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Größter Wettbetrug der Fußballgeschichte

Die Spur führt nach Asien

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    Die Polizeibehörde Europol hat neue Manipulationen im Profi-Fußball aufgedeckt und spricht vom größten Wettskandal aller Zeiten. Mehr als 380 Spiele, auch in Deutschland, seien davon betroffen.

    (04.02.2013)
    VideoNeuer Wettskandal erschüttert Fußball

    Europol hat neue Manipulationen im Profi-Fußball aufgedeckt und spricht vom größten Wettskandal aller Zeiten. Hunderte Spiele, auch in Deutschland, seien betroffen. Kai Niklasch schätzt die Lage ein.

    (04.02.2013)

    Mehr als 380 verdächtige Spiele in Europa, zudem rund 300 neue Fälle weltweit, 425 Personen aus dem Fußball involviert - die Europol- Untersuchungen zum Wettskandal offenbaren ein erschreckendes Ausmaß. Die Drahtzieher kommen aus Singapur. 

    Die Ermittlungen unter dem Codenamen "Veto" offenbaren den größten Wettskandal der Sport-Geschichte und stürzen die Fußball-Welt in eine weitere tiefe Glaubwürdigkeitskrise. Die europäische Polizeibehörde Europol hat nach eigenen Angaben rund 700 verdächtige Spiele von 2008 bis 2011 registriert. Darunter sind 300 völlig neue Fälle weltweit sowie alleine in Europa mehr als 380 Partien, die in den Ländern meist schon bekannt waren. Betroffen vom Wettskandal sind Begegnungen der WM- und EM-Qualifikation sowie zwei Champions-League-Spiele, davon ein Treffen in England. "Wenn die Zahl echt wäre, wäre das beängstigend", meinte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff zu den Ausmaßen.

    "Nie dagewesenes Niveau"

    "Wir haben ein dichtes kriminelles Netzwerk aufgedeckt", sagte Europol-Chef Rob Wainwright auf einer Pressekonferenz in Den Haag. Er sprach von Manipulationen "auf einem nie dagewesenen Niveau" und betonte: "Das ist ein trauriger Tag für den Fußball und ein weiterer Beweis der Korruption durch organisierte Kriminalität in der Gesellschaft." Alleine in Deutschland stehen laut dem Bochumer Hauptkommissar Friedhelm Althans 70 Partien unter Verdacht.  Der vom Bochumer Landgericht abgehandelte Skandal um den Wettpaten Ante Sapina, bei dem es sich um 51 manipulierte Spiele gehandelt hat, ist in den Zahlen aber bereits enthalten. "Aus deutscher Sicht war das zum Großteil ein Fazit unserer Ermittlungen. Von neuen Fällen weiß ich derzeit nichts", sagte der Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd Bienioße.

    Wettbetrug bei Kriminellen beliebt

    Wettbetrug wird nach Ansicht des Bochumer Hauptkommissars Friedhelm Althans immer interessanter für international agierende Banden. Daher rechnet er damit, dass Manipulationen im internationalen Profi-Fußball zunehmen werden. "Es gibt hohen Profit bei geringem Risiko", sagte er.

    Die Ermittlungen seien äußerst schwierig, meinte Althans, der dem internationalen Ermittlungsteam von Europol zu Spielmanipulationen im Fußball angehört. Die Verbrechersyndikate operierten aus Asien,hätten ein Netzwerk bis nach Europa und nutzten eine "sehr ausgefeilte Technologie."

    An den Manipulationen und dem Wettbetrug sollen insgesamt 425 Klub-Funktionäre, ehemalige oder heutige Spieler und Schiedsrichter in 15 Ländern beteiligt gewesen sein. 151 von ihnen haben demnach ihren Wohnsitz in Deutschland, wo im Zuge des Wettskandals bislang 14 Personen zu Strafen von insgesamt 39 Jahre verurteilt worden waren. Neben den zumeist schon bekannten Spielen in Europa wird nun zusätzlich wegen rund 300 neuer verdächtiger Begegnungen, meist in Asien, Zentral- und Südamerika sowie Afrika, ermittelt. Betroffen seien aber auch Spanien, Großbritannien und die Niederlande, sagten die Ermittler. "Es sind sogar zwei WM-Qualifikationsspiele in Afrika und eine Partie in Zentralamerika unter Verdacht", sagte Althans.  "das ist ein großes Thema für den Fußball und die Regierungen, das es zu lösen gilt", twitterte FIFA-Chef Joseph Blatter.

    "Die Spitze des Eisbergs"

    Seit 2011 kooperiert die FIFA mit der internationalen Polizeiorganisation Interpol zusammen. "Spielmanipulation ist ein globales Problem, das starke Partnerschaften auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene benötigt", verdeutlichte Gianni Baldi, Chef der Interpol-Einheit Drogen und organisierte Kriminalität.

    ZITAT
    Das ist ein trauriger Tag für den Fußball und ein weiterer Beweis der Korruption durch organisierte Kriminalität in der Gesellschaft.
    Europol-Chef Rob Wainwright
    Hinter dem Wettskandal soll Europol zufolge ein asiatisches Verbrechersyndikat stecken, das auch in Europa aktiv sei. Zudem seien auch russischsprachige Gangs involviert. "Wir haben Beweise für 150 dieser Fälle. Die Aktivitäten mit Bestechungsgeldern von bis zu 100.000 Euro pro Spiel gingen von Singapur aus", sagte Althans, Sprecher des Ermittlerteams aus 13 europäischen Ländern, zu den neuen Erkenntnissen. Das Problem sei sehr groß, betonte Wainwright. "Das ist erst die Spitze des Eisberges."

    13.000 E-Mails ausgewertet

    Insgesamt seien mehr als zwei Millionen Euro an Bestechungsgeldern an Spieler und Offizielle geflossen, europaweit strichen die Manipulateure Wettprofite in Höhe von acht Millionen Euro ein. "Das ist das erste Mal, dass wir substanzielle Beweise dafür haben, dass die organisierte Kriminalität nun auch in der Welt des Fußballs agiert", meinte Wainwright. Die Behörden bei ihren Ermittlungen 13.000 E-Mails aus.

    Die internationale Fußball-Gemeinschaft müsse "abgestimmten Einsatz" zeigen, um die Korruption in den Griff zu bekommen, forderte Wainwright. Die Ergebnisse der Untersuchungen wolle er nun an UEFA-Präsident Michel Platini senden. Zum Ausmaß der Manipulationen wollte sich die Europäische Fußball-Union nicht äußern. "Wenn die Details der Ermittlungen der UEFA vorliegt, werden sie von den geeigneten Disziplinargremien überprüft, um die notwendigen Maßnahmen zu treffen", hieß es lediglich aus Nyon.

    Jüngste Wettskandale im Fußball

    Südkorea

    Januar 2013: Nach einem Wettskandal im südkoreanischen Fußball sperrt der Weltverband FIFA 41 koreanische Spieler weltweit. 2011 waren organisierte Spielmanipulationen ans Licht gekommen. Die beteiligten Akteure sollen in Spielen der nationalen K-Liga absichtlich Fehler gemacht haben, um dadurch den Verlauf zu beeinflussen. Im Gegenzug sollen sie Geld von Glücksspielvermittlern erhalten haben.

    Deutschland

    Dezember 2012: Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil gegen den Wettpaten Ante Sapina zum Teil auf. Der Prozess muss neu verhandelt werden. Das Landgericht Bochum habe nicht geprüft, ob eine Strafmilderung nach der sogenannten Kronzeugenregelung infrage komme. Sapina war im Mai 2012 zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte mit Komplizen im großen Stil Wetten auf manipulierte Fußballspiele platziert und damit insgesamt 2,3 Millionen Euro eingenommen.

    Italien

    Dezember 2012: Der Wettskandal in der italienischen Serie A beschert dem SSC Neapel einen Punktabzug für die laufende Saison und eine Geldstrafe in Höhe von 70 000 Euro. Kapitän Paolo Cannavaro und Teamkollege Gianluca Grava wurden wegen eines nicht angezeigten Spielmanipulationsversuchs für sechs Monate gesperrt. Im Mai 2010 soll der frühere Torwart der Süditaliener, Matteo Gianello, versucht haben, das Serie-A-Spiel bei Sampdoria Genua zu manipulieren. Cannavaro und Grava sollen Absprachen abgelehnt, den Vorfall aber nicht angezeigt haben. Gianello selbst wurde für drei Jahre und drei Monate gesperrt.

    Südafrika

    Dezember 2012: Der Präsident des südafrikanischen Fußballverbands SAFA, Kirsten Nematandani, und vier weitere hochrangige Offizielle werden auf unbestimmte Zeit suspendiert. Zuvor hatte die FIFA ihren Untersuchungsbericht zu den Testspielen Südafrikas gegen Thailand, Bulgarien, Kolumbien und Guatemala vorgelegt. Der Weltverband sah es als erwiesen an, dass die Ergebnisse der Partien 2010 zugunsten der asiatischen Wettmafia beeinflusst worden waren. Dreh- und Angelpunkt des Skandals war ein Wettbetrüger aus Singapur.

    04.02.2013, Quelle: sid, dpa
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