von Andreas Morbach
Auf einen Podestplatz in einem Einzelrennen warten Deutschlands hoch gelobte Biathleten 2013 noch. Vor der WM-Generalprobe in Antholz, wo am Freitag (14.45 Uhr, live im ZDF) der Sprint ansteht, sind die DSV-Männer trotzdem entspannt. Erik Lesser, ihr Aufsteiger des Winters, sowieso.
Die guten Wünsche des Arnd Peiffer kamen ausgesprochen wackelig daher. „Ehrlich gesagt, tauschen möchte ich nicht mit ihm“, schluckte der Sprint-Weltmeister von 2011 allein schon beim Gedanken daran, was seinem Teamkollegen Erik Lesser da im Staffelrennen von Ruhpolding blühte. Ein direktes Kräftemessen mit Branchenriesen wie Martin Fourcade oder Emil Hegle Svendsen – als Schlussläufer der deutschen Staffel, vor dem ebenso feierfesten wie anspruchsvollen Heimpublikum.
Mit den Besten mitgehalten
Biathlon-Weltcup live im ZDF
Ab 14.15 Uhr:
10 km Sprint Herren
Übertragung aus Antholz/Itlalien
Reporter: Christoph Hamm, Herbert Fritzenwenger
Moderation: Alexander Ruda
Experte: Sven Fischer
Lesser, der Schnauzbartträger aus dem Thüringer Wald, bestand die von Bundestrainer Mark Kirchner angeordnete Mutprobe mit Bravour. Zumindest am Schießstand, wo der 24-Jährige, wie ein alter Hase, beide Prüfungen fehlerfrei absolvierte. Trotz eines Sturzes vor der Liegendübung. Auf die letzte Schleife ging Mister Zielsicher sogar mit einem hauchdünnen Vorsprung auf den Weltcupführenden Fourcade, musste neben dem Franzosen und dem Norweger Svendsen aber auch noch den ausgebufften Österreicher Christoph Sumannn (36) an sich vorbeiziehen lassen.
Angetan waren die Zuschauer in der Chiemgau-Arena trotzdem – in erster Linie von Lessers Nervenstärke beim Abräumen der schwarzen Scheiben. Und auch sein Trainer bereute es nicht, dem gebürtigen Suhler, der noch in der letzten Saison nur sporadisch im Weltcup zum Einsatz kam und am Ende als beste Platzierung einen 22. Platz vorzuweisen hatte, so viel Verantwortung aufgeladen zu haben. „Erik hat gezeigt, dass er mit den Besten mithalten kann“, lautet Kirchners zentrale Erkenntnis – vor der WM-Generalprobe der Biathleten in Antholz, in die Lesser als aktuell zweitbester Deutscher nach Andreas Birnbacher startet.
Psychologischer Baustein
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„Erik hat gezeigt, dass er mit den Besten mithalten kann”
Mark Kirchner
Probleme hat der Absolvent des Sportgymnasiums Oberhof primär noch mit der Puste. Denn die geht Lesser gegen Ende seiner Rennen regelmäßig aus, manchmal einfach aus Unerfahrenheit. So wie bei der Männerstaffel in Oberhof, als er sich, damals an Position zwei gestartet, von den Fans an der Strecke zu einem zu hohem Tempo hinreißen ließ, so dass ihm im Finish die Kräfte schwanden – und Altmeister Ole Einar Björndalen (38) noch an ihm vorbeisauste.
„In der letzten Runde“, atmete der Biathlet vom SV Eintracht Frankenhain damals erstaunt durch, „ist mir der Ole doch ein bisschen fliegen gegangen.“ Lessers enormen Ehrgeiz stacheln solche Erlebnisse jedoch nur an. „Man will ja auch immer, dass der Gegner ein bisschen Angst vor einem hat“, benennt er einen wichtigen psychologischen Baustein in seiner Sportlerkarriere, weiß aber zugleich: „Das erreicht man erst, wenn entsprechende Erfolge da sind.“
Bloß nicht grübeln
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„Man will ja auch immer, dass der Gegner ein bisschen Angst vor einem hat”
Eri Lesser
Er selbst setzte seine eindrucksvollste Duftmarke gleich beim allerersten Weltcuprennen der Saison, als er in Östersund im Einzel über 20 Kilometer Dritter wurde. Der Sprung hinauf aufs Treppchen fällt den DSV-Männern inzwischen allerdings etwas schwer. Aus ihren Reihen stand zuletzt der 31-jährige Birnbacher auf dem Podium, am 16. Dezember, bei seinem Sieg im Massenstart von Pokljuka. Hinzu kam noch Platz drei mit der Staffel in Oberhof – wegen der fehlenden Prachtresultate für das hoch gelobte deutsche Team will Arnd Peiffer drei Wochen vor der WM aber nicht ins Grübeln verfallen.
„Wir sind auf dem richtigen Weg, auch wenn die Ergebnisse etwas anderes sagen“, wiegelte der Wahl-Oberhofer in Ruhpolding zuletzt ab. Und auch sein Mitstreiter Erik Lesser bevorzugt die unaufgeregte Sicht auf die Dinge. „Druck von Außen spüre ich nicht. Höchstens bei Fragen von der Medienseite, warum es am Ende nicht für ein paar Plätze weiter oben gereicht hat“, erklärt der Thüringer trocken.
Eigene TaktikLieber greift Deutschlands Biathlon-Aufsteiger des Winters auf seine eigene Taktik zurück. Wird er medial hochgejubelt, bremst er sich selber ein – und geht es andersherum, schwingt er sich umgehend zu seinem flammendsten Fürsprecher auf. „Nur das Positive zu sehen – davon werde ich auch nicht besser“, gibt Lesser einerseits den Musterschüler, erwähnt andererseits aber sein Credo: „Ich versuche schon, auch in einem schlechten Rennen etwas Gutes zu sehen. So, dass ich damit gut ins Bett gehen kann.“