von Mathias Müller
Aus Ennepetal im südlichen Ruhrgebiet ins bayerische Oberstdorf, von der Teufelswiese auf die Lauberhornabfahrt: Andreas Sander fährt dieses Jahr seine zweite komplette Weltcup-Saison. Er ist wohl das größte Abfahrtstalent, das der Deutsche Skiverband derzeit hat. Und das will er in Wengen bei der Super-Kombi (Freitag, 10.30/14.00 Uhr - Zusammenfassung ab 16 Uhr im ZDF) und bei der Abfahrt (Samstag, ca. 12.30 Uhr im ZDF) unter Beweis stellen.
Auf der Teufelswiese, 300 Meter über dem Meeresspiegel, hat für Andreas Sander alles begonnen. Er stammt aus Ennepetal, einer 30.000-Einwohner-Stadt, die gerade mal 200 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Auf der Streif von Süd-Westfalen, wie Sander einst scherzte, erlernte er das Skifahren. Am Wochenende fährt er in Wengen die berühmt-berüchtigte Lauberhornabfahrt - Wengen liegt zirka 1250 Meter über dem Meer.
Super-Kombination der Herren
am Freitag, um ca. 16 Uhr
in SPORTextra und im Livestream
Zusammenfassung aus Wengen
Reporter: Michael Pfeffer
Experte: Marco Büchel
Sander hat nicht die typische Vita eines deutschen Skifahrers. Den bayerischen Einschlag bekam er erst mit 15 Jahren, als er ins Skigymnasium nach Oberstdorf wechselte, zuvor war sein Vater mit ihm zum Training viele Kilometer durch Europa gefahren.
Geduld ist die Grundlage des ErfolgesMit 21 Jahren durfte Sander bei der Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen starten. Im Super-G wurde er guter 21., in der Abfahrt zog er sich bei einem Sturz einen Innenbandriss zu. Seitdem stockt seine Entwicklung ein wenig, zwei 16. Plätze 2011 in Lake Louise und 2012 in Krasnaja Poljana sprangen als beste Resultate heraus. „In dieser Saison wollte ich mich unter den ersten 30 etablieren“, sagt Sander. Bisher sei das noch nicht gelungen, aber er habe ja noch Zeit. Der 23-Jährige spricht ruhig und gelassen, die Spielregeln hat er trotz seines jungen Alters schon verstanden: „Mit der Brechstange kann man nichts erzwingen.“
ZITAT
„In dieser Saison wollte ich mich unter den ersten 30 etablieren.”
Andreas Sander
Also immer schön locker bleiben und nicht verkrampfen, das gilt für ihn auch in Wengen. Eine Liebesbeziehung konnte er zu dieser Strecke bei seinen bisherigen Auftritten noch nicht aufbauen, aber vielleicht helfen ihm in diesem Jahr seine zwei Europacup-Einsätze. Im Gegensatz zu den meisten Kollegen ist Sander schon seit 8. Januar in der Schweiz und hat schon einige Pistenkilometer in den Beinen. Im ersten Rennen setzte er noch zwei Kurven in den Schnee, der zweite Lauf war dann besser. Sander lag nach den besten 30 Startern auf Platz sechs, fiel aber noch auf Rang 19 zurück, weil die Piste plötzlich schneller wurde. Er habe sich natürlich geärgert, im Europacup seien die Top-5 sein Ziel. Man hat aber dennoch nicht das Gefühl, dass ihn so etwas aus der Bahn wirft.
Hermann Maier als VorbildZu Beginn der Saison hatte er noch leichte Probleme mit der Materialumstellung, jetzt komme er aber besser zurecht. Man brauche beim Schwingen jetzt mehr Kraft und Zeit, analysiert Sander und ergänzt: „Ich würde gerne schneller fahren, am besten sofort. Aber das kann man nicht erzwingen“. Auftrieb geben ihm die guten Ergebnisse von Tobias Stechert in dieser Saison und auch die Erfolge von Felix Neureuther und Fritz Dopfer. „Das hebt die Stimmung in der Mannschaft und pusht uns zusätzlich. Man sieht, dass wir richtig trainieren. Unsere Techniker haben auch eine schwere Zeit hinter sich“, so Sander.
Für das Wochenende ist seine Devise klar: Ins Ziel kommen und weitere Erfahrungen sammeln – und mehr Konstanz zeigen. Die Schlüsselstellen sind für Sander das Brüggli-S und der Hundsschopf, dort kann man viel Geschwindigkeit verlieren, die in den anschließenden Gleitstücken dann fehlt. Selbst wenn es an diesem Wochenende noch nicht zu 100 Prozent klappen sollte, muss sich Andreas Sander nicht verrückt machen. Hermann Maier, den er einst als Vorbild bezeichnete, hat seinen ersten Weltcupsieg auch erst im Alter von 25 Jahren gefeiert.