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Radsport - Doping

Armstrongs Geständnis wirft neue Fragen auf

  • Video Jaksche: "Minimalgeständnis" Armstrongs
  • Bilderserie Die größten Dopingskandale
  • Video Poschmann zu Armstrong: Alles Kalkül
  • VideoJaksche: "Minimalgeständnis" Armstrongs

    "Ein Minimalgeständnis": So wertet Ex-Radprofi Jörg Jaksche, der 2007 Doping zugab, das Geständnis von Lance Armstrong im Interview mit dem ZDF. Die Doping-Beichte sei kalkuliert und geschönt.

    (18.01.2013)
    BilderserieBiGa größte Dopingskandale
    Ben Johnson (Kanada, vorn) siegt vor Carl Lewis (USA, re.) und Linford Christie (Großbritannien, Mitte) / Quelle: imago
    (15.01.2013)
    VideoVideo Poschmann

    Wolf-Dieter Poschmann hat zu Lance Armstrongs angeblichem Dopinggeständnis eine klare Meinung. Der ZDF-Mann ist sicher: Armstrong kapituliert nicht, sondern sucht sein Heil in der Flucht nach vorne.

    (16.01.2013)

    Kurzmeldung

    • 18:41 18.01.2013Kurzmeldung

      Prudhomme kritisiert Armstrong 18:41 18.01.2013
      Tour-de-France-Chef Christian Prudhomme ist das Doping-Geständnis von Lance Armstrong nicht genug. "Wir müssen mehr darüber erfahren, wie er dopen konnte und vor allem über den Einfluss seines Umfelds", sagte der Franzose. "Um diese Art von Affären zu vermeiden, müssen wir jetzt mehr wissen, um das System zerlegen zu können, über das die USADA in ihrem vernichtenden Report berichtet", forderte Prudhomme. Zuvor hatte der frühere Radstar Armstrong in einem TV-Interview zugegeben, jahrelang EPO, Testosteron, Kortison, Wachstumshormone und Blutdoping zur Leistungssteigerung genutzt zu haben.

    • 12:20 18.01.2013Kurzmeldung

      Presse zu Armstrongs Geständnis 12:20 18.01.2013
      USA Today: "Nach all den Jahren des Betrugs, der Lüge und Millionen Dollar, die auf dem Schwindel beruhen, blickte Armstrong Oprah Winfrey in die Augen und sagte einfach: 'Halb so wild'." New York Times: "Bei Winfrey verliert er seinen Eisblick und vergisst seine beißenden Worte." L'Equipe: "Armstrong hat seine Rolle im Dopingsystem innerhalb der Mannschaft US Postal heruntergespielt, den hochkontroversen Michele Ferrari verteidigt und jegliche Verschwörung bestritten, eine Positivkontrolle mit Hilfe der UCI vertuscht zu haben."

    • 09:02 18.01.2013Kurzmeldung

      WADA-Chef: Armstrong "unglaubwürdig" 09:02 18.01.2013
      Lance Armstrongs Beichte hat beim Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA für Verstimmung gesorgt. John Fahey übte vor allem an der Aussage des Ex-Radprofis, durch den jahrelangen Dopingkonsum lediglich faire Voraussetzungen schaffen zu wollen, heftige Kritik. Dieser Kommentar sei "ein bequemer Weg zu rechtfertigen, was er getan hat - nämlich betrügen", sagte Fahey zu AP. Durch solche Aussagen werde Armstrong "völlig unglaubwürdig", ergänzte er. "Er hat keine Namen genannt, hat nicht verraten, wer ihn versorgt hatte, welche Funktionäre involviert waren", bemängelte Fahey.

    • 06:52 18.01.2013Kurzmeldung

      Armstrong: Ich habe gedopt 06:52 18.01.2013
      Lance Armstrong hat jahrelanges Doping unter anderem mit EPO, Eigenblut, Kortison und Wachstumshormonen gestanden. Bei der Ausstrahlung des TV-Interviews mit US-Talkerin Oprah Winfrey gab der 41-Jährige zu, bei all seinen sieben Tour-de-France-Erfolgen zwischen 1999 und 2005 gedopt gewesen zu sein. In den Comeback-Jahren 2009 und 2010 hätte er aber nicht manipuliert. Armstrong bestätigte viele der gegen ihn vorliegenden Vorwürfe. Allerdings stritt er ab, mit Hilfe des Weltverbands UCI positive Dopingtests verschleiert zu haben. "Die Geschichte ist nicht wahr", sagte Armstrong.

    • 10:02 18.01.2013Kurzmeldung

      UCI begrüßt Armstrongs Geständnis 10:02 18.01.2013
      Der Radsport-Weltverband UCI hat das Dopinggeständnis von Lance Armstrong begrüßt. "Armstrongs Entscheidung, sich der Vergangenheit zu stellen, ist ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg zur Wiederherstellung des Vertrauens in den Sport", erklärte der selbst heftig umstrittene UCI-Chef Pat McQuaid. Armstrong hatte den Dachverband vom Verdacht der Korruption und Einflussnahme bei den Doping-Kontrollen ausdrücklich freigesprochen. "Armstrong hat bestätigt, dass es keine Verschwörung und keine Absprachen zwischen ihm und der UCI gegeben hat", sagte McQuaid weiter.

    • 06:58 18.01.2013Kurzmeldung

      "Kleiner Schritt in richtige Richtung" 06:58 18.01.2013
      Als "kleinen Schritt in die richtige Richtung" hat USADA-Chef Travis Tygart das Geständnis von Lance Armstrong bezeichnet. Der längst als Doper überführte Texaner hätte "endlich zugegeben, dass seine Radsport-Karriere aus einer kraftvollen Kombination aus Doping und Betrug" bestanden hätte, sagte der Chef der US-Anti-Doping-Agentur. Wenn es Armstrong ernst damit sei, "seine Fehler zu korrigieren, muss er unter Eid ein vollständiges Geständnis seiner Doping-Aktivitäten" ablegen, so Tygart weiter. In einer 1000 Seiten umfassenden Anklageschrift hatte die USADA Armstrong Doping nachgewiesen.

     von Jonathan Sachse

    Wenige Stunden nach der Doping-Beichte appellierte die USADA an Armstrong, seine Aussagen unter Eid zu wiederholen. ZDFsport.de prüft im Faktencheck, ob er manche seiner Äußerungen aus dem Interview noch einmal überlegen sollte. 

    Bereits mit den ersten fünf Antworten schien Armstrong die Karten auf den Tisch gelegt zu haben. Ja, er hätte gedopt. Dabei nutze er das komplette Arsenal an Substanzen und Methoden. EPO, Eigenblutdoping, Bluttransfusionen, Testosteron, Kortison und Wachstumshormone hätten seine Leistung bei allen sieben Toursiegen gesteigert.

    Thema im "sportstudio"

    Einen ausführlichen Bericht zur neuesten Entwicklung im Fall Lance Armstrong sehen Sie am Samstag (nach "Wetten, dass...?") im "aktuellen sportstudio".

    Nach dem ehrlichen Beginn zog Armstrong schnell die Handbremse. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach Aberkennung aller Tourtitel verpasste der Amerikaner die große Chance auf Veränderung. Konkrete Aussagen, in denen er beispielsweise Protagonisten in seinem Dopingnetzwerk benennen würde, ließ er aus. Ganz im Gegenteil: Hinter mehrere Antworten auf Oprah Winfreys Fragen muss mindestens ein Fragezeichen gesetzt werden, wie der folgende Faktencheck zeigt.

    1. Armstrong hatte keinen Zugang zu Dopingmitteln, die andere nicht hatten.

    Der Chef der amerikanischen Anti-Dopingbehörde USADA zog im Oktober 2012 ein eindeutiges Fazit, sprach vom „ausgeklügelsten, professionellsten und erfolgreichsten Dopingprogramm, das die Welt jemals gesehen hat.“ Ein eindeutiges Fazit, welches er mit einer Veröffentlichung von etwa 1000 Seiten für jeden einsehbar belegte.

    Allein diese Aussage lässt schon vermuten, dass nicht jedes Team zu Armstrong Zeiten mit den gleichen Mitteln kämpfte. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Armstrongs Team von 1999-2005 das höchste Budget für Manipulation durch Doping zur Verfügung stand.

    2. Zum letzten Mal hat Armstrong 2005 gedopt, 2009 und 2010 war nichts.

    Mit einer positiven Probe lässt sich diese Aussage zu seinen beiden Comeback-Jahren in der Tat nicht widerlegen. Es gibt aber eine ganze Hand voll Gründe, die an einen ungedopten Armstrong in seiner zweiten Ära als Fahrer zweifeln lassen.

    Stiftung distanziert sich

    Die Krebsstiftung Livestrong hat sich von ihrem Gründer Lance Armstrong distanziert. Nach dem Doping-Geständnis ließ die Stiftung verlauten: 'Wir sind enttäuscht über die Nachricht, dass Lance Armstrong die Menschen während seiner Karriere getäuscht hat - inklusive uns." Armstrong war zuvor in die Livestrong-Zentrale gekommen, um sich zu entschuldigen.

    "Wir haben seine Entschuldigung akzeptiert, um nach vorne zu blicken und einen starken, unabhängigen Kurs einzuschlagen", hieß es in einem Statement. Im vergangenen November war Armstrong von allen offiziellen Ämtern der Stiftung zurückgetreten. Kurz darauf distanzierte sich die Organisation von ihrem Gründer und änderte den Namen von "Lance-Armstrong-Foundation" in 'Livestrong-Foundation".

    Beim Comeback von Lance Armstrong 2009 gestattete UCI-Präsident Pat McQuaid dem Texaner einen Bruch mit den Anti-Doping-Bestimmungen des Verbandes: Statt sechs Monaten vorab, musste Armstrong erst fünf Monate vor seinem ersten Rennen dem Dopingkontrollprogramm unterstehen.

    Armstrong arbeitete mit dem größten Teil seiner Manager, Betreuer und Ärzte zusammen, die sein Dopingprogramm zuvor in Richtung Champs-Élysées unterstützten. Gegen vier seiner Mitarbeiter, Johan Bruyneel, Perdu Celaya, Pepe Martin und Dr. Michele Ferrari, erhob die USADA Anklage. Den Dopingdoktor und Trainer Ferrari soll Armstrong im März und Mai 2010 getroffen haben (USADA Reports, Reasoned Decision, Seite 82). Finanzielle Absprachen zwischen Ferrari und Armstrong aus den Jahren 2009 und 2010 sind in zahlreichen E-Mails protokolliert.

    Der australische Anti-Doping Wissenschaftler Michael Ashenden analysierte drei Jahre später das Blutprofil aus Armstrongs Comeback Jahr und erkannte im Blutprofil Anzeichen für Blutdoping.

    3. Vertuschte Proben bei der Tour de Suisse 2011 und Armstrongs Spende.

    In den USADA-Dokumenten berichtet Ex-Teamkollege Tyler Hamilton von einer positiven EPO-Probe bei der Schweizer Rundfahrt 2011. „Wir haben mit der UCI Kontakt aufgenommen. Alles wird gut gehen“, soll Armstrong damals gesagt haben. (USADA Reports, Reasoned Decision, Seite 51).

    Ein Jahr später schildert ein weiterer ehemaliger Teamkollege, Floyd Landis, einen Besuch von Bruyneel und Armstrong im UCI-Hauptquartier. Der Radsport-Weltverband nahm eine Spende entgegen, die mindestens - mittlerweile von der UCI bestätigt - 150.000 Dollar betrug und die positiven Proben vertuschen sollte. Eine positive EPO-Probe von Lance Armstrong wurde später vom Lausanner Laborleiter Martial Saugy bestätigt.

    4. Keine positive Doping-Probe. Neue Methoden decken nachträglich Doping auf. 

    Mit dieser Aussage könnte Armstrong theoretisch Recht haben, wobei allein die erwähnte Schweizer Probe Zweifel hervorruft. Die stets negativen Tests könnten aber auch durch ein Kontrolleur-Frühwarnsystem zu Stande gekommen sein. Ex-Teamkollege David Zabriskie wunderte sich über Bruyneel, der seine Fahrer frühzeitig über bevorstehende Tests informieren konnte. Ein Bericht der französischen Anti-Doping Agentur AFLD unterstreicht die Vermutung. In einem Bericht zur Tour de France 2009, in dem AFLD und UCI gemeinsam die Tests organisierten, klagen die Franzosen, dass Armstrongs Team Astana frühzeitig über Dopingstests informiert wurde (USADA Reports, Reasoned Decision, Seite 133).

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    Armstrongs Karriere

    1992: Armstrong beendet das olympische Rennen als 14. und
    wechselt nach den Spielen in Barcelona ins Profilager. In seinem
    ersten Rennen, dem Clasica San Sebastian, wird er Letzter.

    1993: Er wird Weltmeister, gewinnt die USPRO Championship sowie
    seine erste Etappe bei der Tour de France.

    1996: Er startet das Jahr als Weltranglistenerster. Im Oktober
    unterzieht er sich einer Chemotherapie. Bei Armstrong war zuvor
    Hodenkrebs diagnostiziert worden, der bereits in Lunge und Gehirn
    gestreut hatte.

    1997: Armstrong beginnt wieder mit dem Training und gründet eine
    Stiftung, die sich der Krebsforschung widmet.

    1998: Er kehrt in den Wettkampf-Zirkus zurück, gewinnt die
    Luxemburg-Tour, die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt sowie den Cascade
    Classic in Oregon.

    1999: Für das Team US Postal gewinnt Armstrong als zweiter
    Amerikaner die Frankreich-Rundfahrt.

    2000: Er fährt zu seinem zweiten Tour-Sieg und veröffentlicht
    ein Buch mit dem Titel "Tour des Lebens".

    2001 - 2003: Die Tour-Erfolge Nummer drei bis fünf folgen.

    2004: Armstrong wird Wochen vor seinem sechsten Tour-Triumph
    beschuldigt, leistungssteigernde Medikamente einzunehmen.

    2005: Er verkündet im April seinen Rücktritt für den Zeitpunkt
    nach der Tour, die er zum siebten Mal gewinnt. Im August berichtet
    die französische Sportzeitung L'Equipe, dass in sechs Urinproben des
    Amerikaners von 1999 das Blut-Dopingmittel EPO nachgewiesen wurde.
    Armstrong bestreitet die Vorwürfe weiterhin.

    2006: Armstrong wird vom Weltverband UCI freigesprochen, da die
    erneuten Tests der Proben nicht nach wissenschaftlichem Standard
    durchgeführt wurden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA nennt den
    UCI-Bericht "fast schon lächerlich".

    2008: Am 9. September verkündet Armstrong sein Comeback.

    2009: Im April wirft ihm die französiche Anti Doping Agentur
    (AFLD) vor, dass er bei Dopingproben nicht kooperiere.

    2010: Dopingsünder Floyd Landis, früherer Teamkollege bei US
    Postal, beschuldigt unter anderem Armstrong, dass auch er
    leistungssteigernde Mittel eingenommen habe.

    2011: Im September zitiert die Sports Illustrated Armstrongs
    früheren Weggefährten Stephen Swart. Dieser bezeichnet Amrstrong als
    "einen Anstifter" der zu EPO geraten habe. Nach der Australien-Tour
    tritt er endgültig zurück. Im Mai berichtet Armstrongs früherer
    Edelhelfer Tylor Hamilton, dass beide während der Tour 1999, 2000
    und 2001 mit EPO gedopt hatten.

    2012: Am 29. Juni bezichtigt ihn die US-Anti-Doping-Agentur
    (USADA) des Doping-Missbrauchs und suspendiert ihn von allen
    Wettkämpfen. Am 20. August weist ein Gericht Armstrongs Klage gegen
    die USADA zurück. Drei Tage später gibt er den Rechtsstreit um die
    Dopingvorwürfe auf, die USADA sperrt Armstrong lebenslang. Ihm droht
    der Verlust aller sieben Tour-Siege. Am 10. Oktober veröffentlicht
    die USADA ihre Urteilsbegründung. Armstrongs langjähriges Profiteam
    US Postal habe das "ausgeklügelste, professionellste und
    erfolgreichste Dopingprogramm betrieben, das der Sport jemals
    gesehen hat", heißt es in dem Bericht. Am 22. Oktober folgt der
    Weltverband UCI der USADA und erkennt Armstrong sämtliche sieben
    Tour-Siege ab.

    2013: Am 14. Januar wird die TV-Show der amerikanischen Talk-Ikone Oprah
    Winfrey mit Interview-Partner Armstrong aufgezeichnet. Der
    Ex-Profi gesteht der Moderatorin jahrelanges Doping.

    Bericht der US-Dopingfahnder

    HAUPTVORWURF:

    Die USADA wirft Armstrong sowie fünf weiteren Teambetreuern und Ärzten systematisches Doping von 1998 bis 2010 vor. Armstrong habe selbst unter anderem EPO-, Kortison-, Testosteron- und Blutdoping betrieben sowie viele Mannschaftskollegen dazu aufgefordert. Seine Teams seien von Anfang bis zum Ende "mit Doping verseucht" gewesen.

    BEWEISE:

    Die USADA stützt sich vor allem auf eidesstattliche Erklärungen und Aussagen von mehr als zwei Dutzend Zeugen, darunter 15 Radprofis und elf ehemalige Teammitglieder von Armstrong. Darüber hinaus bietet die Behörde viele Dokumente wie Bankauszüge, E-Mail-Korrespondenzen, Labortests und wissenschaftliche Gutachten auf. Auf Unterlagen der US-Finanzbehörde, die Ermittlungen gegen Armstrong zuvor eingestellt hatte, musste die USADA dabei nach eigenen Angaben verzichten.

    ANZAHL DER DOPINGPROBEN:

    Armstrong gab als Verteidigung stets an, in seiner Karriere mehr als 500 Mal negativ getestet worden zu sein. Diese Zahl streitet die USADA ab und rechnet mit rund der Hälfte. Außerdem habe es mehrmals positive Tests gegeben: Sechs wissenschaftliche EPO-Befunde der Tour 1999 seien zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung 2005 sportrechtlich nicht mehr verwertbar gewesen. Ein positives EPO-Ergebnis der Tour de Suisse habe Armstrong mithilfe der UCI verschleiert. Analysen von Armstrongs Blutprofilen zwischen Oktober 2008 und Januar 2011 lassen auf Blutdoping schließen. Die Chance, dass ein zu niedriger Retikulozyten-Anteil bei sieben Blutproben auf natürliche Weise zustandekam, beziffert ein Gutachter auf "kleiner als 1:1.000.000".


    ZEUGENAUSSAGEN:
    Die Berichte ehemaliger Teamkollegen zeichnen ein detailliertes Bild. Schon 1998, in seiner ersten Saison nach seiner überstandenen Krebserkrankung, habe Armstrong im Team US Postal Doping mit EPO, Kortison, Testosteron und dem Wachstumshormon HGH betrieben. Ein Jahr später sei bei der Tour erstmals ein Motorradfahrer ("Motoman") engagiert worden, um das Team unbehelligt mit Drogen zu versorgen. Danach sei die "Dopingverschwörung" immer professioneller geworden.

    TESTS:

    Um keine positiven Tests abzugeben, seien Armstrong und seine Kollegen zu gewissen Vorsichtsmaßnahmen aufgefordert worden. In den ersten Jahren habe es zum Teil schon genügt, den Kontrolleuren einfach die Wohnungstür nicht zu öffnen. Später hätten die Teamchefs um Johan Bruyneel stets im Voraus erfahren, wann ein Test anstand. Weil die Dopingkontrollen von Jahr zu Jahr intensiver wurden, habe sich Armstrong mitunter in Wohnungen von Teamkollegen versteckt. Zudem hätten die Team-Mediziner penibel genaue Zeitfenster für die Doping-Einnahme errechnet, um später nicht aufzufallen. Einen positiven Kortison-Test Armstrongs habe Teamarzt Luis Garcia del Moral durch ein gefälschtes nachträgliches Rezept verschleiert.

    WICHTIGSTE HELFER:

    Die zentrale Figur ist der italienische Arzt Michele Ferrari, in der Szene bekannt als "Dottore EPO". Laut USADA arbeitete Armstrong die ganze Karriere hindurch mit dem umstrittenen Mediziner zusammen, der in Italien Berufsverbot hat. Daneben war Teamchef Bruyneel der engste Vertraute des Texaners. Der Belgier habe junge Radprofis "auf schädlichste Art und Weise" in "abgeklärte Doper" verwandelt.

    GRUPPENZWANG:

    Laut Zeugenaussagen hat Armstrong Doping in seinen Teams nicht nur gefördert, sondern auch gefordert. David Zabriskie etwa berichtete, durch den Leistungssport den Drogen aus dem Weg gehen zu wollen, die er für den frühen Tod seines abhängigen Vaters verantwortlich machte. 2003 aber sei er dann doch von Bruyneel überredet worden, EPO zu nehmen ("Jeder macht das"). "Als ich in meine spanische Wohnung zurückkam, brach ich zusammen. Ich rief heulend zuhause an. Ich hatte dem Druck nicht standgehalten", erzählte Zabriskie.

    EINSCHÜCHTERUNG:

    Armstrong sorgte in seinem Team und im Peloton nicht nur für Respekt, sondern auch für Angst: Als der Italiener Filippo Simeoni aus einer gegnerischen Mannschaft 2004 gegen den Armstrong-Arzt Ferrari aussagte, wurde er vom Amerikaner während einer Tour-Etappe vor laufenden Kameras zurechtgewiesen. Den Ex-Teamkollegen Tyler Hamilton habe Armstrong in einem Restaurant körperlich bedroht ("Wir machen dein Leben zur verdammten Hölle"), Levi Leipheimers Frau einschüchternde SMS geschrieben. Zudem habe er mehrfach versucht, andere Fahrer zu falschen eidesstattlichen Versicherung zu nötigen.

    (Quelle: dpa)

    Die Anschuldigungen der USADA

    2. Juli 2004: Unmittelbar vor der Tour de France 2004 erscheint
    das Buch «L.A. Confidential», in dem die beiden Journalisten David
    Walsh und Pierre Ballester schwere Doping-Vorwürfe gegen Lance
    Armstrong erheben. Der US-Amerikaner scheitert vor Gericht mehrfach
    mit dem Versuch, sich in dem Buch äußern zu dürfen.

    1. Oktober 2004: Wegen Sportbetrugs wird der Sportarzt Michele
    Ferrari zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Der Italiener
    arbeitete lange mit Armstrong zusammen. Vom Vorwurf, Radsportler mit
    Dopingmitteln versorgt zu haben, wird Ferrari aus Mangel an Beweisen
    jedoch freigesprochen.

    1. April 2005: Sein ehemaliger Betreuer Mike Anderson erklärt vor
    Gericht, 2004 «ein verbotenes Medikament» in Armstrongs Badezimmer
    gefunden zu haben. Der reagiert darauf mit einer Schadensersatzklage.

    24. Juli 2005: Armstrong gewinnt zum siebten Mal die Tour de
    France und beendet danach seine Karriere.

    23. August 2005: Die französische Sportzeitung «L'Equipe»
    berichtet, dass in sechs Urinproben von Armstrong aus dem Jahr 1999
    das Dopingmittel EPO nachgewiesen wurde. Die Proben waren eingefroren
    worden und konnten dem Bericht zufolge eindeutig Armstrong zugeordnet
    werden. EPO ist erst seit 2001 nachweisbar.

    31. Mai 2006: Eine vom Weltverband UCI eingesetzte Kommission
    spricht Armstrong von den 1999er Doping-Vorwürfen frei. Die weltweite
    Anti-Doping-Agentur WADA nennt den UCI-Bericht «fast schon
    lächerlich».

    9. September 2008: Armstrong kündigt für 2009 sein Comeback an.

    2. Oktober 2008: Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD schlägt
    Armstrong vor, die sechs Proben der Tour de France 1999 nochmals zu
    testen. Der US-Amerikaner lehnt das ab.

    20. Mai 2010: Armstrongs ehemaliger Teamkollege Floyd Landis gibt
    öffentlich zu, die meiste Zeit seiner Karriere gedopt zu haben. Der
    Tour-Sieger von 2006 beschuldigt in diesem Zusammenhang auch
    Armstrong des Dopings. Der weist die Anschuldigungen zurück.

    26. Mai 2010: Nach den Aussagen von Landis kündigen die
    US-Behörden an, die Ermittlungen gegen Armstrong auszuweiten. Es geht
    jetzt nicht nur um die Einnahme unerlaubter Mittel, sondern auch um
    die Frage, ob das Sponsorengeld des amerikanischen Postdienstleisters
    US Postal dazu genutzt wurde, um Dopingmittel zu finanzieren.

    16. Februar 2011: Armstrong erklärt sein endgültiges Karriereende.

    20. Mai 2011: Tyler Hamilton ist der nächste ehemalige
    Teamkollege, der schwere Doping-Vorwürfe gegen Armstrong erhebt. «Ich
    sah EPO in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er es
    sich gespritzt hat», sagt der Zeitfahr-Olympiasieger von 2004 dem
    TV-Sender CBS.

    4. Februar 2012: Die US-Staatsanwaltschaft stellt ihre
    Doping-Ermittlungen gegen Armstrong ein.

    9. Februar 2012: Der Welt-Triathlonverband WTC gibt eine
    Kooperation mit Armstrong bekannt. Für sechs Starts kassiert seine
    Krebs-Foundation «Livestrong» eine Million Dollar. Die erste
    Teilnahme soll im Oktober 2012 sein.

    12. Februar 2012: Armstrong wird Zweiter beim Ironman 70.3, einem
    Wettkampf über die halbe Distanz. Zum Dopingtest müssen nicht wie
    üblich die ersten drei, sondern die Athleten auf den Plätzen vier bis
    sechs.

    12. Juni 2012: Die nationale Anti Doping-Agentur USADA erhebt in
    einem Schreiben schwere vorwürfe gegen Armstrong. Proben aus den
    Jahren 2009 und 2010 sollen «vollkommen mit Proben übereinstimmen, an
    denen Blutmanipulation, inklusive EPO und/oder Blut-Transfusionen
    vorgenommen wurden.» Armstrong wird sofort für alle Wettbewerbe
    gesperrt.

    14. Juni 2012: Der WTC gibt bekannt, dass Armstrong wegen der
    laufenden Ermittlung nicht an Wettkämpfen teilnehmen darf. Der
    Ironman in Nizza am 24. Juni findet ohne den 40-Jährigen statt.

    20. August 2012: Ein Gericht in Austin erklärt die Ermittlungen
    der USADA gegen Armstrong für rechtens. Der Texaner muss entscheiden,
    ob er eine Schiedsgerichts-Verhandlung will oder eine drohende
    lebenslange Sperre der USADA akzeptiert.

    24. August 2012: Armstrong teilt in einem Statement mit, dass er
    den Kampf gegen die Anschuldigungen aufgibt. Ihm droht nun die
    Aberkennung seiner Tour-Titel.

    Die Tour-Zweiten hinter Armstrong

    1999: Sieger Lance Armstrong - Zweiter: Alex Zülle (Schweiz)
    2000: Sieger Lance Armstrong - Zweiter: Jan Ullrich (Deutschland)
    2001: Sieger Lance Armstrong - Zweiter: Jan Ullrich (Deutschland)
    2002: Sieger Lance Armstrong - Zweiter: Joseba Beloki (Spanien)
    2003: Sieger Lance Armstrong - Zweiter: Jan Ullrich (Deutschland)
    2004: Sieger Lance Armstrong - Zweiter: Andreas Klöden (Deutschland)
    2005: Sieger Lance Armstrong - Zweiter: Ivan Basso (Italien)

    18.01.2013
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