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20.05.2013

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DFL-Sicherheitskonzept

Aktion 12:12 - Still und stark

  • Video Profiklubs im Blickpunkt
  • Video Rettig: "DFL-Sicherheitskonzept wichtig"
  • VideoProfiklubs im Blickpunkt

    36 Profiklubs stimmen heute in Frankfurt über das umstrittene Sicherheitskonzept ab. Auf der Tagesordnung steht die Verabschiedung des 37-seitigen Positionspapiers mit 16 Anträgen.

    (12.12.2012)
    VideoRettig: "DFL-Sicherheitskonzept wichtig"

    "Das neue Sicherheitskonzept in Fußballstadien ist eine echte Verbesserung", so Andreas Rettig, designierter DFL-Geschäftsführer. Fanverbände seien in die Entstehung des Konzepts eingebunden worden.

    (12.12.2012)

    Kurzmeldung

    • Fan-Protest vor Sitzungsgebäude 12:31 12.12.2012
      Der Fan-Protest macht auch vor der Mitgliederversammlung der DFL nicht halt: Etwa 400 Anhänger aus ganz Deutschland belagerten am Mittwoch das Hotel in Frankfurt, wo die 36 Vereine aus Bundesliga und 2.Liga über die 16 Anträge des umstrittenen Sicherheitskonzeptes "Stadionerlebnis" berieten. Liga-Chef Reinhard Rauball hatte Probleme, auf das Hotelgelände zu gelangen. "Jeder hat das gute Recht, hier zu demonstrieren", sagte Ben Praße, Sprecher der Fanorganisation "Unsere Kurve". "Wir hoffen, dass hier aus der Vernunft heraus entschieden wird und nicht wegen des Drucks durch die Politik."

    • Klubs entscheiden über DFL-Konzept 11:51 12.12.2012
      In Frankfurt hat die Versammlung der 36 Profiklubs mit der Abstimmung über das umstrittene Sicherheitskonzept begonnen. Die nichtöffentliche Sitzung wird von Ligapräsident Reinhard Rauball geleitet. Auf der Tagesordnung steht die Verabschiedung des 37-seitigen Positionspapiers mit 16 Anträgen. Zweitligist FC St.Pauli hat allerdings am Dienstag bei der DFL einen Antrag gestellt, die Abstimmung zu verschieben und kurzfristig eine Kommission zu bilden, in die unter anderem Fanvertreter einbezogen werden sollen. Innenminister von Bund und Ländern hatten zuletzt den Druck auf Vereine und Verbände erhöht.

    • Gladbach stimmt für DFL-Papier 14:28 11.12.2012
      Einen Tag vor Abstimmung über das umstrittene Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat Bundesligist Borussia Mönchengladbach seine Unterstützung zugesagt. "Wir werden dafür stimmen", sagte Geschäftsführer Stephan Schippers zu "11freunde". "Wir glauben nicht, dass dieses Papier dazu geeignet ist, die Fankultur zu zerstören. Im Gegenteil: Wir werden es mit diesem Konzept schaffen, den friedlichen Stadiongängern - und das sind mehr als 99 Prozent - ein sicheres Fußballspiel weiterhin zu ermöglichen", sagte der 45-Jährige, der auch Mitglied im Aufsichtsrat der DFL ist.

    Profiklubs im Blickpunkt

     von Torsten Haselbauer

    Der erfolgreiche Stimmungsboykott gegen die geplanten Sicherheitsmaßnahmen hat die Fans kurz vor der richtungsweisenden DFL-Vollversammlung am Mittwoch gestärkt. Dabei war diese Protestform unter ihnen selbst nicht ganz unumstritten. Das Protokoll einer gelungenen Aktion.

    Fans in Frankfurt DFL

    ca. 400 Fans demonstrieren in Frankfurt still fūr mehr Mitsprache
    Quelle: Twitter (@NKaben)

    Dort, wo alles begann, gibt man sich in diesen Tagen betont gelassen. Dabei kommt es doch am Mittwoch zu einer Art Showdown in einem Konflikt, der zunehmend an Schärfe gewinnt. Auf der einen Seite steht der mächtige Ligaverband DFL, der ein umfangreiches Fan-Maßnahmen-Sicherheitspaket beschließen will. Auf der anderen Seite agieren die Fans, die weniger Überwachung, mehr Freiräume und vor allem mehr Mitbestimmung einfordern.

    "Keine Bittsteller"

    „Mit dem Stimmungsboykott 12:12 haben wir uns eine Position der Stärke verschafft. Wir sind keine Bittsteller mehr. Jetzt warten wir mal ab, was die DFL beschließt. Reagieren können wir dann jederzeit und das schnell und effektiv“, erklärt Marvin Kretzschmar gegenüber zdfsport.de.

    Kretzschmar ist in der Union-Berlin-Ultragruppe „Wuhle Syndikat“ organisiert und gilt als einer der beiden „Erfinder“ des Stimmungsboykotts „12:12 - Ohne Stimme - keine Stimmung“. Das war die eindrucksvolle, erfolgreiche Fan-Machtdemonstration, bei der in den vergangenen drei Spieltagen in fast allen Stadien ligaübergreifend zwölf Minuten und zwölf Sekunden lang geschwiegen wurde.

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    Das ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
    Kraftakt

    Einen solchen umfassenden Stimmungsboykott vorzubereiten und zu organisieren war keine einfache Sache. Denn Fußballfans sind keine homogene Gruppe. „Wir hatten zum Teil völlig verschiedene Interessen und Ideen, wie wir auf das DFL-Papier ‚Sicheres Stadionerlebnis’ reagieren sollten. Klar war nur, so etwas wollten wir uns nicht bieten lassen“, erinnert sich Kretzschmar.

    Am 1. November fand in Berlin ein offizielles Fantreffen statt. Diesen Anlass nutzten die gastgebenden Union-Berlin-Fans dazu, auch solchen Fußballanhängern einen Raum zu geben, die mehr als nur reden wollten. Diese Fans sind intensiv vernetzt, spätestens seit der Diskussion um die Pyrotechnik vor rund einem Jahr. „Wir verfügen über Email-Adresslisten, Foren und Blogs und haben zudem eine passwortgeschützte, versteckt angelegte Internetseite. Wir finden uns immer“, erklärt Kretzschmar.

    Links
    Das Statement der Fanprojekte
    Das ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
    Bis zum Spielabbruch

    Nicht weniger als 150 Fans aus 48 Vereinen nahmen an der von den Union-Berlin-Ultras initiierten Versammlung teil. „Informell und ohne Presse“, wie der 23 Jahre alte Kretzschmar betont. Um die dort vorgestellte Unterschriftenliste „Ich fühl’ mich sicher“ gab es keine Diskussionen. Einstimmig wurde sie in Berlin angenommen und dann in den Stadien verteilt. Deutlich komplizierter gestaltete sich jedoch das Ringen um eine gemeinsame, bundesweite Protestform für die Kurven.

    „Es gab die unterschiedlichsten Vorschläge. Einige Fangruppen wollten drastisch zur Sache gehen und durch Werfen von Tennisbällen auf das Spielfeld Spielunterbrechungen provozieren“, erinnert sich Kretzschmar. Auch der Stimmungsboykott kam schnell zur Sprache, aber in unterschiedlicher Intensität. Die Ultras von Union Berlin plädierten für neunzig Minuten Stille in den Stadien. Andere brachten eine lautlose Halbzeit ins Spiel. Schließlich präsentierten Marvin Kretzschmar und der HSV-Vorsänger Jojo Liebnau eine Art Kompromiss. Unter dem Titel „Der 12. Mann wehrt sich“ stellten sie die 12:12 Minuten lange Protestaktion vor.

    „Wir können mehr“

    Diese fand die meiste Zustimmung und wurde dann ab 24. November in den Stadien der obersten drei Fußballligen umgesetzt. „Wir waren selber am meisten überrascht, wie gut das lief. Mit einer solchen Resonanz hatten wir wirklich nicht gerechnet“, erinnert sich Kretzschmar. Der Stimmungsboykott gilt schon jetzt als einer größten Erfolge der organisierten Fans in der Geschichte der 50 Jahre alten Bundesliga. „Und wir können noch viel mehr“, verspricht Kretzschmar.

    DFL-Vollversammlung am 12. Dezember

    Anlass der Veranstaltung

    Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) traf sich am 12. Dezember in Frankfurt mit den Vertretern der 36 Profiklubs auf der Mitgliederversammlung, um über das umstrittene Papier «Sicheres Stadionerlebnis» abzustimmen. Die Innenminister der Länder hatten den Klubs mit einschneidenden Maßnahmen gedroht und von den Vereinen einheitliche Regelungen zur Bekämpfung der Gewalt gefordert.

    Normalerweise reicht eine einfache Mehrheit, eine Zwei-Drittel-Mehrheit ist notwendig, wenn bei einem Antrag die Lizenzspielordnung geändert wird.

    Die 16 Anträge in Kurzform zusammengefasst:                            
                                           
    Antrag 1: Die Veranstaltungsleiter von Bundesliga-Spielen bekommen eine genaue Funktionsbeschreibung.                 
    Antrag 2: Ein verbindlicher Dialog zwischen Fans und Klubs wird verankert.
    Anträge 3 und 4: Die Polizei bekommt mehr Kompetenzen.                      
    Antrag 5: Der Ordnungsdienst des Gastvereins wird im Stadion des Heimvereins mit einbezogen.                        
    Antrag 6: Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten werden genau festgelegt.    
    Antrag 7: Verbindliche Teilnahme des Veranstaltungsleiters an Sicherheitsbesprechungen bei Risikospielen.         
    Antrag 8: Kontrollen an Stadioneingängen werden verschärft.                 
    Antrag 9: Ordnungsdienstkräfte werden geschult.                              
    Antrag 10: Aufgaben des Fanbeauftragten am Spieltag werden festgelegt.         
    Antrag 11: Festlegungen für Risikospiele und Spiele unter Beobachtung.
    Antrag 12: Ein Zertifizierungsverfahren ("Stadionerlebnis") wird entwickelt.   
    Antrag 13: Eine ständige Kommission Stadionerlebnis wird eingerichtet.     
    Antrag 14: Festgelegt wird, wann das Ticketkontingent für Auswärtsfans reduziert werden darf.
    Antrag 15: Weiterentwicklung der DFB-Sportgerichtsbarkeit (Anträge sollen erst zum DFB-Bundestag im Oktober 2013 erarbeitet werden).                    
    Antrag 16: Erlöse aus der Vermarktung (Fernsehgelder) werden zweckgebunden an die Vereine ausbezahlt, wenn diese wiederholt Sicherheitsmaßnahmen nicht erfüllen.

    Eckpunkte des Papiers

    - Null-Toleranz beim Verbot von Pyrotechnik

    - Erhöhung der Ausgaben für Fan-Betreuung

    - Konsequente Durchsetzung von Stadionverboten

    - Mehr Video-Kameras in den Gäste-Stehplatzbereichen

    - Personalisierte Eintrittskarten

    - Durchsetzung von zivilrechtlichen Ansprüchen gegen die Verursacher

    Strittige Punkte

    Umstrittene Punkte im Konzept «Sicheres Stadion» sind vor allem die Anträge 8, 11 und 14. Bei Spielen mit erhöhtem Risiko, so die DFL, ist die Durchführung von verstärkten Personenkontrollen zu erwägen. Zuvor heißt es, dass Ligaverband und Deutscher Fußball-Bund (DFB) zu keinem Zeitpunkt «statuarische Vorgaben für die Durchführung sogenannter Vollkontrollen» vorgeschlagen haben. Die Entscheidung, in welchem Umfang Fans an den Stadioneingängen durchsucht haben, obliege wie bisher dem Heimverein. Für die Fanvertreter ist damit klar, dass Vollkontrollen nicht kategorisch ausgeschlossen sind. Zumal in dem Antrag steht, dass Kontrolleinrichtungen so beschaffen sein müssen, dass Kontrollen sicher, zügig und angemessen durchgeführt werden können. Da fürchten Kritiker, dass diese öfter in Zelten stattfinden wie kürzlich beim Bundesliga-Spiel FC Bayern - Eintracht Frankfurt.

    Zudem geht es um die mögliche Reduzierung des Ticket-Gästekontingents. Normalerweise stehen den Auswärtsfans wie bisher zehn Prozent der Karten zu. Künftig sollen diese um die Hälfte reduziert werden können, wenn das DFB-Sportgericht nach Zwischenfällen ein entsprechendes Urteil fällt - oder bei «einer anderslautenden Festlegung des Heimvereins bei Spielen mit erhöhtem Risiko». Für Gegner des Sicherheitskonzepts ist diese eine Kollektivstrafe, zudem sehen sie sich dem Wohlwollen des Heimclubs ausgeliefert.

     

    12.12.2012
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