Gruppe D: Schweden - England 2:3 (0:1)
England kickt Schweden raus
So haben sie gespielt:
Schweden - England 2:3 (0:1)
Schweden: Isaksson - Mellberg, Granqvist (66. Lustig), Martin Olsson, Jonas Olsson - Elm (81. Wilhelmsson), Larsson, Svensson, Källström - Ibrahimovic, Elmander (79. Rosenberg)
England: Hart - Johnson, Cole, Terry, Lescott - Gerrard, Young, Milner (61. Walcott), Parker - Welbeck (90. Oxlade-Chamberlain), Carroll
Schiedsrichter: Skomina (Slowenien)
Zuschauer: 64.640
Tore: 0:1 Carroll (23.), 1:1 Johnson (49./Eigentor), 2:1 Mellberg (59.), 2:2 Walcott (64.), 2:3 Welbeck (78.)
Gelbe Karten: Jonas Olsson, Mellberg, Svensson / Milner
Die Stimmen zum Spiel
Die Stimmen zum Spiel
Erik Hamren (Trainer Schweden): "Es tut uns sehr leid. Wir haben in beiden Spielen getroffen, ich bin sehr stolz auf die Jungs. In beiden Halbzeiten waren wir gut, wir haben wirklich Fußball gespielt - aber es war uns nicht vergönnt zu gewinnen. Es tut weh, richtig weh. England war sehr effektiv, wir hatten einige Chancen, aber haben nicht genügend Tore gemacht. Das fühlt sich im Moment sehr hart an."
Roy Hodgson (Trainer England): "Es war ein sehr gutes, ein sehr enges Spiel. Ich war mit der ersten Halbzeit sehr zufrieden. Die Schweden haben es dann sehr gut gemacht, wir mussten alles geben, umnoch mal zurückzukommen. Es war ein wichtiger Sieg gegen eine
Mannschaft die dafür berühmt ist, dass sie England immer die Punkte klaut."
Alpha-Tier, Clown und genialer Stürmer
von Rainer FußgängerNach Torbjörn Nilsson, Martin Dahlin und Henrik Larsson hat der schwedische Fußball endlich seine Galionsfigur gefunden. Zlatan Ibrahimovic, Torschütze beim 1:2-EM-Auftakt gegen die Ukraine, bringt seine Landsleute zum Staunen und viele Jugendliche zum Lesen. Am Freitag (20.45 Uhr) spielen die Schweden gegen England - da ist das Alpha-Tier wieder gefragt.Argentinien hat Diego Maradona, Brasilien Pelé und Deutschland seinen Kaiser Franz. Allesamt Fußball-Ikonen - aber auch schon lange nicht mehr aktiv. Mit Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic verhält sich das anders. Der 30-Jährige Stürmer des AC Mailand ist in seiner Heimat, was Bekanntheitsgrad und auch Popularität angeht, völlig konkurrenzlos. Sechs Mal hintereinander hat sich Ibrahimovic die Trophäe des Fußballers des Jahres in Schweden abgeholt.Riesen-AuflageEnde vergangenen Jahres veröffentlichte er seine Lebensgeschichte, die er dem Journalisten David Lagercrantz erzählte. Das Buch brach alle Rekorde. Bislang war Dan Browns Thriller Sakrileg mit 350.000 verkauften Exemplaren das meistverkaufte Buch des Verlags, nun gewann die in lockerem Umgangston verfasste Story von Zlatan Ibrahimovics Leben völlig neue Leserschichten hinzu.Jungs, die möglicherweise noch nie ein Buch von Anfang bis Ende gelesen hatten, stürmten die Buchhandlungen und kauften "Ich, Zlatan". 530.000 Stück sind mittlerweile schon über die Ladentheke gegangen. Im Verhältnis zur schwedischen Bevölkerungszahl ein sensationeller Erfolg. Auf deutsche Verhältnisse umgelegt, müsste man 4,5 Millionen Exemplare absetzen.Multi-KultiAufgewachsen ist Zlatan Ibrahimovic im Stadtteil Rosengård in Malmö. Nur gut zwei Kilometer vom Stadtzentrum der drittgrößten schwedischen Stadt entfernt, ist Rosengård in den vergangenen Jahren Symbol geworden für die schwedische Intergrationspolitik und Synonym für die multikulturelle Gesellschaft. 86 Prozent der knapp 22.000 Einwohner haben Migrationshintergrund. Ibrahimovic erzählt in seiner Autobiographie davon, wie er mal beim Vater, mal bei der Mutter lebte:
Ich war die ganze Zeit draußen und spielte Fußball und fuhr mit gestohlenen Fahrrädern - und oft kam ich nach Hause, hungrig wie ein Wolf, riss die Kühlschranktür auf und dachte, bitte, bitte, lass was da sein! Aber nein, nichts, nur wie immer: Milch, Butter, Brot, und im besten Fall Saft, Multivitamin, die Vier-Literpackung, gekauft in dem arabischen Laden, weil es da am billigsten war - und natürlich Bier.
WandervogelDer Aufstieg vom Vorortkicker zum Weltstar dauerte einige Jahre und ist letztlich das Ergebnis knallharter Arbeit. Von Malmö FF aus ging die Reise des 1,95 Meter großen Zlatan über Ajax Amsterdam, Juventus Turin, Inter Mailand und dem FC Barcelona wieder zurück nach Mailand zum AC.
Bei Inter war er mit einem Gehalt von einer Million Euro pro Monat sogar der bestverdienende Fußballer der Welt. Zu dieser Zeit kaufte sich das Ehepaar Ibrahimovic für umgerechnet 3,3 Millionen das teuerste Haus in Malmö - der Weg von Rosengård nach ganz oben ließ sich besser kaum dokumentieren. Gewohnt hat die Familie dort fast gar nicht. Mittlerweile ist die Immobilie wieder zu haben.MediengestaltWie wichtig der Sohn bosnisch-kroatischer Einwanderer auch für die schwedischen Medien ist, illustriert die Tatsache, dass es auf der Internetseite der Malmöer Regionalzeitung Sydsvenska Dagbladet neben Fußball-EM, Golf und Handball eben auch eine Kategorie gibt, die Zlatan heißt. Dabei ist Ibrahimovic in seinem Verhalten ganz und gar nicht schwedisch zurückhaltend und höflich.Die Sportjournalistin Ida Ali Abdulla hat das so beschrieben: "Er sagt, was er meint und denkt. Sehr oft ohne Filter. Unfreundlich und charmant, manchmal beides gleichzeitig. Für uns Schweden ist Zlatan vor allem eines - exotisch."UnikumIn der Tat - Ibrahimovic darf Macho sein; Sprüche klopfen wie "Was John Carew mit einem Fußball macht, mache ich mit einer Apfelsine", und selbst sein manchmal unbeherrschtes und ruppiges Verhalten auf dem Platz, das zu einer ansehnlichen Zahl roter Karten geführt hat, wird zwar kurzfristig kritisiert, dann aber verziehen. Und so ist er Alphatier, Clown und genialer Stürmer in einer Person, eben 100 Prozent Zlatan. So einen wie ihn wird es so schnell nicht mehr geben.



