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Topspiel: FC Bayern - Schalke

Vom Bayernjäger zum Papiertiger

das aktuelle sportstudio, 09.02.2013 23:10 Uhr
  • Video Schalke: Ratlosigkeit vor Bayern-Spiel
  • Video Heldt: "Arbeit von Jens Keller ist gut"
  • Interaktiv Samstag, 18.30: FCB - S04 im Liveticker
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  • VideoRatlosigkeit vor Bayernspiel

    Auf Schalkes Pressekonferenz wurde viel geredet, aber wenig gesagt. Die Aussichten auf die Qualifikation zur Champions League sind schlecht und doch klingt das Krisenmanagement erstaunlich lapidar.

    (08.02.2013)
    VideoHeldt: "Arbeit von Jens Keller ist gut"

    "Ruhiger wird's nach dieser Niederlage nicht", sagt Horst Heldt. An Plan B, sprich Trainerwechsel, will der Schalke-Manager keine Gedanken verschwenden, "denn ich kann mich nicht selbst belügen."

    (02.02.2013)
    InteraktivSamstag, 18.30: FCB - S04 im Liveticker
    (Quelle: imago)
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     von Heiko Buschmann

    Es ist erst vier Monate her, als ganz Fußball-Deutschland über Schalke staunte. Nach dem besten Saisonstart seit 41 Jahren wurden die Königsblauen schon als Bayernjäger Nummer eins gehandelt. Vor dem Wiedersehen am Samstag (18.30 Uhr/zdfsport.de-Liveticker) ist davon wenig übriggeblieben, weil die Schalker offenbar jeglichen Jagdinstinkt eingebüßt haben. 

    Viermal war der FC Schalke in den vergangenen zwölf Jahren Vizemeister, zweimal hinter dem FC Bayern. Im dramatischsten Bundesligafinale aller Zeiten 2001 hatten die Gelsenkirchener sogar mehr als eine Hand an der Schale und wähnten sich zwischenzeitig immer mal wieder fast auf Augenhöhe mit dem deutschen Rekordmeister. Heute sind sie wirtschaftlich und sportlich weiter weg vom Branchenführer denn je.

    Rätselhafter Absturz

    Was ist nur in der kurzen Zeit, in der Schalke die Festungen London und Dortmund im Hurrastil stürmte bis hin zum Tiefpunkt am vergangenen Samstag mit der peinlichen 1:2-Heimniederlage gegen den Tabellenletzten Fürth passiert? Manager Horst Heldt und der von ihm als Nachfolger des Mitte Dezember beurlaubten Trainers Huub Stevens bestellte Jens Keller scheinen es selbst nicht zu wissen – zumindest wollen sie in der Öffentlichkeit nicht darüber reden.

     

    Die Gründe für die Krise sind in der Tat vielschichtig. Bis zur Mitte der Hinrunde spielte Schalke am oberen Limit seiner Möglichkeiten, seitdem weit darunter. Das hat mit verletzungsbedingten Ausfällen von Stammkräften wie Ibrahim Afellay und Kyriakos Papadopoulos zu tun, aber auch mit dem nervigen Vertragspoker der Stars Klaas-Jan Huntelaar und dem nach England abgewanderten Lewis Holtby, der beide Spieler in ihren Leistungen lähmte.

     

    Löchrige Abwehr

    Hinzu kommt ein teils desaströses Abwehrverhalten. Die Deckung, die in den Vorjahren oft das Prunkstück war, weist schon 31 Gegentore (Platz zwölf der Tabelle) auf. Insbesondere die Außen Atsuto Uchida und der am Samstag gelbgesperrte Christian Fuchs gelten als Sicherheitsrisiko, was gerade gegen den FC Bayern böse enden kann. Im Wintertrainingslager in Katar gab es eine 0:5-Klatsche gegen Franck Ribery und Co. Ähnliches erwarten die meisten Skeptiker unter den S04-Fans auch am Samstag.

     

    Die beiden Verantwortlichen behandeln derweil die Krise mit den üblichen Durchhalteparolen. „Wir treffen am Samstag auf eine der führenden Mannschaften Europas, die zudem personell aus dem Vollen schöpfen kann. Aber wir werden nicht schon von vornherein eine Niederlage in Kauf nehmen“, sagt Keller. So sieht es auch Manager Horst Heldt:  „Wir sind zwar klarer Außenseiter, aber es gibt keinen Grund, das Spiel in München abzuschenken. Wenn man das Derby in Dortmund gewinnt und in der Champions League beim FC Arsenal, warum sollten wir dann in München, Mainz und Istanbul chancenlos sein.“

    Rückendeckung für Keller

    Heldt stellt sich bewusst vor den stark in der Kritik stehenden Coach und dessen Spieler. „Wir müssen die jetzige schlechte Phase annehmen, aber es geht darum, da wieder herauszukommen. Wenn man sich von der Unruhe rund um den Verein nicht länger anstecken lässt und auf das Wesentliche konzentriert, können wir die nächsten schweren Spiele auch bestehen“, sagt der 42-Jährige. „Die Mannschaft hat die Qualität, das hat sie in der letzten Saison und zu Beginn dieser bewiesen. Wir haben es selbst in der Hand, die gesteckten Ziele gemeinsam zu erreichen.“

     

    Das Ziel ist der erneute Einzug in die Champions League, auch wenn Schalke auf Platz vier und somit die Qualifikation für Europas Königsklasse schon sieben Punkte Rückstand hat. Dabei wäre für den aktuellen Champions-League-Achtelfinalisten der abermalige Griff in den prall gefüllten Prämientopf der UEFA für die leere Kasse so wichtig. Denn während sich der FC Bayern dank eines Rekordumsatzes von 332,2 Millionen Euro selbst Spielerkäufe wie Javier Martinez für 40 Millionen Euro locker leisten kann, müssen die Königsblauen angesichts von immer noch 180 Millionen Euro Verbindlichkeiten weiter eisern sparen.

    Zwölf aus 16

    Wenn Schalke einen Angriff des Gegners zulässt, klingelt es meist im eigenen Kasten. Zwölf Gegentreffer bei 16 Torschüssen hat Trainer Jens Keller in den letzten vier Bundesligapartien gezählt, drei Viertel aller Versuche waren also drin. Kurios, denn Keeper Timo Hildebrand, der nach seiner Rückkehr ins S04-Tor seinerseits zunächst eine grauenhafte Quote von 13 Gegentoren bei 21 Schüssen auf seinen Kasten zulassen musste, war in den letzten beiden Spielen in Augsburg (0:0) und gegen Fürth (1:2) der beste Schalker.

    So bleibt die Aussicht, dem Vorzeigeverein aus München irgendwann tatsächlich einmal länger als nur für eine schöne Momentaufnahme die Stirn bieten zu können, wohl eine Utopie – vom Traum nach der ersten Meisterschaft seit 1958 ganz zu schweigen.

    09.02.2013
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