von Andreas Morbach
Mit der Investitionsoffensive vor dieser Saison ist Borussia Mönchengladbach von seiner eigentlichen Geschäftsidee abgerückt. Doch dann hielt am Niederrhein wieder eine Politik der betonten Besonnenheit Einzug - was inzwischen aber nicht mehr jedem gefällt.
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Ein Opfer der Einkaufspolitik der Borussen ist Mike Hanke. Ende Februar machte ihm Sportdirektor Max Eberl klar, dass Gladbach künftig auf seine Dienste verzichten will. Ein Schock für den 29-jährigen Angreifer, dem die Raute in den turbulenten letzten Jahren sehr ans Herz gewachsen ist und der deshalb nach wie vor an Eberls Mitteilung zu kauen hat. „Das fällt mir nicht leicht“, bekennt Hanke, erklärt aber zugleich in etwas verbitterter Zuversicht: „Ich werde einen guten Verein finden, der mich zu schätzen weiß.“
Handwerkliches Missgeschick
Mike Hanke
Quelle: imago
Es ist Gladbachs Transfergebaren der jüngeren Vergangenheit, das da gerade zurechtgerückt wird. Bemerkenswert früh, schon nach den ersten Saisonspielen, bemängelte Trainer Lucien Favre, der für 12 Millionen Euro frisch in Enschede losgeeiste Stürmer Luuk de Jong, der nun düpierte Hanke und der bereits Ende Januar an Hoffenheim entliehene Igor de Camargo seien sich zu ähnlich in ihrer Spielanlage. Ein handwerkliches Missgeschick, deshalb wird nun noch mal am Kader herumgezimmert.
Eberl verweist aber auch mit Nachdruck darauf, dass das Gros der Mannschaft – wie in den letzten Jahren – zusammen bleiben werde. Die Verträge mit Filip Daems, Tony Jantschke, Thorben Marx, Havard Nordtveit und Martin Stranzl wurden schon verlängert. Und, nun ja, die Geschichte mit Hanke sei laut Sportchef halt eine „extrem schwere Entscheidung“ gewesen. Ein Opfer sozusagen, das der eigenen Fußballphilosophie dargebracht werden musste.
Frisches Blut
ZITAT
„Wir wollen frisches Blut ins Team holen, Spieler, die dem Team eine neue Richtung geben”
Max Eberl
„Wir wollen frisches Blut ins Team holen, Spieler, die dem Team eine neue Richtung geben – eine Richtung, die wir uns vorstellen“, erklärt Eberl. Eine etwas schwammige Grundsatzerklärung, die aber einem erkennbaren Schwachpunkt zu Leibe rücken wird: Während Monsieur Favre, wie schon beim erfolgreich verhinderten Abstieg vor zwei Jahren, Gladbachs Defensive in den letzten Wochen wieder stabilisiert hat, ist es mit den Offensivkünsten seines Teams meist nicht weit her.
Verlass war in dieser Runde vor allem auf die Kunstschüsse von Mittelfeldmann Juan Arango, ein Drittel aller Borussen-Treffer in der Liga steuerten bezeichnenderweise Defensivspieler bei. Filigrantechniker Arango hat die Problematik längst erkannt, zumal nach dem Trio Reus, Dante und Neustädter (nach der letzten Saison) mit Angreifer Hanke nun ein weiterer erfahrener Akteur – diesmal freiwillig – abgegeben wird. „Wir brauchen in der nächsten Saison unbedingt einen zweiten Stürmer“, diktiert der irritierte Venezolaner Borussias Sportdirektor ins Hausaufgabenheft. Und Eberl selbst kündigt bereits an: „Wir werden im Sommer Transfers machen.“
Enorme GewinnspannenIm Idealfall sieht das Gladbacher Modell dabei vor, Spieler mit Entwicklungspotenzial an den Niederrhein zu lotsen. Auch wenn sie, wie Marko Marin (für 25.000 Euro geholt, für acht Millionen Euro verkauft) oder Marco Reus (800.000/17 Millionen) mit enormen Gewinn an die Konkurrenz abgegeben wurden. Solche Transfers schaffen Spielraum für Einkäufe wie Arango oder de Jong – wobei die 30 Millionen Euro, die der Klub vor dieser Saison in neues Personal investiert hat, eine vorübergehende Abkehr vom eigentlichen Geschäftsgebaren darstellten.
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Club stoppt Augsburger Aufholjagd
Umso lauter pocht Max Eberl nun auf Besonnenheit in Finanzfragen, die Zusammensetzung des jetzigen Kaders gibt ihm dabei Rückendeckung: Ein Drittel von Favres aktuellem Fußballer-Reservoir ist unter 23. Stammtorwart Marc-André ter Stegen (20) stammt aus der eigenen Jugend, weitere feste Größen wie der 22-jährige Patrick Herrmann (mit 17), der 22-jährige Tony Jantschke (mit 16) oder der 19-jährige Amin Younes (mit 7) als neuester Aufsteiger stießen schon in (sehr) jungen Jahren zur Borussia.
Arangos Lust auf EuropaFür das bescheidene Saisonziel (Platz sieben bis 13) wurde der Vorjahresvierte zu Saisonbeginn belächelt, doch still und heimlich nimmt Gladbach wieder Kurs aufs internationale Geschäft. Zu still und heimlich, wie Juan Arango mittlerweile findet. „Wir müssen in der nächsten Saison unbedingt wieder in Europa dabei sein“, fordert der Zauberfuß aus Südamerika und betont: „Das Ziel bleibt Platz sechs.“