Champions League
Fußball-Wunder im Heiligen Land
von Torsten Haselbauer Ein Fußball-Sommermärchen verzaubert Israel. Der Überraschungsmeister Hapoel Ironi Kiryat Shmona kämpft heute gegen BATE Borisov um den Einzug in die Gruppenphase der Champions League. Izzy Sheratzky hatte schon immer Großes im Sinn. „In zehn Jahren werden wir israelischer Meister und spielen in der Champions-League“, kündigte er selbstbewusst im Jahr 1999 an. Ganz Fußball-Israel staunte da nicht schlecht. Da war der millionenschwere Geschäftsmann aus Tel Aviv in die nordisraelische Kleinstadt Kiryat Shmona gezogen. Auch das stiftete ordentlich Verwirrung. Denn der Ort lag damals auf gefährlichem Terrain.Historisches Versprechen Bis ins Jahr 2006 gerieten die 20.000 Einwohner von Kiryat Shmona immer wieder ins Visier der Hisbollah-Raketen. Wer es sich leisten konnte, der zog weg. Und eben nicht, wie Sheratzky, mitten hinein in das Krisengebiet. Heute reist der israelische Fußballmeister Hapoel Ironi Kiryat Shmona nach Weißrussland, um das historische Versprechen von Izzy Sheratzky einzulösen. In Minsk wartet BATE Borisov und es geht um den Einzug in die lukrative Gruppenphase der Champions League. Hapoel Ironi Kiryat Shmona wäre der erst vierte israelische Klub überhaupt, dem dieses gelänge.
„In Kiryat Shmona erlebt Israel gerade sein Fußballwunder“, erklärt der ehemalige israelische Nationalspieler Rifat Tourk gegenüber ZDFsport.de. Die Erfolgsstory von Hapoel Ironi Kiryat Shmona ist wirklich sensationell. In diesem Jahr wurde das Team völlig überraschend israelischer Meister. Das gelang mit einem kleinen Etat (geschätzte drei Millionen Euro) und einem ziemlich großen Vorsprung (zeitweise 16 Punkte).Steil nach obenEs war der vorläufige Höhepunkt des erst vor zwölf Jahren gegründeten Klubs. Der Neubürger Sheratzky sorgte im Jahr 2000 für die Fusion der beiden ortsansässigen Vereine Hapoel und Maccabi. Bis dahin dümpelte das Duett in der vierten und fünften israelischen Liga herum. Dank des schwerreichen Sheratzky als Besitzer und Gründer ging es für seinen Verein immer nur in eine Richtung: steil nach oben.Seit 2007 kickt der Klub in der ersten israelischen Liga „Ligat ha'Al“. Doch von der Meisterschaft in diesem Jahr zeigte selbst der Erfolgsmensch Izzy Sheratzky überrascht. „So früh“, staunte er nicht schlecht zur Meisterschaftsfeier im Frühjahr.Ende einer FußballdominanzDer erste nationale Titel für Hapoel Ironi Kiryat Shmona bedeutet auch das Ende einer fast unheimlichen Fußballdominanz in dem Heiligen Land. 30 Jahre spielten nicht mehr als vier Vereine aus Tel Aviv, Jerusalem und Haifa die Meisterschaft unter sich aus. „Wir dachten schon, das hört niemals auf. Doch dann kam dieser kleine Klub aus Nordisrael“, so Rifat Tourk gegenüber ZDFsport.de.Vereinsbesitzer Sheratzky zollte seinem Meistertrainer Ran Ben Shimon nach dem Coup ein dickes Lob „für die wundervolle Saison“, um ihn dann zu entlassen. Seit Mai coacht Gil Landau den Verein. Der neue Trainer will jetzt beweisen, dass sowohl der nationale israelische Titel als auch der Einzug in die Champions-League-Playoffs kein Zufall sind.Neues Stadion?
„Wir sind jetzt selbstbewusst genug, um uns oben zu etablieren“, erklärt Landau vor dem heutigen Spiel gegen BATE Borisov. Sein Team ist eingespielt und harmoniert prächtig. Fünf Kicker aus Kiryat Shmona haben es mittlerweile zu israelischen Nationalspielern gebracht. Das Quintett kommt aus dem eigenen Nachwuchszentrum, das der Vereinsinhaber dem Verein großzügig spendierte. Von großen Stars und Legionären hält der Geschäftsmann Sheratzky nicht viel.Vielleicht aber von einem neuen Stadion. Das Rückspiel gegen BATE Borisov muss Hapoel Ironi Kiryat Shmona im fernen Ramat Gan Stadion in Tel Aviv austragen. Es ist die einzige Arena in ganz Israel, die die strengen Champions-League-Auflagen erfüllt.
22.08.2012
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„In Kiryat Shmona erlebt Israel gerade sein Fußballwunder”EX-Nationalspieler Rifat Tourk
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„Wir sind jetzt selbstbewusst genug, um uns oben zu etablieren”Trainer Gil Landau



