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SportXtreme | 23.55 Uhr auf ZDFinfo

Extremes mit Handicap

  • Video Die Sendung Handicap-Extremsport
  • Bild Aaron Fotheringham
  • Video Freestyle - die Februar-Sendung
  • VideoDie Sendung Handicap-Extremsport

    SportXtreme vom 19. März

    (19.03.2013)
    BildAaron Fotheringham
    Aaron Fotheringham / Quelle: Imago
    (Quelle: Imago)
    VideoFreestyle - die Sendung vom 17. Februar

    Was haben Fuzzy Garhammer und Simon Dumont gemeinsam? Beide sind Freestyler. Der eine war in 70ern und 80ern hip, der andere ist es heute. SportXtreme führt die beiden Ikonen in der Sendung zusammen.

    (21.02.2013)

    Überschläge für mehr Normalität

    von Susanne Rohlfing

    Menschen mit Handicap, die Extremsport betreiben, sind noch immer Ausnahmen. Aber es gibt sie. Und ihre Gemeinde wird größer. Dank des Internets, das ihr Tun über die sozialen Netzwerke und YouTube in alle Welt trägt.

    Tarek Rasouli kennt sich aus mit Spektakel und Risiko. Lange Jahre war er selbst BMX- und Mountainbike-Profi, er hat verrückte Sachen gemacht und seine Grenzen ausgetestet. Heute managt der 38-Jährige andere Profis und organisiert Veranstaltungen.

    "Ziemlich krass"

    Geschwindigkeit, Sprünge, Überschläge – all diese Dinge gehören seit jeher zu seinem Alltag. Aber Aaron Fotheringham, ein 22-Jähriger aus Las Vegas, vermag es, Tarek Rasouli in Erstaunen zu versetzen. Der "absolute Hammer" und "ziemlich krass", so beschreibt der Münchner die Taten des Amerikaners.

    Aaraon Fotheringham / Quelle: Imago

    Aaraon Fotheringham
    Quelle: Imago

    Aaron Fotheringham kam mit "Spina bifida", dem so genannten "offenen Rücken" zur Welt. Er fährt Rollstuhl, seit er drei Jahre alt ist. Und im Internet kann man Zitate wie dieses von ihm finden: "Wenn mich ein Zauberer fragen würde, ob ich gern gehen können möchte, würde ich ihm antworten: Warum soll ich gehen, wenn ich rollen kann?"

    Kunststücke auf der Rampe

    Fotheringham kann mit seinem Rollstuhl allerdings weit mehr als rollen. Er kann fliegen. Sich überschlagen. Kunststücke machen. Auf einer Rampe, die üblicherweise von Skateboard- und BMX-Fahrern genutzt wird.

    Der junge Mann aus Las Vegas gilt als der erste Mensch, der im Rollstuhl einen einfachen sowie einen doppelten Rückwärtssalto von der Rampe zustande gebracht hat. "Es macht Spaß und ist eine lustige Art, mein Leben zu leben", so erklärt Fotheringham seine Leidenschaft.

    ZITAT
    Es macht Spaß und ist eine lustige Art, mein Leben zu leben
    Aaron Fotheringham
    "Wie ein Skater auf dem Board"

    Und etwas ist ihm dabei wichtig: Er mag es nicht, wenn über ihn gesagt wird, er säße im Rollstuhl. "Das klingt, als wäre ich dadurch eingeengt", sagt er. Er beschreibt das, was er tut, lieber so: "Ich fahre auf meinem Rollstuhl wie ein Skater auf seinem Board." Das klingt nach Freiheit.

    Tarek Rasouli ist auch auf einen Rollstuhl angewiesen, seit einem Unfall mit seinem Mountainbike vor elf Jahren. Er brach sich nach einem 17 Meter weiten Flug den ersten Lendenwirbel und ist seither querschnittsgelähmt. Heute hält er sich mit Handbiken fit, er hat auch schon Rennen bestritten und nimmt beim Bergabfahren die Kurven gern mal mit etwas zu viel Schwung.

    Links
    Handicap-Extremsport-Lexikon "Je höher, desto gleicher" SportXtreme-Sendezeiten Das Blog zur SendungDas ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
    Rasant bergab

    Aber das ganz Extreme reizt Rasouli nicht mehr. Das überlässt er Männern wie Fotheringham, oder dem Kanadier Josh Dueck (heute in der Sendung), der als erster Mensch einen Rückwärtssalto mit einem Monoski vollbracht hat, oder dessen Landsmann Stacy Kohut, der einen Rollstuhl fährt, der eher an ein Mountainbike mit vier Rädern erinnert und mit dem er schon an so manchem Downhill-Biker ohne Behinderung und auf zwei Rädern vorbeigeschossen ist.

    "Einen Salto kann man nicht in einem alten, behäbigen, nicht gefederten, nicht individuell angepassten Rollstuhl machen", erklärt Volker Anneken, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Inklusion durch Bewegung und Sport in Köln. "Das moderne Material ist ein wesentlicher Aspekt", sagt er, "dadurch wird Extremsport für Menschen mit Handicap leichter möglich."

    Josh Dueck

    Tarek Rasouli  / Quelle: www.redbullcontentpool.com

    Tarek Rasouli
    Quelle: www.redbullcontentpool.com

    Ganz normal

    Den Wunsch danach findet Anneken nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil. "Das hat ganz viel mit Normalität zu tun." Viele Menschen setzten Behinderung mit Krankheit gleich. Und ein Kranker, der im Rollstuhl Saltos macht, das geht in deren Vorstellung nicht.
    "Was, wenn der sich nochmal das Kreuz bricht? Aber eine Behinderung ist keine Krankheit“, betont Anneken. "Und selbstverständlich steht es jedem zu, sich eine Beschäftigung mit einem gewissen Risikofaktor zu suchen."

    Ob jemand das tut, hänge nicht davon ab, ob er behindert sei oder nicht, sondern von seiner Persönlichkeitsstruktur. "Der Typ Extremsportler will ganz einfach an seine Grenzen gehen."

    Mit oder ohne Rollstuhl. Tarek Rasouli erklärt, es gehe darum, ein gutes Gefühl zu haben, etwas zu tun, das über das alltägliche Fortbewegen mit Rollstuhl hinaus geht. Vor allem aber gehe es darum, "an seine Grenzen zu gehen und sich zu spüren."

    Handicap-Extrem - fast alles ist möglich

    Renegade

    Sean Reyngoudt ist wohl einer der verrücktesten Prothesenträger unter den Extremsportlern – sein Können beim Wake- und Kiteboarding geht über das hinaus, was die meisten Nicht-Behinderten wortwörtlich auf die Beine stellen. Möglich gemacht wird das auch von "Renegade" – so heißt sein ultramoderner Beinersatz. Renegade ist Reyngoudt – Reyngoudt ist Renegade. Seht selbst!

    ChairSkating - WCMX

    Mit dem Rollstuhl in die Half-Pipe oder den Skate-Park? Beim ChairSkating geht es genau darum – den Stuhl wie ein Skateboard oder BMX zu beherrschen. Auf dem ganzen Globus hat dabei der Amerikaner Aaron Fotheringham schon von sich reden gemacht, auch in Deutschland wächst langsam eine Szene heran.

    Drop-In

    Grundlage und wohl auch größte Herausforderung für jeden Chairskater ist der "Drop-In" – der gelungene Sprung in die Half-Pipe hinein.

    (Double) Backflip

    Vor einigen Jahren sorgte Aaron Fotheringham – der Tony Hawk des ChairSkating – für eine Sensation, denn ihm gelang als erstem Rollstuhlfahrer ein sogenannter Backflip, ein Rückwärtssalto. Jetzt landete der furchtlose Rolli-Skater den Trick sogar in doppelter Ausführung.

    Frontflip

    Irgendwann musste es soweit sein – auch einen Vorwärts-Salto hat ChairSkate-Guru Aaron Fotheringham schon aufs Parkett gelegt.

    Handplant 360

    Ein Trick, der sich beim ChairSkating aufdrängt ist der Handplant – trotzdem ist er eine ziemliche Mission Impossible. Rollstuhl-Skater Christian Bailey arbeitet momentan noch an seiner Perfektion.

    Amped Riders

    So werden all jene genannt, die sich beispielsweise auch mit einem Bein aufs Skateboard schwingen – Amputierte, die Extremsport ausüben.

    Adaptive Climbing

    Extremes Klettern mit Behinderung, "Adaptive Climbing", ist eine der Königsdisziplinen – was schon manchem ohne körperliche Einschränkung unmöglich erscheint, wird von Menschen mit verschiedensten Behinderungen gemeistert. In diesem Video bilden ein Blinder, ein Querschnittsgelähmter und ein doppelt Amputierter das Outdoor-Kletterteam.

    Champutee

    Echte Champutees sind die Herren in diesem Video. Amputees, Amputierte, die zugleich Champions sind in ihrer Extrem-Sportart, dem Breakdance. Krücken werden hier zu Tanzpartnern, um welche die Sportler mit unzähligen Volt Körperspannung übers Parkett rotieren.

    Four-Cross

    Die rasante Bergabfahrt und andere Stunts wie man sie vom Mountainbike kennt, nur eben auf vier Rädern. Dabei kommt der Szene die steigende Anzahl von Mountainbike-Parks zugute. Seilbahnen hieven die Sportler zurück auf den Gipfel. Die Adrenalin-Junkies beweisen: Auf vier Rädern sind die Sprünge mitunter noch waghalsiger als auf zweien.

    Extremity Games

    Gewissermaßen die Olympischen Spiele für Behinderten-Extremsportler! Mit folgenden Disziplinen: Skateboarding, Klettern, Kajak, Wakeboarding, Mountainbiking, Motocross und Powerlifting.

    Para-Gliding

    Ein Wortspiel, das sich in der Behinderten-Extremsport-Szene praktisch aufdrängt: Sind bei einem Rollstuhlfahrer die unteren Extremitäten gelähmt, nennt man ihn Paraplegiker, kurz "Para". Paragliding bekommt da eine völlig neue Bedeutung – und verleiht auch Querschnittgelähmten garantiert Flügel.

    Rollstuhl-Lanzenkampf

    Ritterfestspiele im elektrischen Rollstuhl? Warum nicht! Bei näherer Betrachtung ist der Lanzenkampf geradezu prädestiniert für die Ausübung auf vier Rädern. Dabei identifizieren sich die Rolli-Ritter voll mit ihrer Disziplin und fröhnen auch in punkto Outfit dem Mittelalter-Chic.

    TankChair

    Das ultimative Vehikel für alle Outdoor-Extremsportler mit Behinderung! Endlich mal nicht mehr klassisch auf vier Rädern, sondern auf Ketten durch die Prärie mähen ohne Rücksicht auf Verluste. Ob Sand, Schnee oder Kiesbett -  der "TankChair" macht sich alles untertan und ermöglicht Extremsport auf jedem Terrain. Wasser im Weg? Auch kein Problem – seht selbst.

    Adaptive Skiing

    Schneebedeckte Berge runterjagen, im Stile des Freestyle-Skiing mit wilden Tricks durch die Luft fliegen und alles mit jeglicher Art der Behinderung – ob Querschnittslähmung, Amputation oder Sehbehinderung. Sogar doppelt oberschenkelamputiert schießen die Athleten auf Snowboards durch den Schnee.

    Bi-Ski

    Im Gegenatz zum Mono-Ski, der von Behindertensportlern mit guter Oberkörper-Kontrolle gefahren wird, bietet der Bi-Ski auch für Skifahrer mit höherer Lähmung oder anderen stärkeren Einschränkungen die Möglichkeit, Extremsport auf der Ski-Piste zu betreiben. Dafür ist er mit allerlei High-Tech ausgerüstet.

    Tethering

    Geschwindigkeitskontrolle, Lenksicherheit  und ein großer Schritt Richtung Eigenständigkeit – "Tethering" bedeutet soviel wie "An der Leine führen". Beim Mono-Ski übernehmen Nicht-Behinderte diese Aufgabe besonders bei Anfängern. Das erfordert eine gute Ausbildung, denn das Führen ist nicht so einfach, wie es im Video aussehen mag.

    Chair Bungee

    Bungee Jumping im Rollstuhl? Klingt halsbrecherisch, sieht auch so aus – doch funktioniert wie das Original, nur eben im Sitzen und mit Stuhl unterm Hintern.

    19.03.2013
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