von Mathias Müller
Verrückt, verrückter, Kitzbühel. Am Wochenede heißt es wieder: Fertigmachen für den Wahnsinn auf der Streif, der spektakulärsten Skiabfahrt der Welt. Dass gut zwei Wochen später eine WM stattfindet, interessiert hier niemanden.
"Die Streif ist das Rennen, das du als Rennfahrer gewinnen musst. Kitzbühel ist immer das interessanteste Rennen des Jahres“, sagt der viermalige Sieger Franz Klammer (59). Am Freitag fand das Ski-Event des Jahres mit dem Super-G seinen Beginn. Auf die legendäre Abfahrt (11.30 Uhr) am Samstag folgt am Sonntag der Slalom (10.15 Uhr) auf dem Ganslernhang – mit Siegchancen für Felix Neureuther. Ganz Kitzbühel steht auch in diesem Jahr wieder Kopf.
Kitzbühel ist ausgebuchtÜber 100.000 Zuschauer erwarten die Veranstalter an den drei Tagen. Der Heimatort von Toni Sailer und Hansi Hinterseer ist komplett ausgebucht, ein freies Zimmer bekommt nur noch derjenige, der tief in die Tasche greift. Dass am 4. Februar die Heim-WM in Schladming beginnt, tut der Popularität keinen Abbruch.
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„Kitzbühel ist immer das interessanteste Rennen des Jahres.”
Franz Klammer
"Wir sind das Wimbledon des Skisports. Dem Turnier hat es im vergangenen Jahr auch nicht geschadet, dass dort kurze Zeit später die Olympischen Spiele stattgefunden haben“, sagt Rennchef Peter Obernauer. Er sieht darin sogar einen Vorteil, weil sich einige Athleten noch für den WM-Kader qualifizieren müssten und die Wertigkeit dadurch steigt.
21,7 Kilometer Fangzäune verlegtUm dem Fanansturm gerecht zu werden, arbeiten rund 1500 Helfer fleißig an der Piste (40%), im Stadion (40%), im Büro (10%) und bei diversen Tätigkeiten (10%). Entlang der Strecke wurden 9,7 Kilometer Fangzäune aufgebaut. Zudem wurden zwölf Kilometer Zuschauerzäune installiert.
Die Österreicher hoffen, dass endlich wieder einer der ihren gewinnt. Seit dem Sieg von Michael Walchhofer im Jahr 2006, warten sie auf einen heimischen Sieger auf der teuflischen Piste auf dem Hahnenkammberg. Zuletzt siegte sogar fünfmal in Folge ein Schweizer – viermal Didier Cuche (2008 und 2010 bis 2012) und einmal Didier Defago (2009).
Hoffnung auf Kröll und Reichelt"
„Es wäre wichtig, dass wir einen Sieg einfahren. Wir sind die Abfahrtsnation Nummer eins“, sagt Kaiser Klammer. Als heißeste Eisen benennt er den Vorjahresdritten Klaus Kröll und Hannes Reichelt. Außerdem bewerben sich der Norweger Aksel Lund Svindal und der Italiener Christof Innerhofer um den Sieg. Unter den 50 startberechtigten Wagemutigen ist mit Stephan Keppler auch ein Deutscher, Chancen hat er jedoch keine. Im Gegensatz zu Neureuther beim Slalom, „der ist super drauf und kann gewinnen“, so Klammer.
Für unsere Nachbarn ist das Skispektakel um die Mausefalle (85% Gefälle), die alte Schneise, den Lärchenschuss und die Hausbergkante das Sportevent des Jahres. Die Veranstaltung wird im Fernsehen weltweit in über 200 Länder übertragen. Böse Zungen behaupten sogar, Österreich sei in diesen drei Tagen nicht verteidigungsbereit, da sämtliche Soldaten in den Kitzbühler Bergen für das Hahnenkammrennen arbeiten.
Piste bestens präpariertDie Piste ist in diesem Jahr bereits seit Tagen bestens präpariert. Für die Fahrer ist es sowieso immer eine neue Erfahrung. Es sei jedes Mal wieder anders, sagt Klammer und ergänzt, worauf es letztendlich ankommt: „Du musst immer volle Attacke und voll auf Angriff fahren. Der sicherste Weg ist aktiv auf dem Ski zu stehen und zu arbeiten. Wer zu passiv ist, lebt gefährlich.“