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Frank Rost und die HSV-Fußballfrauen

Gegen Altmoorhausen, Oythe und Gretesch

  • Bild Frank Rost an neuer Wirkungsstätte
  • BildFrank Rost an neuer Wirkungsstätte
    Frank Rost / Quelle: Ralf Lorenzen
    (Quelle: Ralf Lorenzen)

     von Ralf Lorenzen

    Anfangs hielten es einige für einen PR-Gag: Frank Rost wird Trainer bei den Fußball-Frauen des HSV. Aber wer ihn und sein Team besucht, merkt schnell: Die meinen es ernst. Vor allem der Trainer. Auch wenn seine Mannschaft nur in der Regionalliga spielt. 

    Beim SF Wüsting-Altmoorhausen, VfL Oythe oder TSG 07 Burg Gretesch kommt selten Sportprominenz vorbei. Doch in diesem Herbst rieben sich die Besucher der Spiele in der Frauen-Regionalliga Nord verwundert die Augen, als der HSV zu Gast war. Richtig gesehen: Der temperamentvolle Trainer auf der Bank des HSV war Frank Rost, ehemaliger Nationalspieler, Torwart bei Werder Bremen, Schalke 04 und dem HSV.

    ZITAT
    Hier ist es schon ein Highlight, wenn man vernünftige Bälle hat.
    Frank Rost
    Von ganz unten anfangen

    „Neulich habe ich das erste Mal auf Grand (eine Art Hartplatz, Anm. d. Red.) gespielt“, sagt der Trainernovize im Gespräch mit ZDFsport.de mit einem Schmunzeln: „Ich finde es spannend, wieder mal von ganz unten anzufangen. Man lernt Dinge wieder zu schätzen, die im Profi-Fußball ganz selbstverständlich waren. Hier ist es schon ein Highlight, wenn man vernünftige Bälle hat.“

    Es ist ein Stunde vor Trainingsbeginn, Frank Rost richtet in einer kleinen Holzhütte auf dem Trainingsgelände des HSV in Norderstedt einen Beamer ein. „Heute machen wir eine Videoanalyse des Spiels gegen den Barmfelder SV“, sagt er. Auch wenn die HSV-Frauen im Moment kleine Brötchen backen, muss das ja nicht heißen, dass er seinen Erfahrungsschatz aus 20 Jahren Profifußball nicht auspackt.

    Aus fürs Bundesliga-Team

    In dieser Hütte hat vor noch nicht allzu langer Zeit Nationalspielerin Kim Kulig die Journalisten zum Interview empfangen, da war sie der Star des Teams, nicht der Trainer. Kulig verließ vor eineinhalb Jahren das sinkende Schiff, im Mai dieses Jahres verkündete Vorstandschef Carl Jarchow das Aus für die komplette Bundesligamannschaft „aus wirtschaftlichen Gründen.“


    Janina Haye

    28. Mai 2012: Janina Haye bejubelt das vorläufig letzte Bundesligator.
    Quelle: Imago

    Die Vereinsoberen hatten zwar darauf hingewiesen, dass es Frauenfußball weiter geben werde, wenn auch nur in der Regionalliga. Sie hatten aber wohl kaum damit gerechnet, dass sich die Frauenabteilung als so resistent erweist, dass sie schon kurz nach diesem heftigen Rückschlag beginnt, am Wiederaufstieg in höhere Gefilde zu arbeiten. Und dabei hochkarätige Unterstützung erhält.

    Öfter mal geholfen

    „Es war mehr oder weniger Zufall, dass ich den Job angenommen habe“, sagt Frank Rost. „Nach meinem New-York-Aufenthalt bin ich wieder hier in meiner Hamburger Wahlheimat gelandet. Da kam die Abteilungsleiterin auf mich zu, weil ich, seit ich 2007 zum HSV kam, den Frauen öfter schon mal geholfen habe.“


    Rost nutzt seine neue Rolle als Weiterbildung für andere Tätigkeiten im Fußballbereich. Obwohl er damit liebäugelt, den Fußball-Lehrerschein zu machen, sieht er seine Zukunft aber eher nicht auf dem Trainerstuhl. Denn als Trainer im Profigeschäft müsse man oft umziehen, "ich bin aber jemand, der sich mit einer Sache identifiziert“, sagt er.

    Über sechs, sieben Stationen

    Dass er sich mit seiner jetzigen Tätigkeit voll identifiziert, wird klar, wenn man über sein Team spricht. „Ich habe mich in den letzten Spielen vor allem über die fußballerischen Fortschritte gefreut. Das 3:0 gegen Bramfeld wurde über sechs, sieben Stationen herausgespielt. Als ich hier anfing war das doch eher: langer Ball und Hinterher.“

    Vor der Saison galt die neue Mannschaft, in der nur drei Spielerinnen über Regionalligaerfahrung verfügten, als sicherer Abstiegskandidat. Am Ende der Hinrunde steht sie nun auf Platz sechs, nur zwei Punkte hinter der zweiten Mannschaft von Werder Bremen.

    ZITAT
    Es war mehr oder weniger Zufall, dass ich den Job angenommen habe.
    Frank Rost
    Sportler mit Ecken und Kanten

    Anfangs mussten sich die Spielerinnen an sein Anspruchsdenken und seine Gangart erst gewöhnen, gibt Frank Rost zu. „Aber wer eine Vollkontaktsportart wie Fußball betreibt, muss fit in ein Spiel gehen. Ich kann keinen Nichtschwimmer ins Schwimmbecken stecken, bestimmte Qualitätskriterien muss ich erfüllen.“

    Das haben die Spielerinnen verstanden, auch dass der Umgangston auf dem Platz schon mal etwas rauer werden kann, wenn Emotionen im Spiel sind. „Ich bin ein Sportler mit Ecken und Kanten“, sagt Rost. „Aber im Fußball ist nach dem Spiel alles vergessen.“

    Gute Zuhörer

    Langsam strömen die Frauen in die Hütte und versammeln sich vor der Leinwand. Eine Stunde hängen sie nun an den Lippen von Rost, der Szene für Szene auseinandernimmt, motiviert, kritisiert und immer mal einen Scherz einstreut: „Das war wohl von der Abteilung: Nimm du ihn, ich hab‘ ihn sicher."

    Die Frauen schwärmen von den „Hammerfortschritten“, die sie im letzten Vierteljahr gemacht haben. Und Rost sagt in Richtung HSV-Vorstand: „Wir wünschen uns eine positive, ideelle Unterstützung des Vereins - Ideen und Konzepte gibt es genug.“ So schnell wird der HSV leistungsorientierten Frauenfußball offenbar nicht los. 

    22.12.2012
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