekt vergeben"
    Wolfgang Niersbach

    Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, zum FIFA-Skandal: "Ein Rückzug aus der FIFA hätte den Einfluss des DFB eher geschwächt, auch wenn es vermeintlich konsequent gewesen wäre."

    (05.06.2015)

    Die FIFA will die Vorwürfe zum angeblichen Stimmenkauf bei der WM-Vergabe 2006 an Deutschland untersuchen. Der "Spiegel" hatte von mutmaßlichen Bestechungsgeldern im Millionenbereich berichtet. Der DFB bezeichnete die Vorwürfe unterdessen als "völlig haltlose Behauptungen". 

    Der Fußball-Weltverband will die Vorwürfe
    Links
    Politik fordert schnelle Aufklärung DFB räumt Ungereimtheiten um Zahlung an FIFA ein
    zum angeblichen Stimmenkauf bei der Vergabe der WM 2006 an Deutschland unter die Lupe nehmen. "Dies sind sehr schwere Beschuldigungen", teilte die FIFA am Freitag mit. Laut einem "Spiegel"-Bericht sollen mit Hilfe einer schwarzen Kasse der deutschen WM-Bewerber die Voten von vier Mitgliedern der FIFA-Exekutive gekauft worden sein. Dies werde nun im Zuge der laufenden unabhängigen internen Ermittlungen untersucht, hieß es vom Weltverband.

    Geld von Robert Louis-Dreyfus?

    Nach Informationen des "Spiegel" soll der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus dem damaligen Bewerbungskomitee 13 Millionen Mark als Privatmann geliehen haben. Das Geld ist dem Bericht zufolge eingesetzt worden, um die vier Stimmen der asiatischen Vertreter im FIFA-Exko für sich zu gewinnen. Zusammen mit den europäischen Vertretern war Deutschland auf 12 Stimmen gekommen. Auf Mitkonkurrent Südafrika entfielen damals 11 Stimmen. Der Neuseeländer Charles Dempsey hatte sich enthalten.

    Louis-Dreyfus starb im Jahr 2009. Adidas gab zunächst keine Stellungnahme ab. Louis-Dreyfus soll laut "Spiegel" das Geld eineinhalb Jahre vor der WM zurückgefordert haben. Im April seien daraufhin 6,7 Millionen Euro an die FIFA für ein angebliches Kulturprogramm und von dort an Louis-Dreyfus gezahlt worden.

    Videos zum Thema

    Harm: "Großer Druck auf Niersbach und Beckenbauer"

    Markus Harm

    Niersbach im Juni 2015 zur WM-Vergabe

    Wolfgang Niersbach

    DFB weist Vorwürfe zurück

    Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat den "Spiegel"-Bericht unterdessen als haltlos zurückgewiesen. Die Schlussfolgerungen des Nachrichtenmagazins seien durch keinerlei Fakten belegt, hieß es in einer Mitteilung des Verbands am Freitag. "Mit aller Konsequenz hält der DFB deshalb nochmal ausdrücklich fest, dass dementsprechend weder der DFB-Präsident noch die anderen Mitglieder des Organisationskomitees in derartige Vorgänge involviert sein oder davon Kenntnis haben konnten", so der DFB. Der Verband behielt sich rechtliche Schritte gegen den "Spiegel" vor.

    "Ich darf immer daran erinnern, dass wir die absolut beste Bewerbung hatten. Das hat uns die FIFA von einer unabhängigen Kommission bescheinigt. Es hat eine Abstimmung gegeben mit 12:11. Wir wissen, dass die acht Europäer für uns gestimmt haben. Wo die vier anderen herkamen, können wir nur spekulieren. Die haben wir überzeugt", hatte Wolfgang Niersbach im Juni im ZDF erklärt.

    Die Macher des Sommermärchens

    Franz Beckenbauer

    Franz Beckenbauer

    Seine Weltreisen als Chef der deutschen WM-Bewerbung sind längst legendär. Der Fußball-Kaiser jettete schier unermüdlich um den Globus und warb sogar in der Südsee charmant für eine Weltmeisterschaft in Deutschland. Vor allem wegen dieser perfekt inszenierten PR-Tournee gilt Beckenbauer als der Mann, der die WM in seine Heimat holte. Es war seine Krönung als Sportfunktionär. Nach der WM war der Weltmeister von 1974 noch vier Jahre Mitglied der FIFA-Exekutive. Im Sommer 2014 war er dann kurz von der FIFA gesperrt, weil er den Ermittlern zunächst keine Auskunft zur umstrittenen Vergabe der WM-Turniere 2018 und 2022 an Russland und Katar gab. Heute bekleidet der 70-Jährige kein Spitzenamt mehr.

    Wolfgang Niersbach

    Wolfgang Niersbach

    Als Mediendirektor und Vizepräsident des Organisationskomitees machte Niersbach Karriere beim DFB. "Von der ersten Minute an" sei er bei der WM-Bewerbung dabei gewesen, versicherte der heutige Präsident des größten Sportfachverbandes der Welt gern. Niersbach koordinierte damals die Öffentlichkeitsarbeit, prägte also das Bild von der WM 2006 entscheidend mit. Ein Skandal um die Vergabe des Turniers käme Niersbach heute mindestens genauso ungelegen wie damals. Der DFB-Chef wäre damit wohl auch aus dem Rennen um die Chefposten bei FIFA und UEFA. Sein Verband bezeichnet die Enthüllungen des "Spiegel" als haltlos.

    Horst R. Schmidt

    DFB: Horst R. Schmidt - Aufnahme vom 23.10.2015

    Der damalige DFB-Generalsekretär war eine der zentralen Figuren für WM-Bewerbung und Organisation. Er galt als rechte Hand Beckenbauers, als Hirn der deutschen Weltmeisterschaft. Schon 1974 hatte er die WM in Deutschland mitorganisiert, vor der WM 2010 holte ihn die FIFA als Nothelfer nach Südafrika. Als Ehrenmitglied des DFB wurde er 2013 in den Ruhestand verabschiedet. Zur Vergabe der WM 2006 sagte er bei Sky: "Mir war von einer schwarzen Kasse nichts bekannt. Die Stimmen sind nicht gekauft worden."

    Theo Zwanziger

    Theo Zwanziger

    Der spätere DFB-Chef rückte für Fedor Radmann als Vizepräsident ins WM-Organisationskomitee nach. Dort war der Jurist für Finanzen, Personal und Recht verantwortlich. 2011 übernahm Zwanziger den Platz von Beckenbauer in der FIFA-Regierung. Mit seinem Nachfolger Niersbach hat Zwanziger sich inzwischen überworfen. Auch den Weltverband und dessen skandalumwitterten Präsidenten Joseph Blatter griff Zwanziger zuletzt vehement an. Dabei kritisierte der 70-Jährige auch die dubiose Vergabe der WM 2022 an Katar.

    Fedor Radmann

    Fedor Radmann

    Wo Beckenbauer auf seiner WM-Werbetour auftauchte, war Fedor Radmann zumeist nicht weit. Der umtriebige Berater war hinter den Kulissen als Strippenzieher wohl eine entscheidende Figur vor der WM-Vergabe. Danach gehörte der gebürtige Berchtesgadener dem WM-OK zunächst als Vizepräsident an, musste aber wegen seiner diversen Beraterverträge das Amt aufgeben. Mit wenig Glück engagierte er sich später als Geschäftsführer der Salzburger Bewerbung um Winter-Olympia 2014 und Australiens Kandidatur um die WM 2022. Beide Anläufe scheiterten.

    Robert Louis-Dreyfus

    Robert Louis Dreyfus - Aufnahme vom 24.08.2002

    Der frühere Adidas-Chef galt bis zu seinem Tod im Juli 2009 als eine der schillerndsten Figuren der europäischen Sportszene. Der Franzose entstammt einer milliardenschweren Unternehmer-Familie und bezeichnete sich als "fußballverrückt". Der "Spiegel" berichtet nun, Louis-Dreyfus habe dem deutschen Bewerbungskomitee privat 13 Millionen Mark geliehen. Dieses Geld könne möglicherweise dafür eingesetzt worden sein, entscheidende Stimmen in der FIFA-Regierung für die Wahl des Gastgebers der WM 2006 zu kaufen. Der DFB räumt zwar Ungereimtheiten um eine Summe in der vergleichbaren Höhe von 6,7 Millionen Euro ein, bestreitet aber schwarze Kassen und den Kauf von Stimmen. Adidas äußerte sich bislang nicht.

    Das WM-OK 2006

    Die wichtigsten Personen des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hießen Franz Beckenbauer, Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach. Vorsitzender des OK war Beckenbauer.

    Schmidt, Zwanziger und Niersbach waren jeweils Vizepräsidenten. Ihre Aufgaben innerhalb des Organisationskomitees waren klar verteilt. Schmidt, der damals Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes war, verantwortete Kernbereiche wie Turnier-Organisation, Städte und
    Stadien, Hotel- und Unterbringungsfragen, Transport, Verkehr und Ticketing. Schmidt war auch zentraler Ansprechpartner des Weltverbandes in der Gesamtorganisation.

    Zwanziger, damals Geschäftsführender DFB-Präsident, war für Finanzen, Personal und Recht verantwortlich. Niersbach, mittlerweile DFB-Präsident, war damals für die gesamte Presse- und
    Öffentlichkeitsarbeit des OK zuständig.

    Zweimal im Jahr mussten Beckenbauer und seine Vizepräsidenten dem achtköpfigen Aufsichtsrat berichten. Dieser wurde vom damaligen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder geführt. Mitglieder des Gremiums waren unter anderem der damalige Bundesinnenminister Otto Schily, der jetzige IOC-Präsident Thomas Bach und Günter Netzer.

    16.10.2015, Quelle: Spiegel Online, dpa, SID
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