Langlauf
Peter Leissl checkt die WM-Favoriten
Starke norwegische Frauen im Langlauf
VideoSo funktioniert der Langlauf-Sprint
Laut Sportdirektor Pfüller befinden sich die deutschen Langläufer in einer "Umbruchphase", Medaillen sind von ihnen eher nicht zu erwarten. Wer sind also die Favoriten auf die Langlauf-Medaillen bei der WM in Val di Fiemme? Klar ist: Am starken norwegischen Team kommt so schnell keiner vorbei. ZDF-Reporter Peter Leissl stellt seine Favoriten im WM-Check vor.
Peter Leissl, ZDF-Reporter Langlauf
Quelle: ZDF
Quelle: ZDF
Die Favoriten bei den Frauen
Marit Björgen, Norwegen
Die Sphinx.
Die erfolgreichste Langläuferin aller Zeiten (58 Weltcupsiege!) zeigte sich in diesem Winter selten im Weltcup. Ließ die Tour de Ski nach rätselhaften Herzrhythmusstörungen aus. Kassierte in Davos im Klassiksprint eine Niederlage gegen Kowalczyk und ließ daraufhin die 15 km aus. Ist sie wirklich wieder in der Verfassung von Oslo 2011, wo sie dreimal WM-Gold holte?
Denise Herrmann, Deutschland
Die positive Überraschung.
Die sympathische Sächsin hat den größten Sprung nach vorn gemacht im deutschen Frauen-Team. Lief eine glänzende Tour de Ski, bei der sie erst zum Ende hin die Kräfte verließen. Hat den Sprung zur Distanzläuferin geschafft. „Favoritin“ ist vielleicht zu viel gesagt. Dennoch: In den Sprints, ob allein oder im Team, hat sie die besten Chancen, in die Nähe des Podiums vorzurücken.
Therese Johaug, Norwegen
Der rasende Loipenfloh.
Längst ist Norwegens Langlauf-Top-Model auf Augenhöhe mit Björgen und Kowalczyk, zumindest auf den Langdistanzen. Zog beim letzten Test in Davos wie entfesselt davon und schlug Kowalczyk über 10 km – ihr erster Weltcup-Sieg in einem Intervallstart. Drei Medaillenchancen in Einzelrennen hat das norwegische Leichtgewicht.
Charlotte Kalla, Schweden
Die Skating-Queen.
Die dynamische Nordschwedin ist schon in jungen Jahren zu großen Erfolgen gekommen. Mit 21 Tour de Ski-Siegerin. Mit 22 Olympiagold über 10 km Freistil. Hier hat sie wohl auch die besten Chancen. Wenngleich sie zuletzt einige Rückschläge erleiden musste (in Davos sogar von Teamkollegin Emma Wikén übertrumpft wurde) und ihr letzter Weltcup-Sieg schon drei Jahre zurückliegt. Doch Kalla ist eine Kämpferin.
Justyna Kowalczyk, Polen
Das „Tier“.
Ist nach ihrem souveränen Sieg im Klassik-Sprint von Davos Favoritin für den WM-Auftaktwettbewerb. Im Skating-Stil deutlich schwächer einzuschätzen. Deshalb ist die Tour de Ski-Siegerin 2010-2013 dann erst wieder im letzten Wettbewerb über 30 km klassisch im Massenstart eine Kandidatin auf Gold.
Kikkan Randall, USA
Die Sprint-Königin.
Mit 30 scheint die Frau aus Alaska ihren Leistungszenit erreicht zu haben. Führt klar im Sprint-Weltcup. Wäre für den WM-Sprint Top-Favoritin, wenn er im Freien Stil gelaufen würde. Klassisch hat die Athletensprecherin und Führungsfigur einer jungen US-Mannschaft mehr Probleme. Schied in Davos überraschend im Halbfinale aus.
Kristin Störmer Steira, Norwegen
Die Test-Weltmeisterin.
Siegte schon zweimal bei Olympiatests, so zuletzt in Sotschi auf schwerer Loipe und bei Schneefall. Wenn´s drauf ankommt, ist die exzellente Geländeläuferin dann oft aber nur zweite Siegerin. Noch ohne WM-Einzeltitel. Aber vor allem im Skiathlon hat sie diesmal reelle Chancen auf Gold.
Die Favoriten bei den Männern
Tobias Angerer, Deutschland
Der Evergreen.
Mit 35 darf Deutschlands Vorzeigeläufer der letzten Jahre noch mal von einer erfolgreichen WM träumen. In dieser Saison mit einigen sehr respektablen Ergebnissen. Der Massenstart bei der Tour de Ski am vorletzten Tag zeigte: Angerer mag die Loipen im Val di Fiemme. Da verpasste er das Podium nur, weil ihn Legkow kurz vor der Ziellinie abdrängte. Wenn alles passt, kann Angerer seinen drei Einzel-Medaillen bei WM (2 x Silber und 1 x Bronze) durchaus eine weitere hinzufügen.
Dario Cologna, Schweiz
Der Ästhet.
So kontrolliert und kraftvoll, so technisch sauber und doch atemberaubend schnell läuft keiner wie der ruhige Schweizer. Nach außen so gutmütig wie ein Lawinenhund. In ihm aber brodelt´s: Olympiasieger war er, Weltcup-Gesamtsieger (drei Mal), und Tour de Ski-Gesamtsieger (auch drei Mal!) – aber ein WM-Titel fehlt Cologna. Der Fluch der Vielseitigkeit: Fast hat er zu viele Chancen, vom Sprint bis zur Langstrecke – und könnte dennoch am Ende wieder ohne Titel nach Hause reisen.
Emil Joensson, Schweden
Das Kraftpaket.
Wenn Joensson auf kurzen und knackigen Anstiegen seinen Turbo zündet, bleibt der Konkurrenz meist nur das Nachsehen. Außer bei WM-Bronze vor zwei Jahren war er bei Großereignissen aber nie vom Glück verfolgt. Er ist derzeit der dominierende Sprinter im Weltcup: im klassischen Stil noch einen Tick stärker. Kann sich eigentlich nur selbst schlagen - wie in Davos, als er im Halbfinale am Startgate hängen blieb und ihm der Stock brach.
Alexander Legkow, Russland
Der Gipfelstürmer.
Keiner flog so schnell die Alpe Cermis hinauf zum Tour de Ski-Gesamtsieg wie der 29-jährige Russe. Legkow scheint inzwischen so gereift, dass er solche Kraftanstrengungen wegstecken kann. Anders noch 2007 als junger Athlet: Da ruinierte er sich anderthalb Winter durch seinen überraschenden zweiten Platz hinter Tobias Angerer. In Davos als Dritter hinter Olsson und Cologna schon wieder auf Tuchfühlung zur Spitze.
Petter Northug, Norwegen
Das Enfant Terrible.
Norwegens populärster Sportler muss sich für die WM neu motivieren, nachdem sein großes Saisonziel, der Tour de Ski-Sieg, wieder unerfüllt blieb. Wirkte in Davos beim letzten Test im Individualstart über 15 km noch nicht auf der Höhe und verpasste die Top Ten. In den Massenstarts jedoch kann sich Northug immer um Etliches steigern, der Kampf Mann gegen Mann liegt ihm. Und wenn er zu seinem Endspurt ansetzt, bleibt kein Auge trocken.
Johan Olsson, Schweden
Der Mann fürs Besondere.
Olsson schafft es nicht, eine ganze Saison an der Spitze mitzulaufen. Aber kaum einer kann sich so punktgenau in Form bringen wie der Mann aus Mittelschweden. Bei seinem Sieg in Davos sahen wir den Olsson der Olympischen Spiele von Vancouver (2 x Bronze im Einzel, Gold mit dem Team). Wenn er gesund bleibt, der Topfavorit im Individualstart über 15 km Freistil.
Alexej Poltoranin, Kasachstan
Der Geheimfavorit.
Der Kasache überzeugte in dieser Saison mehrfach mit unwiderstehlichen Tempoläufen. Lang und kraftvoll sein Schritt. Er führte ihn zu zwei Etappensiegen bei der Tour de Ski. Im Klassiksprint von Davos lief er allen vorzeitig davon und musste seine Endspurtqualitäten gar nicht mehr zeigen. Denn die sind nicht überwältigend. In Val di Fiemme wird Poltoranin im Klassiksprint wohl dieselbe Taktik anwenden. Seit Wladimir Smirnow in den Neunzigern kam kein solch starker Langläufer mehr aus den Weiten Asiens.
Axel Teichmann, Deutschland
Der Rückkehrer.
Vor zehn Jahren holte er sich als 23-Jähriger Gold über 15 km im Val di Fiemme. Teichmanns Titel läutete die erfolgreichste Phase deutscher Langläufer ein. Ihm selbst gelang es 2007 noch einmal, bei einer WM ganz oben zu stehen. Danach wurden die Erfolgserlebnisse immer seltener. 2 x Olympia-Silber in Vancouver zeigten noch einmal Teichmanns unbestrittenes Potential. Die laufende Saison konnte er schon beinahe abhaken, doch mit dem überraschenden vierten Platz in Davos bringt sich der Thüringer mit einem Schlag wieder ins Gespräch.




