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25 Jahre Deutsche Sporteinheit | Doping "Kleine blaue Pillen“ wirken bis heute nach

  • Bild DDR, Eröffnung der 9. Spartakiade
  • Bilderserie Deutsch-Deutsche Sportkarrieren
  • BildDDR, Eröffnung der 9. Spartakiade
    Eröffnung der 9. Spartakiade
    (Quelle: imago)
    BilderserieDeutsch-Deutsche Sportkarrieren
    Heike Drechsler
    (29.09.2015)

    Kurzmeldung

    • 20:47 Uhr 01.10.2015Kurzmeldung

      Hörmann lobt deutsche Sporteinheit 20:47 Uhr 01.10.2015
      Der deutsche Sport hat die Wiedervereinigung nach Ansicht von Alfons Hörmann gut bewältigt. "Ost und West ist heute kein Thema mehr", sagte der Präsident des DOSB bei der Jubiläumsveranstaltung "25 Jahre deutsche Sporteinheit" in Wiesbaden. Er fügte ein "überwiegend" hinzu, denn es gebe immer wieder Grenzen im Handeln, egal ob Ost zu West oder Nord zu Süd. Das Thema Doping spiele auch im wiedervereinigten Sport eine große Rolle. Die Wunden des systematischen Dopings in der ehemaligen DDR seien nicht verheilt. Es gelte, den Opfern des Systems Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

    von Torsten Haselbauer

    Auch 25 Jahre nach der Deutschen Einheit ist die DDR-Dopinggeschichte noch immer nicht vollständig aufgearbeitet. Opfer wie Täter schweigen meistens. Das soll sich nun endlich ändern. 

    In Mexiko City wurde Uwe Trömer 1980 Junioren-Vizeweltmeister im Bahnradvierer. Er galt als eines der größten DDR-Talente in seinem Sport. Drei Jahre später fiel der Athlet während eines Trainingslagers in Brandenburg vom Rad und konnte nicht mehr aufstehen. Trömer weiß heute selbst nicht mehr genau, mit was er in den achtziger Jahren so alles „vollgeballert“ wurde.

     23.10.2013 -  Uwe Trömer bei der Eröffnung des Werner-Franke-Dopingarchivs

    Uwe Trömer
    Quelle: imago

    So nennt der ehemalige Radrennfahrer etwas salopp die Verabreichung von Dopingmitteln durch Ärzte in der DDR. „Meistens waren das kleine blaue Pillen“, erinnert sich der ehemalige Bahnradfahrer aus Thüringen. Nebenwirkungen: unbekannt. Trömer landete nach seinem totalen physischen Zusammenbruch zunächst in der Klinik in Erfurt. 1984 wurde er aus dem Leistungssportsystem der DDR „in Unehren“ ausgesondert. An den gesundheitlichen Folgeschäden des Dopings leidet der ehemalige DDR-Topathlet bis heute.

    Über 700 Opfer bislang

    Trömer, mittlerweile 53 Jahre alt, gilt offiziell als ein „staatlich anerkanntes Dopingopfer“. Der Radrennfahrer ist nur eines von vielen Dopingopfern im DDR-Leistungssport. Wie viele es genau waren, weiß niemand. Auch 25 Jahre nach der deutschen Einheit nicht. „Seit der Existenz der Beratungsstelle des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins im Oktober 2013 ist die Opferzahl, die sich bei uns meldet, auf über 700 angestiegen“, erklärt Ines Geipel, die Vorsitzende des Vereins.

    Geipel war selbst eine sehr erfolgreiche DDR-Sprinterin und ist ebenfalls ein Dopingopfer. In der Beratungsstelle des Vereins in Berlin melden sich ehemalige DDR-Sportler, die informiert werden wollen. Manche Geschädigte benötigen auch konkrete medizinische Hilfe. Die Dopingberichte und ihre medizinischen Folgen seien sehr vielschichtig, so Geipel.

    Keine Regelungen für staatliches Doping

    Männliche Sexualhormone, EPO, Gendoping, Wachstumshormone, die Liste der Doping-Grausamkeiten im DDR-Spitzensport war lang und ist noch immer nicht vollständig aufgeklärt. Geipel moniert, dass sich auch 25 Jahre nach der Einheit „viele Dopingopfer in einer sozialen Notlage befinden, da weder im Rechts-, Sozial- noch Gesundheitssystem Regelungen zur Verfügung stehen, die den Sachverhalt des staatlich organisierten DDR-Dopings als politischem Willkürakt ausdrücklich erfassen“.

    Anläufe des organisierten Sports, das (auch gesamtdeutsche) Doping zu erhellen, hat es in den letzten 25 Jahren immer wieder gegeben. Vor allem in der unmittelbaren Nachwendezeit gab es diverse Kommissionen. Alle wollten vor allem dem systematischen DDR-Doping auf die Schliche kommen, was auch gelang. Doch arbeitsrechtliche Konsequenzen für Sportler, Trainer und Funktionäre des DDR-Sports blieben meist aus.

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    Wichtiges Signal

    Erst jetzt scheinen die starren Barrieren aufzubrechen. Erstmals hat mit dem Landessportbund Thüringen ein ostdeutscher LSB eine Studie mitfinanziert, die das Schicksal von Stasi- und Doping-Opfern in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig das jahrelange Wegducken der Täter thematisiert. „Zwischen Erfolgs- und Diktaturgeschichte“ wurde die lesenswerte Studie über den Thüringer Spitzensport in der DDR-Zeit überbetitelt. Herausgeber sind Jutta Braun Michael Barsuhn vom „Zentrum Deutsche Sportgeschichte“.

    Die Untersuchung wurde bereits in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt präsentiert. Andere Veranstaltungen zu diesem Thema sollen folgen. „Das ist das wichtige Signal. Im Namen eines ostdeutschen Landessportbundes finden nun Veranstaltungen statt, bei der Stasi- und Dopingopfer offen von ihren Erfahrungen berichten“, so Braun. Ebenso wie der LSB Brandenburg wird nun auch der LSB Thüringen eine Beratungsstelle für DDR-Dopingopfer einrichten. 25 Jahre nach der deutschen Einheit.

    30.09.2015
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