SPORTreportage - Winterspiele 2014
Putins Spiele - ein Jahr vor Sotschi
VideoWarmlaufen für die Winterspiele
VideoSotschi 2014: "Geld spielt keine Rolle"
VideoOK-Chef: "Wir sind im Plan"
VideoSotschi vor den Winterspielen 2014
Die Sportstätten in Sotschi, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014, werden rechtzeitig fertig. Dennoch machen sich die Organisatoren Sorgen. Es geht um zu wenig Schnee und zu weite Wege.
Endlich Schnee! In dicken nassen Flocken fällt er auf Krasnaja Poljana, den sogenannten „Bergcluster“ der Olympischen Winterspiele von Sotschi. Hier starten an diesem Wochenende die nordischen Kombinierer, die seit Tagen sorgenvoll in den Himmel geblickt und durch knöcheltiefen Matsch gewatet waren. Nun scheint das Stoßgebet der Organisatoren erhört worden zu sein—der Schnee ist zwar nass, und die Temperatur leicht über null—aber er deckt barmherzig zu, was bis dahin noch allzu sichtbar war: Rund um die Sprungschanze herrscht das reinste Baustellenchaos.Noch viel zu tun
Am Freitagabend auf der letzten Sitzung der nationalen Teamchefs mit dem Renndirektor machen die Trainer dem russischen Organisationskomitee deutlich, dass es noch viel zu tun gibt bis zur Eröffnung am 7. Februar 2014. Wegen des zuerst mangelnden, und dann zu nassen Schnees muss die Rennstrecke für die Kombinierer gekürzt werden, es fehlt eine Piste zum Aufwärmen. „Können Sie dafür sorgen, dass an der Rennstrecke jemand englisch spricht?“, „Wann werden die Toilettentüren funktionieren?“, „Bitte achten Sie darauf, dass der Kunstschnee im richtigen Winkel auf die Schanze gesprüht wird!“ Die Testwettbewerbe bringen ans Licht, woran noch gearbeitet werden muß.
ZDF SPORTreportage
Sonntag, 17.10 Uhr
Moderator: Rudi Cerne
Themen: Nachberichte zur Fußball-Bundesliga, Fußball-Story zum Afrika Cup, 50 Jahre Bundesliga, ein Jahr vor den Winterspielen und alles Wichtige zum Wintersport
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Geld spielt keine Rolle
Der gesamte Druck des Kreml steckt dahinter—Geld spielt keine Rolle, schon jetzt werden dies die teuersten Winterspiele aller Zeiten. Das vor Jahren bei neun Milliarden Euro veranschlagte Budget hat sich inzwischen auf 24 Milliarden Euro verdreifacht. Macht nichts, es geht um das Prestige Russlands, um die Verwirklichung einer Idee eines Mannes: Wladimir Putin. Eilfertige Oligarchen haben komplette Skidörfer und Hotelkomplexe spendiert, um dem Präsidenten zu gefallen, an jeder Ecke spürt man: Diese Spiele sind ein Kommandoprojekt des Kreml. Ein Jahr vor der Eröffnungsfeier bestehen also wenig Zweifel, dass die Sportstätten fertig werden.
Nachgearbeitet werden muß aber noch an den langen Wegen und der Logistik. Durch die Spiele „auf drei Etagen“ müssen die Athleten ständig von der Küste in die Berge und zurück. „ Das Organisations-Team ist noch sehr jung, es hat nicht viel Erfahrung,“ sagt der Renndirektor der nordischen Kombination, der Norweger Lars Ottesen. „Für uns ist da einmal das Schneeproblem, Infrastruktur und Logistik sind Punkt Nummer zwei. Wenn die Athleten nach unten müssen für die Medaillenzeremonien und zum Wettkampf wieder rauf, dann wird das problematisch. “In der Tat, unser ZDF-Team hat bislang noch bei jedem Sotschi-Aufenthalt in einem mehrstündigen Stau gestanden, und das ohne die zweifellos sehr strengen Sicherheitskontrollen, die während der Spiele herrschen werden.
Angst vor Anschlägen
Schon gibt es Befürchtungen, dass die Angst vor Anschlägen aus den kaukasischen Nachbarrepubliken die russischen Behörden veranlassen könnte die Zuschauerzahlen bei den Wettbewerben erheblich zu begrenzen. Schon jetzt gibt es Sicherheitschecks auf Schritt und Tritt, Polizei, Überwachungskameras und Bodyscanner beherrschen das Bild. Seit Monaten spielen Armee und der russische Geheimdienst Szenarien von Terrorattacken, Geiselnahmen und Anschlägen durch. Wer wird sich durchsetzen, die Angst vor Terror oder der olympische Gedanke?
Eins scheint aber klar: Es werden keine Spiele für die Menschen von Sotschi. Hier herrscht nach anfänglichem Enthusiasmus die totale Ernüchterung . Neben den gigantischen Baustellen in Krasnaja Poljana liegt noch das alte Dorf. Ehedem eine verschlafene Ansammlung von Holzhäusern. Früher, so erinnern sich die Bewohner, gab es hier Bären, klare Bäche und ein paar versprengte Bergsteiger und Skiläufer. Jetzt wohnen die Dörfler neben der Baustelle des Jahrhunderts. Tag und Nacht donnern riesige LKW die alte Straße entlang. Schmutz, Staub und Lärm. Seit zwei Jahren ohne Pause.
Die Straßenzüge sind jetzt auf englisch beschriftet, in der „Turchinskij Street“ Nr. 17 wohnt Anatolij Safronow. Er hat eine kleine Autowerkstatt und versteht die Welt nicht mehr. Noch zu keinem der Testwettbewerbe sei auch nur ein Dorfbewohner eingeladen worden, die olympischen Spiele gingen komplett an den „Ureinwohnern“ vorbei. „Da drüben bauen sie das Modernste vom Modernen, und wir haben keinen Gasanschluß“, schimpft Anatolij. Die Natur werde durch die Bauten zerstört und die Dorfbewohner im Namen von Olympia ständig gegängelt. „Mal sollen wir alle die Dächer grün decken, mal alle Gartenzäune braun streichen, alles damit wir 'olympisch' aussehen. Unter diesem Vorwand zieht die örtliche Verwaltung uns noch das Geld aus den Taschen!“
Gut für das Land, aber nicht für die Anwohner
Mit wem wir auch sprechen: Im ersten Satz sagen die Menschen in Sotschi und in Krasnaja Poljana, dass die Winterspiele sicher gut seien fürs Land. Aber nicht für die Anwohner. Die Frage, was nach den Spielen aus den olympischen Wettkampfstätten werden soll, ist gänzlich ungeklärt. Schon hat die Trainerin des russischen Skirennverbandes, Jelena Wjalbe, angekündigt, ihre Sportler könnten sich die Hotel und Trainingskosten in Krasnaja Poljana nicht leisten.
Jetzt vor den Spielen zahle ja die Regierung, aber danach? Viele zweifeln, ob russische Touristen tatsächlich fortan in den olympischen 5-Sterne-Hotels Urlaub machen werden oder nicht doch gleich nach St. Moritz oder Ischgl fahren? Sotschi, die Stadt am Schwarzen Meer, wird fortan drei Eis-Stadien besitzen. Eines davon, Eisberg, könne aber ab-und anderem Ort wieder aufgebaut werden, sagt das Organisationskomitee. Der Countdown für die Winterspiele läuft auf Hochtouren. Und der frischgefallene Schnee von Krasnaja Poljana ist schon fast wieder weggetaut.
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