CL-Qualifikation: Kiew - Mönchengladbach
Kiew: Die Champions League als Beruhigungsmittel
VideoGladbach enttäuscht gegen Kiew
AbstimmungSchafft Gladbach das Wunder?
von Tino KünzelDynamo Kiew war einst die unumstrittene Nummer eins im Lande - erst in der Sowjetunion, später auch in der Ukraine. Doch die großen Zeiten sind vorbei. Schachtjor Donezk hat dem Klub den Rang abgelaufen. Die Champions League soll nun auf den enttäuschten Anhang als Beruhigungsmittel wirken.Heimspiele von Dynamo Kiew sind eine gute Gelegenheit, den Schauplätzen der „Orangenen Revolution“ einen Besuch abzustatten. Der Unabhängigkeitsplatz, auf dem 2004 gegen Wahlbetrug demonstriert wurde, die Flaniermeile Chreschtschatik, auf dem die Demonstranten Zelte aufschlugen – alles nur einen Katzensprung vom Olympiastadion entfernt, in dem Dynamo seine Gegner seit dem Umbau für die EM empfängt.
Ende der VorherrschaftAber es ist nicht diese „Orangene Revolution“, die im ukrainischen Fußball eine neue Zeitrechnung einläutete und die für Dynamo Kiew nachhaltige Folgen hatte. Lange war der Klub von Trainerlegende Lobanowski und von Spielerlegende Blochin die unangefochtene Nummer eins im Lande – erst in der Sowjetunion, später auch in der Ukraine. Zwischen 1993 und 2004 wurde Dynamo zehn Mal Meister. Doch dann war es plötzlich mit der Vorherrschaft vorbei.
Beendet hat sie Schachtjor Donezk, der Klub aus dem konservativen, russischorientierten Kohle-Revier im Osten des Landes, wo man auf die Orangenrevolutionäre in Kiew nie gut zu sprechen war und es stattdessen mit Präsident Viktor Janukowitsch hält, den sie seinerzeit verhindern wollten. Nichtsdestotrotz steht die Wachablösung im ukrainischen Fußball ebenfalls im Zeichen von Orange – der Trikotfarbe von Schachtjor.
Schachtjor einfach besserEs ist nicht schön für die erfolgsverwöhnten Kiewer Dynamos, zum ewigen Zweiten degradiert worden zu sein. Der letzte Meistertitel gelang 2009, der letzte Pokalgewinn 2007. Schachtjor gewinnt heute jeden Vergleich, auf und abseits des Platzes: Es ist reicher, hat mehr und begeisterungsfähigere Zuschauer, dazu die vorteilhafte Aura des Arbeiterklubs. Wenn es bei Dynamo mal läuft, dann läuft es bei Schachtjor einfach noch besser. In der aktuellen Tabelle ist Kiew schon wieder Zweiter, eine Niederlage in sieben Saisonspielen war eine zu viel. Dynamos nigerianischer Stürmer Ideye Brown hat zwar schon sieben Tore erzielt, aber die Torjägerliste führt nicht er an, sondern Schachtjors armenischer Nationalspieler Henrich Mchitarjan mit elf Treffern.
Der Zuschauerbesuch schnellte mit dem Umzug ins Olympiastadion kurz nach oben, hat sich aber inzwischen wieder bei etwa 20.000 eingependelt. Die Spieler reagieren auf Liebesentzug nicht selten angefressen, so wie Stürmer Andrej Jarmolenko, der selbst in der Stunde des 3:1-Hinspielsiegs bei Borussia Mönchengladbach nicht die Kritiker vergaß: Die habe man nun hoffentlich „zum Schweigen gebracht“, so der Torschütze im Webportal Dynamomania.
Teure NeuzugängeDabei muss Europa wieder als Beruhigungsmittel wirken, das andere Wogen glättet. Ein Scheitern gegen Borussia Mönchengladbach könnte drastische Konsequenzen haben, zumal angesichts von 40 Millionen Euro Investitionen in Neuzugänge wie die Nationalspieler Nico Kranjcar (Kroatien) von Tottenham Hotspur und Miguel Veloso (Portugal) vom FC Genua.
„Bei uns wird gemunkelt, dass der Trainer gehen muss, wenn sich die Mannschaft nicht für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert“, erzählt Dauerkarteninhaber Konstantin Syssak. Präsident Igor Surkis bewahrt nach außen die Ruhe, sagt aber auf der Vereinshomepage auch, man sei den Fans die Champions League „schuldig“.Volksheld Andrej Schewtschenko, der im Sommer seine Karriere beendet hatte, gab dem knorrigen Trainer Juri Sjomin in einem Interview öffentlich Rückendeckung. Der arbeite „effektiv“, so Schewtschenko. Sjomin, 65, hatte einst in 17 Jahren bei Lokomotive Moskau aus einem Zweitligisten einen mehrfachen russischen Meister geformt. Seither gilt er als Stratege für langfristige Aufgaben. Aber das Umfeld will auch eine kurzfristige Entwicklung sehen. Diese Woche wird dabei zur Standortbestimmung: Auf das Heimspiel gegen Gladbach folgt ein Auswärtsspiel beim Erzrivalen Donezk.
28.08.2012
Ende der VorherrschaftAber es ist nicht diese „Orangene Revolution“, die im ukrainischen Fußball eine neue Zeitrechnung einläutete und die für Dynamo Kiew nachhaltige Folgen hatte. Lange war der Klub von Trainerlegende Lobanowski und von Spielerlegende Blochin die unangefochtene Nummer eins im Lande – erst in der Sowjetunion, später auch in der Ukraine. Zwischen 1993 und 2004 wurde Dynamo zehn Mal Meister. Doch dann war es plötzlich mit der Vorherrschaft vorbei.
Beendet hat sie Schachtjor Donezk, der Klub aus dem konservativen, russischorientierten Kohle-Revier im Osten des Landes, wo man auf die Orangenrevolutionäre in Kiew nie gut zu sprechen war und es stattdessen mit Präsident Viktor Janukowitsch hält, den sie seinerzeit verhindern wollten. Nichtsdestotrotz steht die Wachablösung im ukrainischen Fußball ebenfalls im Zeichen von Orange – der Trikotfarbe von Schachtjor.
Schachtjor einfach besserEs ist nicht schön für die erfolgsverwöhnten Kiewer Dynamos, zum ewigen Zweiten degradiert worden zu sein. Der letzte Meistertitel gelang 2009, der letzte Pokalgewinn 2007. Schachtjor gewinnt heute jeden Vergleich, auf und abseits des Platzes: Es ist reicher, hat mehr und begeisterungsfähigere Zuschauer, dazu die vorteilhafte Aura des Arbeiterklubs. Wenn es bei Dynamo mal läuft, dann läuft es bei Schachtjor einfach noch besser. In der aktuellen Tabelle ist Kiew schon wieder Zweiter, eine Niederlage in sieben Saisonspielen war eine zu viel. Dynamos nigerianischer Stürmer Ideye Brown hat zwar schon sieben Tore erzielt, aber die Torjägerliste führt nicht er an, sondern Schachtjors armenischer Nationalspieler Henrich Mchitarjan mit elf Treffern.
Der Zuschauerbesuch schnellte mit dem Umzug ins Olympiastadion kurz nach oben, hat sich aber inzwischen wieder bei etwa 20.000 eingependelt. Die Spieler reagieren auf Liebesentzug nicht selten angefressen, so wie Stürmer Andrej Jarmolenko, der selbst in der Stunde des 3:1-Hinspielsiegs bei Borussia Mönchengladbach nicht die Kritiker vergaß: Die habe man nun hoffentlich „zum Schweigen gebracht“, so der Torschütze im Webportal Dynamomania.
Teure NeuzugängeDabei muss Europa wieder als Beruhigungsmittel wirken, das andere Wogen glättet. Ein Scheitern gegen Borussia Mönchengladbach könnte drastische Konsequenzen haben, zumal angesichts von 40 Millionen Euro Investitionen in Neuzugänge wie die Nationalspieler Nico Kranjcar (Kroatien) von Tottenham Hotspur und Miguel Veloso (Portugal) vom FC Genua.
ZITAT
„Bei uns wird gemunkelt, dass der Trainer gehen muss, wenn sich die Mannschaft nicht für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert.”Konstantin Syssak, Fan



