Fußball - Bundesliga
Eichin wird Allofs-Nachfolger bei Werder Bremen
VideoEichin neuer Sportchef bei Werder
Die Benennung des Eishockey-Managers Thomas Eichin zum neuen Geschäftsführer Sport von Werder Bremen erinnert daran, wie Hockey-Nationaltrainer Bernhard Peters fast einmal Sportdirektor des DFB geworden wäre.Jetzt hat es ein Quereinsteiger an die Spitze eines Bundesligisten geschafft.
von Ralf LorenzenBayer Leverkusen-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser hat einmal vorgeschlagen, einen Quereinsteiger aus Politik oder Wirtschaft an die Spitze der Deutschen Fußballliga (DFL) zu setzen: "Ich denke, es fällt leichter, einem solchen Mann den Fußball zu erklären, als einem Fußball-Mann die Politik", lautete seine Begründung, mit der er wohl auch heute noch weitgehend alleine steht.Im eigenen SaftDie meisten Akteure im Fußball sind der Überzeugung, dass die Gesetze ihres Sports nur von Insidern verstanden werden können. Als "Schmoren im eigenen Saft" hat das der ehemalige Hockeytrainer und Fußballmanager Bernhard Peters einmal bezeichnet. Und auch beim 1. FC Köln, der in den letzten Jahren öfter mal einen Sportdirektor suchte, fiel es niemandem ein, mal auf die andere Rheinseite zum erfolgreicheren Eishockeyklub aus der gleichen Stadt zu gucken.Inzucht wurde auch dem SV Werder Bremen bis vor kurzem vorgeworfen – kaum ein Fußballverein beschäftigt in Trainer- und Managementstab so viele Exprofis wie die Bremer. Und als vor einigen Wochen ein Nachfolger für den nach Wolfsburg entschwundenen Geschäftsführer Klaus Allofs gesucht wurde, kursierten zunächst wieder die Namen der üblichen Verdächtigen: Beiersdorfer, Bode, Baumann.Unkonventionelle LösungZwar übernahm Frank Baumann dann tatsächlich Teile des früheren Geschäftsbereiches von Allofs, aber für die Besetzung des Geschäftsführers Sport beschritt der Aufsichtsratsvorsitzende Willi Lemke dann doch neue Wege. Früh favorisierte er mit Marc Kosicke keinen Ex-Fußballer, sondern einen Sportmarketingexperten.Der lehnte zwar ab, aber als Lemke nun endlich Vollzug meldete, was es keine große Überraschung mehr, dass eine unkonventionelle Lösung für die Allofs-Nachfolge gefunden wurde. Thomas Eichin kickte zwar auch schon für Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga, seine Manager-Meriten erwarb er sich aber beim Eishockey-Klub Kölner Haie.Scheitern am Traditionalismus"Er ist verhandlungserfahren, kennt sich in der Bundesliga aus und hat im Eishockey bewiesen, dass er an der Spitze eines Traditionsvereins alle Höhen und Tiefen erfolgreich bestehen kann", begründete Willi Lemke die Wahl. Es ist der zweite spektakuläre Quereinstieg aus einer anderen Sportart in das Management eines Fußballklubs, seit Bernhard Peters 2006 Sportdirektor der TSG Hoffenheim wurde und gemeinsam mit Trainer Ralf Rangnick die Mission Bundesliga in Angriff nahm.Hockeytrainer Peters war vorher bereits von Nationaltrainer Jürgen Klinsmann zum Favoriten für das Amt das DFB-Sportdirektors ausgerufen worden, scheiterte aber am Traditionalismus der DFB-Oberen, die sich für eine stallinterne Lösung mit Matthias Sammer entschieden. Ökonomische Kompetenz und VerhandlungsgeschickWährend Peters von Hoffenheim hauptsächlich wegen seiner innovativen Trainingsmethoden und seines taktischen Geschicks geholt wurde, liegen die Qualitäten Eichins auf dem ökonomischen Sektor und in seinem Verhandlungsgeschick. Also eher fußballferne Eigenschaften, die kaum während einer Fußballkarriere aufgebaut werden können.Deshalb kamen in den letzten Jahren vermehrt gelernte Betriebswirte zu Posten in der Bundesliga, die auf keine Profikarriere verweisen können. Zum Beispiel Christian Heidel (Mainz 05), Jan Schindelmeister (TSG Hoffenheim) oder Andreas Rettig (SC Freiburg, 1. FC Köln, FC Augsburg).Psychischer Druck wird größerDie in anderen Sportarten erworbenen Kompetenzen werden dagegen meist immer noch verschmäht. Wenn überhaupt, dann sind in der Liga Quereinsteiger aus dem Sportmarketing gefragt, wie im Fall Kosicke. "Das zeigt die ganze Schizophrenie im Leistungssport. Jede Kleinigkeit im Fußball wird an die große Glocke gehängt, was woanders passiert, interessiert niemanden", hat Peters nach seinem Amtsantritt in Hoffenheim gesagt.Die große Frage für Eichin wird nun sein, wie er mit dem "psychischen Druck" klar kommt, den auch Peters im Fußball als ungleich härter als im Hockey erlebt hat.


