das aktuelle sportstudio
Hyypiä: Absprache im stillen Kämmerlein
VideoHyypiä: Absprache im stillen Kämmerlein
VideoTorwand: Stefan Meis vs. Sami Hyypiä
Sami Hyypiä - der freundliche Eisbär
Im Gespann mit Cheftrainer Sascha Lewandowski ist Leverkusens Teamchef Sami Hyypiä gerade auf dem Weg in die Champions League. Seit seiner Zeit in Liverpool kennt sich der Finne dort bestens aus - und die Leidenschaft für die „Reds“ lodert bis heute in ihm.von Andreas MorbachFür einen kurzen Augenblick war Sami Hyypiä im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart nicht er selbst. Seine Leverkusener lagen 0:1 hinten, verfingen sich immer wieder im nervigen Defensivdickicht der Schwaben, als Bayers Teamchef auf den vierten Offiziellen zusteuerte. Mit bedächtigen Schritten, aber für seine Verhältnisse wirkte Hyypiä in dem Moment geradezu explosiv. Und es sah aus, als sollte das nun der arme Christoph Bornhorst zu spüren bekommen.Sieg fürs Credo
Doch Hyypiä fuhr seine Emotionen in letzter Sekunde wieder auf den gewohnt niedrigen Pegel runter, schlenderte zurück auf seinen Platz und erlebte dort mit, wie Leverkusen durch zwei späte Tore doch noch 2:1 gewann. Ein Sieg, auch für das Credo des 39-jährigen Finnen.
Denn: Die Defizite, die der 105-malige Nationalspieler bei den Werksklubkickern ausgemacht hatte, liegen im mentalen Bereich. „Wenn du ein Gegentor kassierst, ist das Spiel nicht beendet – dann geht es erst richtig los“, sagt Hyypiä, der mit dem zwei Jahre älteren Sascha Lewandowski das erste gleichberechtigte Trainergespann in 50 Jahren Bundesliga bildet.
Ein ungewöhnliches Duo, das die Erfolge der Hinrunde nun untermauern und den direkten Einzug in die Champions League schaffen will.
Richtig verteidigen - Hyypiä erklärt's
Reading the Game
Keine übertriebenen Sentimentalitäten
Für Sami Hyypiä wäre es die Rückkehr in sein natürliches Reservat. Mit dem FC Liverpool, mit dem er vier Jahre nach dem UEFA-Cup-Sieg 2001 auch die Königlasse gewann, war er Dauergast in der Champions League. Und der Klub von der Anfield Road ist, daraus macht Hyypiä auch unter dem Bayer-Kreuz kein Geheimnis, zu seiner großen Fußballerleidenschaft geworden.
Einmal Coach des finnischen Nationalteams oder des FC Liverpool zu sein – das sind die großen Träume des Mannes, der nach wie vor an seiner Trainerlizenz werkelt.
Die seit elf Monaten bestehende Coaching-Kooperation mit dem früheren Jugendtrainer Sascha Lewandowski betrachtet Hyypiä prinzipiell wohlwollend, lässt übertriebene Sentimentalitäten aber entschieden beiseite. „Diese Konstellation ist nicht das Einfachste. Es können immer Schwierigkeiten auftreten – und was in der Zukunft passiert, weiß niemand“, erklärt er fern jeder Diplomatie.
Riesenreputation beim Startschuss
Schon Realität geworden ist Hyypiäs Auszeichnung zu Finnlands Trainer des Jahres 2012 – der scheinbar übermächtigen Langlauf- und Eishockey-Konkurrenz im eigenen Land zum Trotz. Die Ehrung im Januar in Helsinki nahm Bayer-Sportchef Rudi Völler persönlich vor, auch wenn dem Geehrten der Titel angesichts seiner bisherigen Erfolge als Trainer etwas übereilt erschien.
Doch Hyypiäs klangvoller Name als Fußballer hat eben Folgen – auch beim Start als Übungsleiter bei Bayer. „Als wir zum ersten Mal gemeinsam in der Kabine standen, habe ich sofort gemerkt, dass er eine Riesenreputation hat“, erzählt Spannmann Lewandowski.
Das war im April 2012, und im Alltagsgeschäft gilt seitdem das Grundprinzip: Lewandowski ist für die Mannschaftsbesprechung zuständig, sein im südfinnischen Porvoo geborener Kollege hält dafür vor dem Anpfiff die letzte Rede in der Kabine.
Kontrolliert – und treu
Wortführer Hyypiä – eine kontrollierte, aber auch treue Seele: In zwei Jahrzehnten als Profi spielte er bei nur vier Klubs. Loyalität sei ihm wichtig beteuert Hyypiä, der seinen Ehering als Tätowierung am Ringfinger der rechten Hand immer bei sich trägt und dessen Freundschaft zu Campino, Sänger der „Toten Hosen“ und – neben Liverpool – auch Fan von Fortuna Düsseldorf – sogar seinen Wechsel zu Bayer 04 vor vier Jahren überdauerte.
„Zufriedenheit ist gefährlich“, lautet ein zentrales Lebensmotto des Sami Tuomas Hyypiä. Authentizität ist sein persönliches Heiligtum. Mit Ehefrau Susanna und den beiden Söhnen Kasper Erik und Rico Nestor lebt er in der Nähe von Köln, frönt in der Freizeit den bei einem Finnen erwartbaren Hobbys (Saunen, Angeln, Rockmusik) – und lässt die Aufgeregtheiten seiner Branche nach besten Kräften an sich abperlen. Auch wenn das selbst einem überzeugten Eisbären wie ihm manchmal schwer fällt.



