Print Logo

merkzettel

Bundesliga - Eintracht Frankfurt

Randalemeister war gestern

  • Video Kampf gegen Fußballgewalt
  • Interaktiv Nichts verpassen im Liveticker!
  • VideoKampf gegen Fußballgewalt

    Kaum startet die Rückrunde der Bundesliga, sorgt Fußballgewalt im Umfeld von Spielen wieder für Schlagzeilen. In den vergangenen zwölf Jahren hat sich die Zahl der Straftaten verdreifacht.

    (12.02.2013)
    InteraktivNichts verpassen im Liveticker!
    (Quelle: ZDF)

    Kurzmeldung

    • 12:21 27.01.2013Kurzmeldung

      Eintracht-Fans beziehen Stellung 12:21 27.01.2013
      Heribert Bruchhagen wusste nicht genau, worüber er sich mehr freuen sollte: Über den Siegtreffer zum 2:1 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim oder über die Plakate, die während dieses Spiels im Stadion von Eintracht Frankfurt ausgerollt wurden. "Pyromanen aussortieren!!!" stand darauf. Oder: "Keine Macht den Chaoten. Ihr nervt!" Die Fans der Eintracht hatten damit das von allen im Verein erhoffte Zeichen gegen jene Randalierer in ihren eigenen Reihen gesetzt, die eine Woche zuvor beim 1:3 in Leverkusen noch für eine Unterbrechung des Spiels gesorgt hatten.

     Von Frank Hellmann, Frankfurt

    Schlagzeilen sollen die Auftritte der Fußballer machen und nicht die Ausschreitungen der Fans. Unter diesem Motto steht bei Eintracht Frankfurt auch die Auswärtspartie bei Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr/ab 23 Uhr im sportstudio). 

    Vor dem Topspiel des 22. Spieltags sind in der als problematisch bekannten Anhängerschaft erste Anzeichen der Besserung zu erkennen. Auf einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung am Sonntag soll sogar eine Satzung verabschiedet weden, bei der Verzicht auf Pyrotechnik verankert werden soll.

    Ganze Aufmerksamkeit den Fans

    Es kommt in diesen bewegten Wochen schon einmal vor, dass Axel Hellmann von einem Bundesligaspiel nur Bruchstücke wahrnimmt. Dabei ist das Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt bei jeder Partie vor Ort. Doch in der vergangenen Woche, nach der Nullnummer gegen den 1. FC Nürnberg, hat sich der 41-Jährige erst hinterher erzählen lassen, dass Torwart Kevin Trapp den Punkt festgehalten hatte.


    ZITAT
    Wir können im Vorfeld nicht in jeden Kopf reinschauen.
    Axel Hellmann
    „Ich habe mich gegen Nürnberg persönlich auf dem Umlauf bewegt, um mit Polizei und Sicherheitsbeauftragten die Situation zu bewerten, und ich werde auch in Dortmund bei Bedarf für alle Entscheidungen vor Ort zur Verfügung stehen“, sagt der für die Frankfurter Fanbelange zuständige Hellmann vor dem Topspiel beim BVB gegenüber ZDF.de. „Ich gehe aber davon aus, dass das nicht nötig ist – wir können aber im Vorfeld nicht in jeden Kopf reinschauen.“


    Unter Beobachtung von DFB und DFL
    In Dortmund geht es für die hessischen Überflieger, die sich zum Champions-League-Anwärter entwickelt haben, um mehr als nur drei Punkte. Nach einem Teilausschluss der Zuschauer zum Saisonauftakt gegen Bayer Leverkusen und abgebrannten Bengalos zum Rückrundenstart in Leverkusen wird die Anhängerschaft mit Argusaugen beobachtet. Von Polizei und Ordnungskräften, von DFB und DFL.


    Eintracht Frankfurt Fans mit "Randalemeister"-Plakat

    2011 in Dortmund: Die Eintracht am Tiefpunkt

    Beim letzten Auswärtsauftritt in Dortmund im Mai 2011, als der bittere Abstieg besiegelt wurde, entrollten Frankfurter Anhänger ein Plakat mit der Aufschrift „Randalemeister 2011“. Bei Vorstandschef Heribert Bruchhagen löste das beinahe ähnliches Bauchgrimmen aus wie die Rückversetzung in die Zweitklassigkeit.


    Fans fühlen sich endlich mitgenommen
    Doch seitdem hat sich einiges verändert – zum Positiven. „Nach den Vorfällen in der vergangenen Zweitliga-Saison – in Aachen, gegen 1860 und in Karlsruhe – begann in der Fanszene bereits ein Umdenken in Bezug auf Pyrotechnik“, erklärt Hellmann, der einerseits in der DFL-Kommission am umstrittenen Sicherheitskonzept mitgearbeitet, andererseits den permanenten Meinungsaustausch mit den einflussreichen Fangruppierungen gesucht hat. Ein bemerkenswerter Spagat. Heute spricht der Jurist von einem „vorbildlichen Dialog mit der organisierten Fanszene“.


    Links
    Bayern siegen in Wolfsburg
    Das Sicherheitspapier lag in Frankfurt früh als Diskussionsgrundlage vor. Es gab Treffen und Zusammenkünfte; die Fans äußerten Kritik, gaben Anregungen und – wenn sie auch nicht in allen Punkten einverstanden waren – fühlten sich eingebunden. Aus diesem Grund lässt sich auf einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung an diesem Sonntag vermutlich eine Satzung verabschieden, bei der Verzicht auf Pyrotechnik verankert werden soll. Dazu ein vereinsinterner Sanktionsmechanismus, "der es uns erlaubt – abseits einer Sanktionierung durch Polizei und Staatsanwaltschaft – Fehlverhalten zu bestrafen“ (Hellmann).


    Eigenverantwortung statt Selbstreinigung
    Offenbar haben langjährige Wegbegleiter der Eintracht gewissermaßen die „Schnauze voll“, wie Hellmann sagt, und die Übeltäter selbst gemaßregelt. „Von den Tätern aus Leverkusen sind uns mittlerweile 14 namentlich bekannt. Es handelt sich dabei um Heranwachsende, die nicht ausschließlich einer Gruppierung zugeordnet werden können“, erläutert Hellmann. Er möchte aber nicht von „Selbstreinigung“ sondern lieber von „Eigenverantwortung“ reden.


    Sein Fankonzept beruht auf drei Säulen: Die erste und wichtigste beinhaltet alle Dialogformen, die sich vom alteingesessenen Fanclub bis zum Ultra richten. Zweitens sollen alle Personen, die sich nicht regelkonform verhalten, etwa mittels hochauflösenden Kameras im Rahmen eines Identifizierungs- und Personifizierungskonzeptes ausfindig gemacht werden. „Und drittens wird es eine Sanktionierung der Täter geben, die insbesondere eine zivilrechtliche Inanspruchnahme beinhaltet.“ Das könnte die Brandstifter aus der BayArena treffen.


    Lob von Hessens Innenminister und der Frankfurter Polizei
    ZITAT
    Ich glaube fest daran, dass nichts mehr passieren wird in dieser Saison
    Andreas Hornung
    Offenbar hat die Frankfurter Vereinsführung endlich den richtigen Weg eingeschlagen. Ungewohntes Lob gab es zuletzt sogar vom Innenministerium und der Polizei. „Das Verhältnis, die Zusammenarbeit und die Kommunikation sind besser denn je“, stellte der hessische Innenminister Boris Rhein fest.


    Und die Polizei schrieb in Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen beim Nürnberg-Spiel in ihre Pressemitteilung: „Die Fans der Eintracht reagierten gar nicht auf diese Geschehnisse, sondern straften sie durch bewusste Ignoranz.“ Dass sich die Friedfertigkeit fortsetzt, ist elementar. Nur so lässt sich für den Traditionsverein mit seinem treuen Klientel vor dem DFB-Sportgericht vielleicht noch ein „Geisterspiel“ verhindern.


    Fanexperten und Szenekenner sind zuversichtlich
    „Ich glaube fest daran, dass nichts mehr passieren wird in dieser Saison“, sagt der frühere Fansprecher und Szenekenner Andreas Hornung. Auch Stefan Minden, Leiter der Fanabteilung, hat eine Besserung erkannt, die auf die gegenseitige Gesprächsbereitschaft fußt. Und einer Erkenntnis, die Hellmann so umschreibt: „Aus der Szene ist zu vernehmen, dass sie selbst wissen, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist.“

    15.02.2013
    1. Drucken
    2. Merken
    3. Versenden
    4. Teilen auf:

    Merkliste

    Papierkorb Bild
    Merkliste versenden Merkliste schließen

    Merkliste

    Merkliste versenden

    Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.



     
    * Pflichtfelder  
    Datenschutz
    Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
    Zurück zur Merkliste Absenden Button

    Merkliste

    Hinweis

    Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

    Zurück zur Merkliste Merkliste schließen