von Erik Eggers
Als Spielmacher und im Abwehrzentrum kommt Michael Haaß zweifellos eine Schlüsselrolle in der deutschen Handball-Nationalmannschaft zu. Viel Aufhebens macht er darüber nicht. Die Schlagzeilen bei der 23. WM überlässt der Weltmeister von 2007 anderen.
Manch einem Kollegen war zum Schmunzeln zumute. Als Michael Haaß, der Spielmacher der deutschen Handballnationalmannschaft, nach der Partie gegen Montenegro als „Man of the Match“ aufgerufen wurde, da blickte der Göppinger etwas verlegen zu Boden. Den großen Auftritt im Scheinwerferlicht liebt er ja nicht gerade. „Manchmal hat man den Eindruck, als ob ihm so ein Preis unangenehm ist“, sagt Steffen Weinhold, sein Nebenmann aus Flensburg.
Unauffällig immer am BallDass Haaß bei dieser 23. WM in Spanien sein 100. Länderspiel absolvierte, ist niemand sonderlich aufgefallen. Dabei ist er neben Carsten Lichtlein, Kapitän Oliver Roggisch und Dominik Klein einer der vier Weltmeister von 2007 im Kader. Es sind andere Profis, die nach außen das große Wort führen in dieser Mannschaft, Torwart Silvio Heinevetter, auch Abwehrchef Roggisch. Haaß ist eher der leise Anführer. Dabei ist der 29-Jährige zweifelsfrei einer der Schlüsselspieler im Team von Bundestrainer Martin Heuberger.
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„Wenn wir diesen Standard halten, dann haben wir in jedem Spiel eine Chance”
Bundestrainer Heuberger
Der Göppinger, der im Sommer nach Magdeburg wechselt, ist der Rückraumspieler mit der längsten Einsatzzeit. 182 Minuten verzeichnet die Statistik vor der letzten Vorrundenpartie gegen Frankreich (Freitag, 18.30 Uhr, live bei der ARD), und das waren 182 Minuten Ackern am Anschlag. Denn nicht nur im Angriff führt Haaß das Zepter. Sondern er bildet mit Oliver Roggisch (Löwen) auch den ersten Mittelblock im Team.
Ziel: Spielniveau haltenDieses Duo zeichnete dafür verantwortlich, dass der 6:0-Abwehrverbund gegen Montenegro erstmals hohes Niveau in diesem Turnier erreichte. „Wenn wir diesen Standard halten, dann haben wir in jedem Spiel eine Chance“, glaubt Heuberger nun. Und wenn nicht gegen den Olympiasieger Frankreich, so doch im Achtelfinale am Sonntag, entweder gegen Russland, Island oder Mazedonien.
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„Das ist das, was wir zeigen können. Das tat gut, dass wir eine solche Leistung mal abrufen konnten.”
Michael Haaß
Zu rhetorischen Steilflügen setzt Haaß nach derlei Lobestönen noch lange nicht an. „Das ist das, was wir zeigen können“, sagt Haaß trocken. „Das tat gut, dass wir eine solche Leistung mal abrufen konnten.“ Nun gehe es darum, diese Leistung auf höherem Niveau zu stabilisieren. „Wir werden versuchen, uns weiter zu steigern.“ Und dabei fällt auf: Selbst wenn es um seine Leistung geht, dann redet Haaß nie in der Einzahl, sondern immer nur über die Einheit. „Das macht ihn so sympathisch und wichtig“, sagt Weinhold. Und weiter: „Bei ihm steht der Teamgedanke über allem.“ Mit seiner bodenständigen, seriösen Art stellt Haaß in der Tat einen Gegenentwurf zu Michael Kraus (HSV) dar, den der Trainer wegen seiner irrlichternden Art zu Hause gelassen hat.
Belastung ist großÜber den möglichen Gegner im Achtelfinale will sich Haaß noch keine Gedanken machen. Viel zu früh, sagt er. Spekulationen darüber, ob die Russen oder die Isländer leichter zu
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„Leichter oder schwerer, das spielt für uns keine Rolle. Es geht darum, unser Potenzial abzurufen, dann haben wir auch eine Chance.”
Michael Haaß
spielen wären, führten doch einfach nicht weiter. Haaß: „Leichter oder schwerer, das spielt für uns keine Rolle. Es geht darum, unser Potenzial abzurufen, dann haben wir auch eine Chance.“
Die Frage ist, wie gut er der großen Belastung, die seine aktuelle Rolle im Team mit sich bringt, standhalten wird. Zumal ihm vielleicht noch etwas Substanz fehlt nach dem furchtbaren Fußbruch, den er im letzten Spiel bei der EM 2012 in Serbien erlitt. Acht Monate musste er pausieren. Vergleichsweise spät hatte er wieder den Einstieg in den harten Bundesliga-Rhythmus gefunden. Im Dezember war seine Form aber dann kontinuierlich angestiegen - zum Glück für den deutschen Handball.