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Gladbach trickst die Eintracht aus

Naturgesetze außer Kraft

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  • De Jong erzielt das 2:0 gegen die Hessen
    Luuk de Jong - Borussia Mönchengladbach / Quelle: dpa

    Carlos Zambrano kann Luuk de Jong nicht stoppen: Der Niederländer erzielt das 2:0.

    (Quelle: dpa)
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    Toni Kroos (v), Daniel Williams / Quelle: reuters
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    Kurzmeldung

    • 17:21 07.10.2012Kurzmeldung

      Gladbach stoppt die Eintracht 17:21 07.10.2012
      Borussia Mönchengladbach hat das Duell gegen Eintracht Frankfurt mit 2:0 für sich entschieden und dem "Team der Stunde" damit die erste Saisonniederlage beschert. Die Frankfurter fanden erst spät ins Spiel und wirkten über weite Strecken ideenlos. Ein toller Distanzschuss von Juan Arango bescherte Gladbach schon nach neun Minuten die Führung. Nochmal nachgelegt, taten die Borussen nichts mehr für ihr Spiel und brachten den Dreier nur noch über die Runden. Um 17.30 Uhr war außerdem Meister Dortmund bei Hannover 96 zu Gast. Der VfB Stuttgart traf auf Bayer Leverkusen.

    Im Duell mit ihren Nachfolgern als Überflieger der Liga entdecken manche Gladbacher Profis völlig ungeahnte Fähigkeiten – und auch Frankfurts Trainer Armin Veh behält das 0:2 am Niederrhein als ganz schön seltsam in Erinnerung.

    Von Andreas Morbach

    Nach der ersten Saisonniederlage seiner Aufsteiger war irgendwann auch der Diplomat in Armin Veh gefragt. Unmittelbar nach dem Abpfiff, im Kabinengang, hatte Frankfurts Cheftrainer noch wie ein Rohrspatz über die Verbarrikadierungstaktik der Gladbacher geschimpft. Doch dann waren die offiziellen Statements zum 2:0-Sieg der Borussia über seine Eintracht an der Reihe – und den 51-jährigen Übungsleiter befiel eine gewisse Milde.

    Wie in der Zweiten Liga

    Zwar nörgelte Veh („Ich hab’ selten gesehen, dass eine Mannschaft so tief hinten drin stand“) noch immer offen an der Spielweise der Niederrheinischen herum, überlegte dann aber mit einem Seitenblick auf den Kollegen Lucien Favre auch laut: „Das war wohl das richtige Mittel heute.“ Doch kaum gingen die beiden Fußballlehrer wieder ihrer eigenen Wege, echauffierte sich der Eintracht-Coach erneut über die Punktediebe aus Gladbach. „Wenn unsere nächsten Gegner auch so spielen“, so Vehs geharnischtes Urteil, „ist das ja ähnlich wie in der zweiten Liga.“

     

    Dabei war die vorsichtige Spielweise der Favre-Elf nur die logische Reaktion auf die vorangegangenen Gegentorlawinen in Dortmund (0:5) und gegen Fenerbahce Istanbul (2:4). Heraus kam ein Resultat, das zu Rundenbeginn noch als stinknormal durchgegangen wäre, nach dem ersten Fünftel der Saison aber fast schon als Gladbacher Coup gilt: Die Überflieger der letzten hatten den Überfliegern der laufenden Spielzeit die Flügel gestutzt – auf eine zutiefst schlichte Weise, die Borussias Angriffsvirtuosen des Vorjahres noch völlig fremd gewesen war.

    Strafraumstürmer auf Abwegen

    „Aber genau so ist dieser Sport“, belächelte Armin Veh seine Branche schicksalergeben. Und passend zum bizarren Geschehen im Borussia-Park erzielte der Niederländer Luuk de Jong den richtungsweisenden zweiten Treffer in einer Spielsituation, die ihm im Grunde gar nicht liegt – aus einem Konter heraus.

     

    Das formidable, steile Zuspiel kam von Håvard Nordtveit, dem es seinerseits schwer fällt, sich an die ständig wechselnden Partner im defensiven Mittelfeld der Borussia zu gewöhnen. Doch zugleich war dem Norweger das Lob von Passverwerter de Jong sicher. Der 12-Millionen-Euro-Einkauf aus Enschede kämpft nach den ersten Wochen im neuen Klub bereits gegen seinen Ruf als kostspielige Fehlinvestition – und erklärte nun, erstaunt über seine ungeahnten Fähigkeiten: „Natürlich bin ich ein Strafraumstürmer. Aber wenn ich solche Pässe bekomme, treffe ich auch bei Kontern.“

    Auslaufmodell im Aufwind

    Thorben Marx (M) jubelt mit Arango (l.) und Nordtveit. / Quelle: reuters

    Thorben Marx (M) jubelt mit Arango und Nordtveit (r.)
    Quelle: reuters

    Vermeintliche Naturgesetze waren in diesem sehr speziellen Spiel also außer Kraft gesetzt. Dazu zählte auch die Erkenntnis, dass ein Mann wie Thorben Marx (31) bei der Reanimation der gebeutelten Gladbacher plötzlich eine wichtige Rolle einnahm. Wie auch der zehn Jahre jüngere Lukas Rupp, im Sommer von Zweitligist Paderborn gekommen, beging Marx gegen Frankfurt sein Startelfdebüt in dieser Saison – und Trainer Favre lobte das Duo anschließend: „Die beiden trainieren gut. Man sieht, dass sie gut sind. Und sie bringen der Mannschaft etwas – deshalb haben sie gespielt.“

     

    Dabei galt Rustikalfußballer Marx, zuvor schon für Bielefeld und Hertha BSC tätig und im April am Meniskus operiert, in der Gladbacher Sturm- und Drang-Ära mit dem Fixstern Marco Reus bereits als Auslaufmodell. Aber nach den vogelwilden Darbietungen der Favre-Elf in den zurückliegenden Wochen ist der keineswegs filigrane, aber ordnende Fuß des gebürtigen Berliners plötzlich wieder sehr gefragt bei der Borussia.

    Trost für Veh

    „Mit ihm haben wir einen erfahrenen Mann auf dem Platz, der Nordtveit gut geführt hat“, goutierte Abwehrchef Martin Stranzl Marx’ frisch zurückgewonnenen Einfluss. Während Armin Veh („Das Spiel ist komisch gelaufen“) auch nach der Niederlage beim Überflieger-Vorbild, der ersten seit dem Aufstieg, noch Trost fand. „Überholt hat uns keiner, wir sind immer noch Zweiter“, hielt Frankfurts Übungsleiter stolz fest – und fügte schmunzelnd hinzu: „Das reicht immer noch für die Champions League.“

    08.10.2012
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