von Erik Eggers
Im September will Bob Hanning als Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Handballbund (DHB) kandidieren. Eines der drängendsten Probleme, den brutalen Terminkalender für die besten Profis, könnte er nach Ansicht von Ex-Torwart Thiel nur mit Boykott lösen.
Der deutsche Handball hat endlich wieder einen Hoffnungsträger. Für den Rückraum wäre Robert Hanning, genannt Bob, eher nicht zu gebrauchen – bei 1,68 Metern Körpergröße wäre er für jede Deckung ein leichtes Opfer. Aber der Manager der Füchse Berlin will ja nicht selbst zum Ball greifen. Seine Mission lautet: Als Funktionär nicht weniger als den lädierten Deutschen Handballbund (DHB) retten.
Eine Bob-WMDie Nationalmannschaft, die am Samstag in Granollers zum Auftakt der 23. WM gegen
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„Ich stelle meine Arbeitskraft zur Verfügung, wenn die Vollversammlung mich haben möchte.”
Bob Hanning
Brasilien (33:23) siegte und gegen Tunesien mit 23:25 unterlag, war jedenfalls bisher nur Randthema. Bisher ist es eine Bob-WM. Vor Anpfiff erklärte der neue Messias gegenüber der Presse und im Fernsehen seine Kandidatur als DHB-Vizepräsident Leistungssport für September. „Ich mache das aus Liebe zu der Sportart. Ich stelle meine Arbeitskraft zur Verfügung, wenn die Vollversammlung mich haben möchte“, sagte der 44-Jährige.
Über die Personen, mit denen er den Handball umzukrempeln gedenkt, spricht Hanning nicht. Es gehe um die Sache, nicht um Personen, sagt er. Kein Wort von ihm zum möglichen Comeback von Uwe Schwenker, Ex-Manager des THW Kiel, dessen Prozess im Zuge der Manipulationsskandals von 2009 bald Geschichte sein wird. Kein Wort auch zu anderen Persönlichkeiten, die ihm womöglich als Präsident noch lieber sind. Und kein Wort auch zum genervten DHB-Sportdirektor Heiner Brand, der von einer „Diskussion zur Unzeit“ spricht.
Ein dickes BrettDie Themenkomplexe, um die es Hanning geht, sind bekannt. Er will den deutschen Handball besser vermarkten. Er will, dass die Gräben, die sich in den letzten Jahren aufgetan haben, speziell zwischen DHB und der Liga, wieder zugeschüttet werden. Und er will die brutale Belastung, denen die leistungsstärksten Profis ausgesetzt sind, durch eine Entzerrung des Terminkalenders endlich reduzieren. Nicht nur bei diesem ewigen Thema müssten alle ihren Beitrag leisten, sagt er. „Man muss selber auch einzahlen, wenn man etwas herausbekommen will.“
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„Man muss selber auch einzahlen, wenn man etwas herausbekommen will.”
Bob Hanning
Das Brett, das hier gebohrt werden muss, ist dick. Denn weder Internationale Handball-Föderation (IHF) noch Europäische Handball-Föderation (EHF) zeigen auch nur die leisesten Willen, den jeweiligen Zwei-Jahres-Takt der Welt- und Europameisterschaften in einen Vierjahresturnus zu ändern. Die EHF hat kürzlich sogar grundsätzlich zugestimmt, dass bei den für 2015 erstmals stattfindenden Europäischen Spielen in Baku auch Handball gespielt wird. Auch hat sie die Champions League in den letzten Jahren kontinuierlich aufgebläht. Und die Bundesliga ist ebenfalls nicht bereit, wie von Bundestrainer Martin Heuberger gefordert, von 18 auf 16 Mannschaften zu reduzieren, um vier Termine einzusparen.
Die ewige Debatte: TerminflutDiese Terminflut des Handballs ist eine ewige Debatte ohne Ergebnis. Der ehemalige Weltklassetorhüter Andreas Thiel hat deshalb vor einigen Tagen dem Internetportal trainingsworld.com gesagt, dieses Problem sei „ganz konsequent zu Ende gedacht mit Gesprächen allein nicht lösbar“. Es helfe wohl nur die Holzhammer-Methode: Ein Boykott des deutschen Handballs, der den größten Markt weltweit darstellt. „Wenn die bösen Deutschen nicht teilnehmen und insbesondere die deutschen Werbeträger und Sponsoren nicht zur Verfügung stehen, weil eine deutsche Nationalmannschaft nicht mitspielt, dann will ich doch mal sehen, ob man mittelfristig vielleicht doch nicht die Front aufweicht.“
Die Lösung hieße also: Bob’s Boykott. Damit würde er immerhin Handballgeschichte schreiben.