Bundesliga - Eintracht Frankfurt
Randalemeister war gestern
Schlagzeilen sollen die Auftritte der Fußballer machen und nicht die Ausschreitungen der Fans. Unter diesem Motto steht bei Eintracht Frankfurt auch die Auswärtspartie bei Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr/ab 23 Uhr im sportstudio).
Vor dem Topspiel des 22. Spieltags sind in der als problematisch bekannten Anhängerschaft erste Anzeichen der Besserung zu erkennen. Auf einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung am Sonntag soll sogar eine Satzung verabschiedet weden, bei der Verzicht auf Pyrotechnik verankert werden soll.Ganze Aufmerksamkeit den FansEs kommt in diesen bewegten Wochen schon einmal vor, dass Axel Hellmann von einem Bundesligaspiel nur Bruchstücke wahrnimmt. Dabei ist das Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt bei jeder Partie vor Ort. Doch in der vergangenen Woche, nach der Nullnummer gegen den 1. FC Nürnberg, hat sich der 41-Jährige erst hinterher erzählen lassen, dass Torwart Kevin Trapp den Punkt festgehalten hatte.
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„Wir können im Vorfeld nicht in jeden Kopf reinschauen.”Axel Hellmann
Unter Beobachtung von DFB und DFL
In Dortmund geht es für die hessischen Überflieger, die sich zum Champions-League-Anwärter entwickelt haben, um mehr als nur drei Punkte. Nach einem Teilausschluss der Zuschauer zum Saisonauftakt gegen Bayer Leverkusen und abgebrannten Bengalos zum Rückrundenstart in Leverkusen wird die Anhängerschaft mit Argusaugen beobachtet. Von Polizei und Ordnungskräften, von DFB und DFL.
2011 in Dortmund: Die Eintracht am Tiefpunkt
Fans fühlen sich endlich mitgenommen
Doch seitdem hat sich einiges verändert – zum Positiven. „Nach den Vorfällen in der vergangenen Zweitliga-Saison – in Aachen, gegen 1860 und in Karlsruhe – begann in der Fanszene bereits ein Umdenken in Bezug auf Pyrotechnik“, erklärt Hellmann, der einerseits in der DFL-Kommission am umstrittenen Sicherheitskonzept mitgearbeitet, andererseits den permanenten Meinungsaustausch mit den einflussreichen Fangruppierungen gesucht hat. Ein bemerkenswerter Spagat. Heute spricht der Jurist von einem „vorbildlichen Dialog mit der organisierten Fanszene“.
Das Sicherheitspapier lag in Frankfurt früh als Diskussionsgrundlage vor. Es gab Treffen und Zusammenkünfte; die Fans äußerten Kritik, gaben Anregungen und – wenn sie auch nicht in allen Punkten einverstanden waren – fühlten sich eingebunden. Aus diesem Grund lässt sich auf einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung an diesem Sonntag vermutlich eine Satzung verabschieden, bei der Verzicht auf Pyrotechnik verankert werden soll. Dazu ein vereinsinterner Sanktionsmechanismus, "der es uns erlaubt – abseits einer Sanktionierung durch Polizei und Staatsanwaltschaft – Fehlverhalten zu bestrafen“ (Hellmann).
Eigenverantwortung statt Selbstreinigung
Offenbar haben langjährige Wegbegleiter der Eintracht gewissermaßen die „Schnauze voll“, wie Hellmann sagt, und die Übeltäter selbst gemaßregelt. „Von den Tätern aus Leverkusen sind uns mittlerweile 14 namentlich bekannt. Es handelt sich dabei um Heranwachsende, die nicht ausschließlich einer Gruppierung zugeordnet werden können“, erläutert Hellmann. Er möchte aber nicht von „Selbstreinigung“ sondern lieber von „Eigenverantwortung“ reden.
Sein Fankonzept beruht auf drei Säulen: Die erste und wichtigste beinhaltet alle Dialogformen, die sich vom alteingesessenen Fanclub bis zum Ultra richten. Zweitens sollen alle Personen, die sich nicht regelkonform verhalten, etwa mittels hochauflösenden Kameras im Rahmen eines Identifizierungs- und Personifizierungskonzeptes ausfindig gemacht werden. „Und drittens wird es eine Sanktionierung der Täter geben, die insbesondere eine zivilrechtliche Inanspruchnahme beinhaltet.“ Das könnte die Brandstifter aus der BayArena treffen.
Lob von Hessens Innenminister und der Frankfurter Polizei
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„Ich glaube fest daran, dass nichts mehr passieren wird in dieser Saison”Andreas Hornung
Und die Polizei schrieb in Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen beim Nürnberg-Spiel in ihre Pressemitteilung: „Die Fans der Eintracht reagierten gar nicht auf diese Geschehnisse, sondern straften sie durch bewusste Ignoranz.“ Dass sich die Friedfertigkeit fortsetzt, ist elementar. Nur so lässt sich für den Traditionsverein mit seinem treuen Klientel vor dem DFB-Sportgericht vielleicht noch ein „Geisterspiel“ verhindern.
Fanexperten und Szenekenner sind zuversichtlich
„Ich glaube fest daran, dass nichts mehr passieren wird in dieser Saison“, sagt der frühere Fansprecher und Szenekenner Andreas Hornung. Auch Stefan Minden, Leiter der Fanabteilung, hat eine Besserung erkannt, die auf die gegenseitige Gesprächsbereitschaft fußt. Und einer Erkenntnis, die Hellmann so umschreibt: „Aus der Szene ist zu vernehmen, dass sie selbst wissen, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist.“




