Champions League im ZDF | 20.25 Uhr
Bayern gegen das Tannenbaum-System
Die taktische Aufstellung
von Tim Rieke, spielverlagerung.deDas Achtelfinale hat der FC Bayern schon gebucht, am Mittwochabend (20.45 Uhr / ZDF live und
zdfsport-Liveticker) geht’s um den Gruppensieg. Der Gegner BATE Borissow ist gewiss kein übermächtiger. Doch das haben sich die Bayern vor dem ersten Spiel gegen die Weißrussen sicher auch gedacht – und prompt verloren.
Diese Überraschung gelang BATE dank eines geschickten Wechsels der Grundformation: Von der 4-3-1-2-Standardsystem mit Raute im Mittelfeld zur defensiveren 4-3-2-1-Variante, umgangssprachlich auch als Tannenbaum-System bekannt. Wahrscheinlich werden die Weißrussen auch diesmal auf ihre Hinspiel-Taktik setzen.Verdichtung im Zentrum
Der größte Vorteil dieser Formation liegt in seiner Kompaktheit im Zentrum, an die kaum ein anderes System herankommt. Zum einen wird dies durch gleich fünf zentrale Mittelfeldspieler bedingt, zum anderen durch deren geometrische Anordnung.
Die vielen defensiven Dreiecke verschließen sämtliche Schnittstellen in der Mitte, da „über“ jeder Schnittstelle ein weiterer Spieler positioniert ist. Es war diese massierte Sicherheit in der Spielfeldmitte, die den Bayern um Kroos und Martínez keine Freiheiten gewährte. Daher war der Rekordmeister größtenteils zum Spiel über die Flügel gezwungen.Die Bedeutung der Flügel
Eine wichtige Rolle kommt im 4-3-2-1 auch den beiden offensiven Mittelfeldspielern zu, die praktisch eine Doppel-Zehn bilden – im Hinspiel bestehend aus Hleb und Pawlow. In ihrer Halbposition vor den drei Sechsern sollen sie nicht nur die Mitte stabilisieren, sondern gleichzeitig Kontakt zu den gegnerischen Außenverteidigern halten. Diese haben keinen direkten Gegenspieler und sind somit die potenziell größte Gefahr für das 4-3-2-1. Für den Vorteil in der Zentrale opfert BATE also den direkten Druck auf die Flügel.
Ob die Weißrussen mit ihrem System erneut Erfolg haben können, hängt also davon ab, wie gut es ihnen gelingt, das logischste Gegenmittel gegen ihre Formation zu verteidigen. Aus Bayern-Sicht sind daher zweifelsohne Lahm und Alaba die Schlüsselspieler, die ihre Freiheiten mit geschickt getimten Läufen aus der Tiefe ausnutzen müssen. Ähnlich wie beim furiosen 6:1 gegen Lille muss es den Bayern gelingen, dass ihre Gegner die Flügelverteidigung nicht aufrecht halten können.BATEs Kontergefahr
Auch aus defensiven Gesichtspunkten ist die richtige Balance der Außenverteidiger entscheidend. Bei zu offensiver Ausrichtung öffnen sich nämlich im Rücken der beiden genau jene Räume, die BATE schon im Hinspiel gefährlich ansteuerte und die Borissow auch dieses Mal suchen wird.
Hier zeigen sich zwei weitere Stärken des 4-3-2-1: Zum einen können die tödlichen Vertikalvorstöße Richtung Tor aufgrund der stark besetzten zentralen Räume flexibel von dem Mittelfeldspieler ausgeführt werden, der gerade am besten postiert ist. So hatte im Raum hinter Lahm keiner der beiden Zehner, sondern der Sechser Wolodkow im Hinspiel die gefährlichsten Momente bei Kontersituationen.
Kurze Wege zum Tor
Zum anderen haben diese Akteure durch ihre engere Stellung kürzere Wege zum Tor – gerade verglichen mit jenen, die Lahm und Alaba aus einer breiten Flügelposition zurücklegen müssen, wenn sie bei einem gegnerischen Konter nach hinten eilen. Durch diese formativen Eigenheiten können die entscheidenden Meter Vorsprung entstehen.
Aufgrund dieser defensiven Anfälligkeit darf das Münchner Angriffsspiel nicht zu stark auf die Flügelattacken beschränkt bleiben. Trotz der sehr hohen Kompaktheit des 4-3-2-1 in der Spielfeldmitte muss auch das Zentrum bespielt werden. Dabei könnte Bastian Schweinsteiger, der im Hinspiel erst spät eingewechselt wurde, ein entscheidender Mann werden. Das Vorgeben von Takt und Rhythmus und das Dirigieren von Angriffen in die richtigen Räume, was Schweinsteiger so gut beherrscht, werden gegen BATE essenziell sein.Taktgeber Schweinsteiger
Die Bayern trafen in der Königsklasse übrigens schon im Februar 2011 auf eine solche 4-3-2-1-Formation. Beim Achtelfinal-Hinspiel gegen Inter Mailand waren damals Dejan Stankovic und Wesley Sneijder hinter Samuel Eto'o positioniert. Sneijder fand damals wegen einer engen Deckung durch Luiz Gustavo keine Räume für Konter.
Mit einer starken Leistung der beiden Außenverteidiger und einem dominanten Strippenzieher Schweinsteiger gelang den Bayern damals eine vorbildliche Leistung gegen dieses System, wofür sie sich mit einem 1:0-Sieg belohnten. Bei einer ähnlich guten Leistung winkt diesmal der Gruppensieg.
05.12.2012
Diese Überraschung gelang BATE dank eines geschickten Wechsels der Grundformation: Von der 4-3-1-2-Standardsystem mit Raute im Mittelfeld zur defensiveren 4-3-2-1-Variante, umgangssprachlich auch als Tannenbaum-System bekannt. Wahrscheinlich werden die Weißrussen auch diesmal auf ihre Hinspiel-Taktik setzen.Verdichtung im Zentrum
Der größte Vorteil dieser Formation liegt in seiner Kompaktheit im Zentrum, an die kaum ein anderes System herankommt. Zum einen wird dies durch gleich fünf zentrale Mittelfeldspieler bedingt, zum anderen durch deren geometrische Anordnung.
Gefeierter Mann im ersten Spiel: Alexander Pawlow (2. v.l.)
Quelle: dpa
Quelle: dpa
Eine wichtige Rolle kommt im 4-3-2-1 auch den beiden offensiven Mittelfeldspielern zu, die praktisch eine Doppel-Zehn bilden – im Hinspiel bestehend aus Hleb und Pawlow. In ihrer Halbposition vor den drei Sechsern sollen sie nicht nur die Mitte stabilisieren, sondern gleichzeitig Kontakt zu den gegnerischen Außenverteidigern halten. Diese haben keinen direkten Gegenspieler und sind somit die potenziell größte Gefahr für das 4-3-2-1. Für den Vorteil in der Zentrale opfert BATE also den direkten Druck auf die Flügel.
Ob die Weißrussen mit ihrem System erneut Erfolg haben können, hängt also davon ab, wie gut es ihnen gelingt, das logischste Gegenmittel gegen ihre Formation zu verteidigen. Aus Bayern-Sicht sind daher zweifelsohne Lahm und Alaba die Schlüsselspieler, die ihre Freiheiten mit geschickt getimten Läufen aus der Tiefe ausnutzen müssen. Ähnlich wie beim furiosen 6:1 gegen Lille muss es den Bayern gelingen, dass ihre Gegner die Flügelverteidigung nicht aufrecht halten können.BATEs Kontergefahr
Auch aus defensiven Gesichtspunkten ist die richtige Balance der Außenverteidiger entscheidend. Bei zu offensiver Ausrichtung öffnen sich nämlich im Rücken der beiden genau jene Räume, die BATE schon im Hinspiel gefährlich ansteuerte und die Borissow auch dieses Mal suchen wird.
Hier zeigen sich zwei weitere Stärken des 4-3-2-1: Zum einen können die tödlichen Vertikalvorstöße Richtung Tor aufgrund der stark besetzten zentralen Räume flexibel von dem Mittelfeldspieler ausgeführt werden, der gerade am besten postiert ist. So hatte im Raum hinter Lahm keiner der beiden Zehner, sondern der Sechser Wolodkow im Hinspiel die gefährlichsten Momente bei Kontersituationen.
Kurze Wege zum Tor
Zum anderen haben diese Akteure durch ihre engere Stellung kürzere Wege zum Tor – gerade verglichen mit jenen, die Lahm und Alaba aus einer breiten Flügelposition zurücklegen müssen, wenn sie bei einem gegnerischen Konter nach hinten eilen. Durch diese formativen Eigenheiten können die entscheidenden Meter Vorsprung entstehen.
Kein schöner Abend in Minsk: Franck Ribéry.
Quelle: ap
Quelle: ap
Die Bayern trafen in der Königsklasse übrigens schon im Februar 2011 auf eine solche 4-3-2-1-Formation. Beim Achtelfinal-Hinspiel gegen Inter Mailand waren damals Dejan Stankovic und Wesley Sneijder hinter Samuel Eto'o positioniert. Sneijder fand damals wegen einer engen Deckung durch Luiz Gustavo keine Räume für Konter.
Mit einer starken Leistung der beiden Außenverteidiger und einem dominanten Strippenzieher Schweinsteiger gelang den Bayern damals eine vorbildliche Leistung gegen dieses System, wofür sie sich mit einem 1:0-Sieg belohnten. Bei einer ähnlich guten Leistung winkt diesmal der Gruppensieg.





